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Hoffnung auf Strafrabatt für Betrug an Seniorinnen

Revisionsverfahren im Fall eines Fahrers einer Bande falscher Polizisten – Gesamtschaden über 200000 Euro

Sachsenheim/Stuttgart/Allgäu. Dass eine vierköpfige Bande mehr als 200000 Euro von Seniorinnen aus Sachsenheim, Stuttgart, Friedrichshafen und Bad Bayersoien ergaunert hat, ist unbestritten. Ebenso die Rolle eines 32-Jährigen, der drei Mal einen Abholer zu den Tatorten fuhr, der sich als Polizist ausgab und Geld oder Goldmünzen der Opfer sichern wollte, damit es nicht in die Hände einer Einbrecherbande oder mit ihnen kooperierenden Bankbeschäftigten fällt. Zu zweieinhalb Jahren Haft wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs hatte das Landgericht den Fahrer deshalb verurteilt – doch im Gefängnis saß er noch nicht. Nach dem Urteil im Dezember legte er Revision beim Bundesgerichtshof ein, der das teilweise wieder aufhob.

Denn aus Sicht des obersten Gerichts sind die Stuttgarter Richter im ersten Verfahren „ohne nähere Begründung“ von einer Mittäterschaft ausgegangen, die Abgrenzung zur Beihilfe sei nicht erfolgt, das hätte aber getan werden müssen. Und das laut BGH auch vor dem Hintergrund, dass der 32-Jährige aus Murrhardt nie direkt die Wertsachen entgegennahm, die dann auch umgehend an die Hintermänner in der Türkei weitergeleitet werden mussten.

Tatbeteiligung eingeräumt

Wie im ersten Verfahren war der Angeklagte auch am Montag vor einer anderen Kammer des Landgerichts geständig. Er habe den Abholer – dieser war in allen sieben Fällen schuldig gesprochen und zu vier Jahren Haft verurteilt worden – und einen weiteren Mittäter in einem Fellbacher FKK-Club kennengelernt. Sie hätten ihm erzählt, dass sie öfters mit Fahrten Geld verdienen. Die erste führte die da noch dreiköpfige Kerngruppe Ende Januar 2019 nach Sachsenheim, wo ihnen eine 78-Jährige 12000 Euro übergab, die zweite nach Friedrichshafen, Schaden hier: 17000 Euro. Der 32-Jährige war das erste Mal dabei, als kurz darauf der andere Fahrer keine Zeit hatte. „Ein Freundschaftsdienst“ sei es für ihn gewesen, so der Angeklagte, der erst, als der Haupttäter offenbar direkt aus der Türkei das Ziel Bad Bayersoien im Allgäu erhielt, so langsam erfahren haben will, was geschehen werde.

„Es war ein riesiger Fehler, dass ich nicht schon da gesagt habe, dass ich nicht mitmache“, so der Angeklagte. „Ich wusste nicht, wie alt die Leute sind. Ich bin einfach gefahren.“ 2500 Euro bekam er für die Tour, die Beute betrug 45000 Euro. Dieses Opfer galt in den Augen der Täter als „besonders lukrativ“ und wurde zwei weitere Male heimgesucht, Schaden insgesamt: 100000 Euro. Nach dem letzten Besuch bei ihr wurden der derzeit Angeklagte und ein weiteres Bandenmitglied im März 2019 auf einer Autobahn bei Köln festgenommen. Dabei wurden 20000 Euro der 66-Jährigen bei den beiden sichergestellt und der Frau wieder übergeben.

Seine Liebe zum Autofahren und die Tatsache, dass er sich angezogen fühlte von einem „spannenden kriminellen Milieu“, hätten ihn zu den Taten verleitet. Denn finanziell hätte er es nicht nötig gehabt, sein Handwerksbetrieb laufe gut. Allerdings bekam er die Folgen seines Tuns durchaus am Geldbeutel zu spüren, denn nach der Festnahme sperrte seine Bank sein Geschäftskonto und macht weitere Maßnahmen vom Ausgang des aktuellen Verfahrens abhängig. Und auch die Zahlungen von je rund 6000 Euro, die er an die Frau aus dem Allgäu und sein zweites Opfer in Stuttgart leistete – mehr als er für die Fahrten bekam –, „haben ihm alles abverlangt“, so sein Verteidiger. Auch das wird im Prozess berücksichtigt, ebenso die Entschuldigungsschreiben an die Frauen.

Noch in dieser Woche, und damit früher als geplant, soll ein Urteil gesprochen werden. Und das könnte, so die „unverbindliche“ Auskunft des Richters, positiver für den Angeklagten ausfallen.

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