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„Ich bin ein optimistischer Mensch“

Der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann steht am Sonntag vor seiner Wiederwahl – nur ein Dauerkandidat will es mit ihm aufnehmen. Ein Gespräch über die Stadtbahn zu Bosch, wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz sowie Konflikte, die von außen auf seine Gemeinde eingeprasselt sind.

„Die Entscheidung, erneut anzutreten, ist mir leichtgefallen“: Schwieberdingens Bürgermeister Nico Lauxmann. Foto: Ramona Theiss.
„Die Entscheidung, erneut anzutreten, ist mir leichtgefallen“: Schwieberdingens Bürgermeister Nico Lauxmann. Foto: Ramona Theiss.

Schwieberdingen. Herr Lauxmann, bis auf den Dauerkandidaten Ulrich Raisch will niemand gegen Sie in Schwieberdingen antreten. Sehen Sie das auch als Bestätigung Ihrer Arbeit der vergangenen acht Jahre an?

Nein, eine Bestätigung über den Kurs der vergangenen Jahre und meine Arbeit kann nur das Wahlergebnis am Sonntag liefern. Was mich freut, ist, dass ich viele positive Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern bekomme, die die Wahl zum Anlass nehmen, um noch einmal zurückzublicken – die aber auch wissen wollen, welche Vorschläge ich für die nächsten acht Jahre habe. Dieses Feedback stimmt mich positiv für die Wahl.

Was sagt der Demokrat Lauxmann zu der Ausgangslage – Ihnen ist ja bewusst, dass Politik von einem Wettstreit der Ideen lebt?

Es ist richtig, dass ein Wahlkampf eine Chance sein kann, kommunalpolitische Themen zuzuspitzen. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass wir in den vergangenen acht Jahren intensive Diskussionen in Schwieberdingen geführt haben. Denken Sie zum Beispiel an den Bürgerentscheid zum regionalen Gewerbeschwerpunkt im Juli 2019. Daher finde ich es nicht schlimm, dass es jetzt im Wahlkampf nicht zu diesen Zuspitzungen kommt.

Warum sollten die Schwieberdinger zur Wahl gehen, wenn der Ausgang festzustehen scheint?

Grundsätzlich gilt – eine Wahl ist dann entschieden, wenn die Stimmen ausgezählt sind. Es gibt mehrere Gründe, an der Wahl am Sonntag teilzunehmen. Auf kommunaler Ebene können Sie mit Ihrer Stimme am nächsten und intensivsten Einfluss ausüben. Ein Bürgermeister ist – Gott sei Dank – nicht so weit weg, als dass man mit ihm nichts zu tun hätte. Vor allem aber entscheidet eine Kommune über Lebenssachverhalte, die jede Familie, jede Bürgerin und jeden Bürger nahezu täglich betreffen. Ich würde mich über eine hohe Wahlbeteiligung freuen, denn sie würde Rückendeckung geben für die Herausforderungen, die noch kommen werden.

Wie hoch sollte die Wahlbeteiligung sein, damit Sie zufrieden sind?

Da werde ich Ihnen keine Zahlen nennen. Meine Bewertung bekommen Sie am Wahlsonntag.

Muss eine Demokratie Dauerkandidaten aushalten?

Wir führen diese Diskussion regelmäßig unter Kollegen. Und auch der Verband baden-württembergischer Bürgermeister und unser Vorsitzender, Kollege Michael Makurath aus Ditzingen, haben dazu eine eindeutige Meinung, die er auch schon in Ihrer Zeitung geäußert hat. Er sieht Dauerkandidaten kritisch. Ulrich Raischs Bewerbung in Schwieberdingen hat immerhin dafür gesorgt, dass es eine Auswahl gibt. Über seine Beweggründe erlaube ich mir aber kein Urteil.

Sie haben in Ihrer Bewerbungsrede vergangene Woche gesagt, dass Ihre erste Amtsperiode herausfordernd war. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Wir haben die Zukunftsthemen angepackt, die für die Entwicklung unserer Gemeinde wichtig sind. Das kann dazu führen, dass Debatten emotional werden. Ich hatte den Eindruck, dass sie auch konstruktiv waren. Dazu kamen unsere eigenen Ambitionen, die der Gemeinderat mit Beschlüssen auf den Weg gebracht hat.

Manches prasselte von außen auf Sie ein: Das Land spielte mit der Idee, eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Schwieberdingen zu errichten, ständig gab und gibt es mit der AVL Meinungsverschiedenheiten wegen der Deponie, dazu Corona. Wie haben Sie das erlebt?

Ich muss zugeben, dass es Zeiten gab, die sehr anstrengend und auch belastend waren. Ich kann mich gut erinnern, als wir gleichzeitig die Flüchtlingskrise zu bewältigen hatten und die Konflikte um die Mülltransporte aus dem Atomkraftwerk in Neckarwestheim und der Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe hochkochten. Diese für Schwieberdingen sehr wichtigen Themen mussten vom Bürgermeister in einen geordneten Diskussionsprozess überführt werden.

Kam Ihnen auch mal der Gedanke, dass andere den Job machen sollten?

Es gibt in jedem Beruf, auch bei Bürgermeistern, Tage, da gehen Sie aus dem Rathaus und freuen sich, gute Entscheidungen getroffen zu haben. Andererseits gibt es Momente, von denen Sie wissen, dass sie schwierig waren. Ich bin ein optimistischer Mensch, der den Beruf des Bürgermeisters mit viel Herzblut ausübt. Es gab für mich nicht einen Tag in Schwieberdingen, an dem ich über einen Wechsel nachgedacht hätte. Die Entscheidung, erneut anzutreten, ist mir leichtgefallen.

Auf welche Erfolge sind Sie stolz?

Einmal, dass wir unser Gemeindeentwicklungskonzept mit großer Bürgerbeteiligung erstellt haben. Daraus sind unsere Top-fünf-Projekte entstanden, die zu millionenschweren Investitionen geführt haben. Dreieinhalb dieser Projekte haben wir schon abgearbeitet. Das ist in meinen Augen eine gute Bilanz des Gemeinderats und der Verwaltung.

Sie haben mehr als 40 Millionen Euro ausgegeben.

Wir haben unter anderem unsere Ortsdurchfahrt runderneuert, die Kita Pusteblume gebaut und in den Hochwasserschutz investiert. Jetzt gestalten wir das Areal in den Herrenwiesen um. Los geht es mit der Sanierung der Gemeinschaftsschule, in die wir mit unserem Partner Hemmingen gut 28 Millionen investieren.

Schwieberdingen weist im Haushalt ein Defizit auf, die Gewerbesteuereinnahmen brechen ein. Können Sie sich solche Projekte noch leisten?

Wir haben in Schwieberdingen immer bewiesen, dass wir die Gemeinde mit einem soliden finanziellen Fundament ausstatten können. Wir haben fast keine Schulden, aber bei sinkenden Einnahmen rund 40 Millionen Euro investiert. Ich habe in meiner Amtszeit eingeführt, Projekte klar zu priorisieren. Natürlich haben wir auch Wünsche, aber es gilt der Finanzierungsvorbehalt. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft weitergehen. Fest steht, dass wir nicht alles auf einmal angehen und auch nicht jeden Wunsch erfüllen können.

Sie bekennen sich eindeutig zum regionalen Gewerbeschwerpunkt, der neben Bosch entstehen soll. Warum?

Sollten wir uns hier mit den Eigentümern einigen, sind wir eine der wenigen Kommunen in der Region Stuttgart, die die Chance haben, zahlreiche und zusätzliche Arbeitsplätze am Ort anzusiedeln – und dies in Vereinbarkeit mit Wirtschaftswachstum, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Innovationen. Für mich bedeutet das Zukunftssicherung einer Kommune – vor allem für die kommenden Generationen.

Wie weit sind Sie mit den Eigentumsverhandlungen?

Wir befinden uns aktuell in der zweiten Gesprächsrunde mit Eigentümern und Erbengemeinschaften. Ich bin zurückhaltend optimistisch. Wir haben gute Reaktionen, aber noch einige Themen, die wir mit den Betroffenen besprechen müssen. Der Gemeinderat hat festgelegt, dass wir Anfang des nächsten Jahres entscheiden werden, wie es weitergeht. Noch in diesem Jahr wollen wir einen interkommunalen Verbund mit Markgröningen, Möglingen und Hemmingen gründen, wie es der Verband Region Stuttgart von uns verlangt.

Porsche hat bekanntlich großes Interesse, auf dem Areal ein Industriequartier zu errichten – aber auch die Geduld?

Porsche hat öffentlich als eines der ersten Unternehmen Interesse an diesem Standort angemeldet. Dieses Interesse war bekanntlich auch ein Diskussionspunkt bei unserem Bürgerentscheid. Wir haben einen guten Draht zu Porsche und stimmen uns im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten regelmäßig ab. Über Eigentumsgespräche werden aber keine Informationen weitergegeben.

Wir erleben gerade in der Region, dass Bürgerentscheide über Gewerbegebiete nicht immer erfolgreich ausgehen müssen. Wie sehen Sie das?

Die grundsätzliche Entscheidung, ob man wirtschaftliches Wachstum in Verbindung mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz umsetzen möchte, muss jede Kommune selbst treffen. Dass die Schwieberdinger Bevölkerung nach intensiven Diskussionen mehrheitlich dafür war, ist eine Bestätigung für unseren Weg: Wir wollen uns wirtschaftlich weiterentwickeln und unsere Einnahmen steigern, damit wir unser Investitionsprogramm fortsetzen können.

Wann wird Bosch in Schwieberdingen mit einer Stadtbahn zu erreichen sein?

Wir haben den Wunsch, dass das zügig passiert. Das Verkehrsministerium hat von uns immer eine Machbarkeitsstudie gefordert, wonach ein Ast von Markgröningen oder Möglingen nach Schwieberdingen den Kosten-Nutzen-Faktor von 1,0 übersteigt. Das ist uns gelungen, und so gehen wir jetzt auch engagiert an dieses Projekt.

Schwieberdingen wäre dann per Stadtbahn und Strohgäubahn erreichbar.

Der Wunsch nach einem besseren ÖPNV hat natürlich seine Berechtigung. Auch Bosch hat ein großes Interesse, seinen Standort mit einem Stadtbahnanschluss voranzubringen. Mit Blick auf die Finanzierbarkeit wären zwei Bahnanschlüsse aber auch eine Herkulesaufgabe für unsere Gemeinde.

Was wollen Sie als Erstes angehen, wenn Sie am Sonntag wiedergewählt werden?

Wir haben zwei Themen festgelegt. Wir wollen in die Generalplanung in den Herrenwiesen einsteigen. Damit sind der Abriss und der Neubau der Turn- und Festhalle gemeint, die Modernisierung der Sporthalle, der Anbau und die Sanierung des Feuerwehrgerätehauses – und wie es mit dem Hallenbad weitergeht. Allein dafür wird ein hoher zweistelliger Millionenbetrag fällig werden. Dazu kommt ein Klimaschutzprogramm für Schwieberdingen unter Beteiligung der Bürger.

Wie werden Sie den Wahlsonntag verbringen?

Ich freue mich darauf, ausschlafen zu können. Danach werde ich mit meiner Familie auf die Wahlhocketse unseres Kleintierzuchtvereins und natürlich ins Wahllokal gehen. Im Anschluss steht ein Handballspiel meines älteren Sohnes auf dem Programm, der bei der HSG Strohgäu aktiv ist. Gegen 18.30 Uhr werde ich im Rathaus sein, die einlaufenden Wahlergebnisse verfolgen und das eine oder andere Gespräch führen.

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