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„Ich male, was ich gerade fühle“

Beim dem inklusiven Projekt schlägt Kunst die Brücke zwischen Menschen mit und ohne Behinderung

Ludwigsburg. Susanne Zigelli hat bisher noch kein offenes Atelier verpasst. „Es stecken Sachen in meinen Bildern, die mich bewegen oder die ich gerade fühle“, erzählt sie. Manchmal male sie aber auch einfach drauf los, was ihr gerade so einfalle. Im Laufe der kreativen Treffen hat sie sich auf eine Kratztechnik mit Wachsfarbe spezialisiert. Die Frau lebt mit anderen Behinderten in einer betreuten Wohngemeinschaft des Vereins Insel an der Karl- straße.

Seit dem vergangenen Jahr verwandelt sich der großzügig gestaltete Aufenthaltsbereich einmal im Monat in ein Atelier, in dem Menschen mit oder ohne Handicap gemeinsam ihrer Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen. Den Stein ins Rollen gebracht hat Allessandro Benigni, freischaffender Künstler aus der Nähe von Baden-Baden. Er ist an einer Sonderform des ALS, einer Erkrankung des motorischen Nervensystems, erkrankt. „Ich habe selbst eine Schwerbehinderung, deshalb war Inklusion für mich schon immer ein großes Thema“, so Benigni, der trotz seines Handicaps ein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe absolviert hat.

Um durch kreatives Schaffen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenzubringen, hat er den Verein „Kunst und Inklusion“ gegründet.

Anfang vorigen Jahres habe er beim Verein Insel nachgefragt, ob Interesse an einem inklusiven Workshop bestehe, berichtete Karin Dresen vom Sozialdienst des Vereins. Auch die Aktion Mensch sagte ihre finanzielle Unterstützung zu und steuerte 5000 Euro bei.

Das Kreativangebot läuft jetzt seit mehr als einem Jahr und wird gut angenommen. Deshalb will der Verein es auf jeden Fall fortsetzen, wie Andrea Erdrich, wirtschaftliche Leiterin des Vereins, betonte. „Es kann durchaus sein, dass dieses Angebot sich weiterhin etabliert“, sagte sie. Aktuell ist der Verein dabei, Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten. Zwischen zehn bis 15 Kunstinteressierte nehmen an den Offenen Ateliers teil, die samstags zwischen 10 bis 17 Uhr stattfinden. Die Gruppe ist offen für alle Menschen, ob Schüler oder Senioren. Gearbeitet wird mit Leinwand und Papier, mit Bunt- und Wachsstiften, Acryl- und Aquarellfarben. Die Teilnehmer, die nicht drauf los malen, leitet Allessandro Benigni, der von Ehefrau Claudia unterstützt wird, an.

Bei Frank Ehrmann war das gar nicht nötig: Er hatte nämlich die Idee, eine ganz normale Europalette künstlerisch zu gestalten. „Bei den Treffen entstehen auch Gespräche, zum Beispiel über die Kunst und philosophische Themen“, erzählte Allessandro Benigni, für den die Kunst dazu beiträgt, Brücken zu schlagen und Verbindungen zu knüpfen. Er betreue auch Projekte in Kindertagesstätten, Seniorenheimen sowie Förderschulen und arbeite generationsübergreifend, sagte er. Im Januar nächsten Jahres sollen einige Kunstwerke, die in dem Offenen Atelier an der Karlstraße entstanden sind, im Kulturzentrum ausgestellt werden.

Auch beim Marktplatzfest ist das Projekt präsentiert worden. Benigni hat aber bereits weitere Ideen: Er würde gerne eine zweijährige künstlerische Grundausbildung für Menschen mit Behinderung anbieten. Diese soll sie dann befähigen, später an einer Akademie zu studieren und ihr kreatives Potenzial zu entfalten.

info: Das nächste Offene Atelier findet am 12. September statt. Wer Lust hat, sich dort künstlerisch zu betätigen, kann sich per E-Mail melden unter info@inselev.de oder anrufen unter Telefon (0 71 41) 2 99 70 30.