Logo

IHK fährt strengen Sparkurs

Kammer will unter anderem mit Einstellungsstopp und Digitalisierungsmaßnahmen ihr Millionendefizit ausgleichen

Stuttgart.. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart steht im Jahr 2021 vor großen Herausforderungen. Die Kammer, die sich als Interessensvertretung und Dienstleister ihrer gut 160000 Mitgliedsunternehmen – darunter 29500 im Landkreis Ludwigsburg – sieht, steckt in einem Millionen-Finanzloch. Wie es zu den roten Zahlen kam, und wie die IHK gegensteuern möchte, erklärt ihr Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl.

Herr Schmalzl, wie ist das Finanzloch entstanden?

Johannes Schmalzl: Die IHK finanziert sich über Beiträge ihrer Mitgliedsunternehmen, die sich am Gewinn orientieren. Machen die Unternehmen zum Beispiel wegen der Coronakrise oder der Transformation in der Automobilindustrie weniger Gewinn, dann zahlen sie auch weniger Beiträge. Und wenn zum Beispiel wegen der Pandemie auch keine Veranstaltungen möglich sind, dann gibt es hier auch keine Einnahmen. Die Beitragsausfälle betrugen schon 2020 über fünf Millionen Euro. Gegenüber 2019 verliert die IHK sogar rund zehn Millionen Euro Beitrag bei gleichem Beitragssatz.

Wie will die Kammer das ausgleichen?

Die IHK reagiert auf die sinkenden Einnahmen durch einen weitgehenden Verbrauch der Rücklagen sowie durch konsequente Einsparungen.

Im Personalbereich werden in 2020 und 2021 zusätzlich jeweils über eine Million Euro eingespart. Die IHK-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter verzichten zum Beispiel freiwillig auf die Hälfte des Weihnachtsgelds – obwohl sie bei der Bearbeitung der Coronahilfen für die Unternehmen ihr Bestes gegeben haben. Dazu kommt ein Einstellungsstopp.

Durch konsequente Reduzierung der vorhandenen Aufgaben sowie vor allem durch weitere Digitalisierungsmaßnahmen sollen in den nächsten Jahren zusätzliche Einsparungen erzielt werden.

Bleiben die Beiträge für die Mitglieder stabil?

Die Kammer tut alles, um ihre Unternehmen nicht zusätzlich zu belasten. So konnte trotz der Beitragsverluste die Höhe der Beiträge stabil gehalten werden. Die Unternehmen mussten ihren Beitrag auch nicht wie üblich schon im Frühjahr, sondern erst im Herbst bezahlen. Konnte ein Unternehmen wegen Corona seinen Beitrag nicht zahlen, wurde er gestundet. Die Vollversammlung der IHK Region Stuttgart hat beschlossen, auch 2021 die Beiträge nicht zu erhöhen. Der Beitrag beträgt weiterhin nur 0,21 Prozent des Gewinns.

Allgemein gilt, dass ein Unternehmen nur Beitrag zahlen muss, wenn der Gewinn höher als 5200 Euro ist. Auch zahlen die allermeisten Unternehmensgründer die ersten beiden Jahre keinen Beitrag.

Für 2022 wird die IHK zunächst abwarten, wie hoch die Beiträge 2021 ausfallen. Voraussichtlich wird die IHK-Vollversammlung aber nicht noch einmal eine (maßvolle) Beitragsanhebung abwenden können, um den Aufwand zu decken. Und gerade in der Krise sind die Beratungsleistungen der IHK aus Sicht der Unternehmen unverzichtbar, zum Beispiel in der Krisenberatung.

Was geschieht mit den Rücklagen der IHK?

Die noch vorhandenen Rücklagen werden 2021 aufgebraucht.

Warum muss das Finanzloch ausgeglichen werden? Gibt es dafür eine gesetzliche Vorgabe?

Bisher sah das unser Finanzstatut so vor. Zukünftig wird es nach einem Beschluss der Vollversammlung im Ausnahmefall möglich sein, auch einmal mit einem Minus zu planen und das über einen Mehrjahreszeitraum auszugleichen.

Gab es schon einmal rote Zahlen bei der IHK Region Stuttgart?

Ja, es gab in der Vergangenheit immer wieder negative Jahresergebnisse, zuletzt 2018 und 2019, wo allerdings bewusst mit hohen Defiziten zur Beitragsentlastung geplant wurde. Im Jahr 2019 war das Defizit dann allerdings durch die bereits dort spürbaren Beitragseinbrüche aufgrund des Transformationsprozesses in der Automobilindustrie höher als geplant. Schon dort sanken die Beiträge um knapp drei Millionen Euro gegenüber der Planung.

Wie viele Beschäftigte gibt es bei der IHK?

Die IHK Region Stuttgart hat insgesamt 370 Beschäftigte. 25 davon arbeiten in der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg.

Autor: