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Im Bauhof braucht es Improvisationstalent

Die Umsiedlung des Pleidelsheimer Bauhofs an den Ortsrand ist seit Jahrzehnten ein Thema. Unter Bürgermeister Ralf Trettner gibt es nun baureife Pläne. Ein Rundgang am alten Standort in der Ortsmitte macht die Defizite deutlich.

Multifunktionaler Raum: Hier werden Fahrzeuge abgestellt und Verkehrsschilder sowie Absperrungen gelagert. Links ist die schmale Treppe zu sehen, über die die Schilder teilweise nach unten getragen werden müssen. Fotos: Andreas Becker
Multifunktionaler Raum: Hier werden Fahrzeuge abgestellt und Verkehrsschilder sowie Absperrungen gelagert. Links ist die schmale Treppe zu sehen, über die die Schilder teilweise nach unten getragen werden müssen. Foto: Andreas Becker
Ein Blick in die Werkstatt. Bernd Strenger ist auch für Holzarbeiten sowie die Kontrolle und Sicherheit der Spielplätze zuständig.
Ein Blick in die Werkstatt. Bernd Strenger ist auch für Holzarbeiten sowie die Kontrolle und Sicherheit der Spielplätze zuständig.

Pleidelsheim. 9.30 Uhr auf dem Pleidelsheimer Bauhofgelände: Die Mitarbeiter machen im Freien ihre Vesperpause – mit großem Abstand. Im kleinen Aufenthaltsraum, an den sich Büro, Waschgelegenheiten, Umkleide und Toilette anschließen, wäre das nicht möglich unter Coronabedingungen. Im Hof ist auch Treffpunkt zu einem Rundgang mit Annegret Bartenbach, der für den Bauhof zuständigen Leiterin des Pleidelsheimer Umweltamtes, und Robert Heister, seit 1986 Leiter des Bauhofs. Heister ist Chef von insgesamt zwölf langjährigen Mitarbeitern – neun Festangestellte, zwei geringfügig Beschäftigte und eine junge Frau, die beim Bauhof ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert. In den Bauhofgebäuden gibt es allerdings keine getrennten Umkleidegelegenheiten oder Toiletten. „Die Verhältnisse sind teilweise sehr beengt“, sagt Annegret Bartenbach. Das Team improvisiert, die FÖJlerin weicht auf die Toilette in der ehemaligen Gemeindewaschküche oder das Rathaus aus. Der Bauhof ist seit Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre an der Marbacher Straße angesiedelt, zuvor war dort der örtliche Farrenstall.

Die fehlende Umkleide oder Toilette für Damen ist das eine, bei der täglichen Arbeit fallen andere Defizite mehr auf, beispielsweise die oben im Schuppen gelagerten Verkehrsschilder, allein beim Süwag-Lauf werden 55 Halteverbotsschilder gebraucht. Diese müssen beispielsweise über eine schmale Treppe getragen oder mühevoll nach unten gereicht werden. „Für uns wird es eine große Erleichterung sein, wenn alles ebenerdig ist“, meint Heister. Viele Bauhoffahrzeuge stehen draußen vor den Gebäuden oder werden auf den Hof gefahren, wenn Gegenstände aus dem Lager geholt werden müssen. Große Saisonfahrzeuge, beispielsweise für den Winterdienst, sind beim Recyclinghof untergebracht. Das eine oder andere Fahrzeug wird ebenso wie das Salzsilo auch nach dem geplanten Umzug an den neuen Standort bei den Sportplätzen dort bleiben. Die Leiterin des Umweltamtes sieht viele Vorteile eines Umzugs. „Der neue Bauhof bringt größere Bewegungsfreiheiten, macht das Arbeiten angenehmer und verbessert die Arbeitsabläufe. Es ist wichtig, dass wir unseren Mitarbeitern einen guten Arbeitsplatz bieten“, sagt Bartenbach. Das neue Grundstück ist mit 3600 Quadratmetern etwa so groß wie das bisherige.

Heister hat in seiner Zeit als Bauhofleiter bereits drei Bürgermeister erlebt – Erwin Paulus, Ulrich Bahmer und jetzt Ralf Trettner. „Jeder wollte das Thema Bauhof in Angriff nehmen“, erinnert sich Heister. Jetzt liegen konkrete Pläne vor, der Gemeinderat hat dem Vorhaben mehrheitlich zugestimmt. Der Bauhofleiter freut sich, dass die Verwaltung und das Architekturbüro HHL aus Ludwigsburg das Bauhofteam beim Neubau mit eingebunden haben – von der Auflistung der Maschinen und Fahrzeuge bis zu den Arbeitsabläufen. Im Juni 2022 soll der Umzug über die Bühne gehen.

Was folgt auf den Bauhof?

Nach den aktuellen Plänen soll der Bauhof im Juni 2022 von der Marbacher Straße an den neuen Standort am Ortsrand Richtung Murr umziehen. Für das dann verwaiste Grundstück gibt es bereits ein Konzept und den gültigen Bebauungsplan „Schafgärten IIb“, der 2014 auf den Weg gebracht wurde. Laut diesem Plan sollen auf dem Bauhof-Grundstück, das der Gemeinde gehört, Parkplätze entstehen, auf dem Nachbargrundstück – eine Wiese, auf der ein Tabakschuppen steht – ist laut Bebauungsplan ein Lebensmittelmarkt mit maximal 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgesehen. Ob das alles genauso kommt, darüber sind Verwaltung, Gemeinderat, der Eigentümer des Wiesengrundstücks und mögliche Investoren im Gespräch. „Wir machen uns schon auch Gedanken, ob die Planung vor dem Hintergrund, dass Flächen rar sind, richtig und sinnvoll ist“, sagt Bürgermeister Ralf Trettner auf Nachfrage und spielt auf den großen Parkplatz an. Was wäre die Alternative? Ein Supermarkt mit Tiefgarage oder eine Wohnbebauung auf dem Bauhofgrundstück, mit (Supermarkt-)Parkplätzen drunter. „Spätestens nach der Sommerpause werden wir mit dem Bebauungsplan in den Gemeinderat gehen“, so der Verwaltungschef. So oder so müssten die Gebäude – vom DRK-Vereinsheim bis zur ehemaligen Gemeindewaschküche – auf dem bisherigen Bauhofgrundstück weichen.

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