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Im Einsatz auf der Himmelsleiter und in der Steillage

30 Ludwigsburger Schüler unterstützen den Albverein in Markgröningen bei Pflegearbeiten – Das Ziel: Bewusstsein fürs Ehrenamt schaffen und Teamgeist vermitteln

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Arbeiten Hand in Hand: Schüler der Robert-Franck-Schule und Mitglieder des SAV in Markgröningen. Foto: H. Wolschendorf

Ludwigsburg. Treffpunkt Tammer See um 9 Uhr: 30 Schüler der Ludwigsburger Robert-Franck-Schule trudeln am Freitagmorgen nach und nach in Markgröningen ein. Sie haben sich freiwillig gemeldet, um den Schwäbischen Albverein (SAV) bei den anstehenden Pflegearbeiten zu unterstützen. In diesem Jahr ist die Nachfrage der Jugendlichen zwischen 17 und 20 Jahren offenbar besonders groß. „Nach 30 Anmeldungen musste ich die Liste schließen“, sagt Sozialarbeiter Sascha Albrecht. 20 weiteren auf der Warteliste sagte er ab.

 

Das Ziel der Aktion ist es, Bewusstsein fürs Ehrenamt zu schaffen und Teamgeist zu vermitteln. Außerdem für Umwelt und Natur zu sensibilisieren. Schulseelsorger Roland Schmierer sagt: „Wir wollen den sozialen Gedanken stärken, der in Wirtschaftsschulen manchmal ins Hintertreffen gerät.“

 

Die Arbeiten des SAV sind nicht ohne: In der Nähe des Tammer Sees wird ein verfallenes Weinberghaus abgebrochen, die Einzelteile müssen fachgerecht entsorgt werden. Die Hütte, nur noch eine Ruine, war vorher in sich zusammengebrochen. Die Dachbalken morsch, die Tür eingetreten, überall Müll und Unrat, vergammelte Teerplatten und verrostetes Wellblech. Bis auf das Fundament wird sie nun komplett abgetragen. Rolf Heckhorn von der SAV-Ortsgruppe leitet die jungen Menschen an. Das Vereinsmitglied Joachim Lindner stellt Schlepper und Anhänger zur Verfügung.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft, einem FFH-Landschaftsschutzgebiet, schichtet eine andere Gruppe lose und heruntergefallene Steine von Trockenmauern in Steillage wieder auf. Dazu wird der aufgelassene Wengert von Gestrüpp erlöst.

 

Schließlich muss noch die „Himmelsleiter“ von Geröll und Wildwuchs befreit werden. „D’Steig“, wie sie genannt wird, ist die kürzeste Verbindung zwischen Enz und Großsachsenheim, einem Wanderweg quer durch den Landkreis und darüber hinaus. Rund 300 Stufen führen über 100 Höhenmeter. Rainer Czerny begleitet diesen schweißtreibenden Job.

 

Christel Krumm, Vorsitzende des SAV-Gaus Stromberg, hofft nun auf Nachahmer im Herbst und den folgenden Jahren. „Wir werden immer Aufgaben finden, da bin ich mir ganz sicher“, sagt sie. Das Frühjahr sei wegen der Brutzeiten jedoch problematisch. Sein Programm habe der SAV in den vergangenen Jahren ausgebaut. Neugierige sollen hier auch lernen, wie man ein Lagerfeuer ohne Streichholz entzündet oder wie man nachts ohne Licht aus einem Wald herausfindet.

 

Die 18-jährige Schülerin Nadine Gutmann ist bereits zum dritten Mal bei der Aktion dabei. „Wir haben in den vergangenen Jahren den Spielplatz eines Kindergartens in Oßweil hergerichtet und bei der Ludwigsburger Vesperkirche Essen ausgegeben“, sagt sie. Die Arbeit im Team mache ihr Spaß. In der freien Natur fühle sie sich mit ihren Freunden herausgefordert. Zum Ende des Schuljahrs gebe es für die Teilnehmer zudem eine kleine Belohnung. Die Gruppe sei schon beim Klettern gewesen oder habe einen „Escape-Room“ besucht.

 

Petra Klose, die im Markgröninger Rathaus unter anderem für Naturschutz und Landschaftspflege zuständig ist, ist nach der Aktion begeistert. „Zwischen SAV, Nabu, Regierungspräsidium und Schule ist die Kooperation einfach fantastisch“, sagt sie. Der SAVler Heckhorn verteilt derweil belegte Brötchen und Erfrischungsgetränke – damit kann auch die eine oder andere Schramme, die sich die Schüler in Markgröningen zugezogen haben, versorgt werden.