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Im Einsatz für Natur und Heimat

Das Weingut Velte in Ingersheim und das Aktionsbündnis Streuobst-Aufpreis-Initiative Vaihingen und Umgebung erhielten den Kulturlandschaftpreis 2020 des Schwäbischen Heimatbundes. Am Dienstagabend fand die Preisverleihung in den Räumen der Kreissparkasse Ludwigsburg statt.

Gleich zwei Preisträger aus dem Kreis wurden mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbunds ausgezeichnet. Unser Foto zeigt von links: Bernd Langner (Schwäbischer Heimatbund), den Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch, Josef Kreuzberge
Gleich zwei Preisträger aus dem Kreis wurden mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbunds ausgezeichnet. Unser Foto zeigt von links: Bernd Langner (Schwäbischer Heimatbund), den Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch, Josef Kreuzberger (Schwäbischer Heimatbund), Gerhard Haffner (Vaihinger Streuobstinitiative), Kreissparkassen-Chef Heinz-Werner Schulte, Landtagsabgeordneter Markus Rösler, Landrat Dietmar Allgaier, stellvertretende Ingersheimer Bürgermeisterin Hanne Hallmann und den Ingersheimer Weingärtner Felix Velte. Foto: Ramona Theiss
180 Tonnen Äpfel wurden vergangenes Jahr in Vaihingen angeliefert.
180 Tonnen Äpfel wurden vergangenes Jahr in Vaihingen angeliefert.
Diesen Weinberg hat Felix Velte mit seiner Familie neu angelegt. Fotos: privat
Diesen Weinberg hat Felix Velte mit seiner Familie neu angelegt. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Zuwuchernde Weinbergterrassen, zerfallende Trockenmauern: Immer mehr Steillagen entlang der Flusstäler werden von ihren Bewirtschaftern aufgegeben, weil die Arbeit zu beschwerlich und unwirtschaftlich ist. Nicht so Felix Velte aus Vaihingen vom gleichnamigen Weingut in Ingersheim. Im Winter 2012 begann der Weinküfer und Weinbautechniker mit seiner Familie – sein Vater ist der Ingersheimer Eberhard Groß – damit, etwa 60 Quadratmeter Trockenmauern im Weinberg seines Großvaters zu sanieren. Anschließend rodeten sie die Anbauflächen und bestockten sie neu.

Doch damit nicht genug: 2015 hat der heute 30-Jährige einen 2800 Quadratmeter großen und verwilderten Weinberg von der Gemeinde Ingersheim für 30 Jahre gepachtet. Auch diese Fläche – ungefähr so groß wie ein halbes Fußballfeld – hat Velte mit der Hilfe seiner Familie und einiger Freunde in rund 2500 mühsamen Arbeitsstunden saniert. Insgesamt 150 Quadratmeter Trockenmauern wurden so neu gesetzt, dass eine durchgängige Befahrbarkeit der Terrassen mit einem Rasenmäher möglich wurde. Neben den Steinen, die sich vor Ort fanden, wurden rund 50 Kubikmeter weitere Steine verwendet, die von einer abgebrochenen Scheune stammten. Danach hat Velte die terrassierte Fläche mit Gewürztraminer, Weißburgunder und Lemberger bestockt. Seit 2018 werden die dort angebauten Weine gekeltert. Felix Velte hat ihnen den Namen „Schrannawengert“ gegeben – eine schwäbische Bezeichnung für Weinbergterrasse. Das Engagement für die landschaftsprägenden Weinberge brachte dem Weingut Velte 2020 den Kulturlandschaftspreis ein, den der Schwäbische Heimatbund gemeinsam mit dem Sparkassenverband Baden-Württemberg und der Sparkassenstiftung Umweltschutz jährlich vergeben (siehe Zusatzartikel auf dieser Seite) und wegen der Coronapandemie erst jetzt überreicht haben.

Ein weiterer Preisträger ist das vor über zehn Jahren gegründete Aktionsbündnis Streuobst-Aufpreis-Initiative aus Vaihingen und Umgebung – ein Zusammenschluss von Nabu, BUND, Imkern, Landwirten und OGV. „Dass es um die Zukunft der Streuobstwiesen nicht gut bestellt ist, ist inzwischen wohl niemandem mehr unbekannt, der mit offenen Augen durch die Landschaft geht“, sagte Dr. Bernd Langner, Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbunds, der im Zuge der Preisverleihung auch das Vaihinger Streuobstwiesenprojekt vorstellte. Umso wichtiger sei es, dass sich an vielen Orten lokale Initiativen zur Bewirtschaftung und somit zum Erhalt der Streuobstwiesen einsetzen. Aus 19 Tonnen Äpfeln, die Obsterzeuger noch im ersten Jahr in Vaihingen angeliefert haben, wurden vergangenes Jahr sage und schreibe 180 Tonnen. Das Streuobst wird von der Ensinger Mineral-Heilquellen GmbH zu Apfelschorle verarbeitet.

Gegründet wurde die Initiative von dem Vaihinger Hobbyimker Gerhard Haffner und dem Landtagsabgeordneten und Streuobstexperten Dr. Markus Rösler, der laut eigenem Bekunden „wie Obelix als Kind nicht in den Zaubertrank aber ins Mostfass gefallen“ sei. Das Konzept: Ausgewählte Obsterzeuger erhalten 20 Euro pro 100 Kilogramm angelieferter Äpfel. Das Obst muss zu 100 Prozent von Hochstämmen stammen. Zudem muss auf Mineraldünger ebenso verzichtet werden, wie auf Pflanzenschutzmittel wie Pestizide und Insektizide. Mit jährlichen Stichproben von Blättern und Früchten wird in einem chemischen Labor untersucht, ob die strengen Kriterien auch eingehalten werden. „Nicht alltäglich ist auch die Sorgfalt, mit denen an den Förderbändern angefaultes Obst sowie Aststücke, Laub und Gras streng aussortiert, beim Gewicht abgezogen und dann Pferdehaltern zur Verfügung gestellt werden“, sagte Bernd Langner, der auch auf den jährlichen Mistelschnitt hinwies, bei dem befallene Bäume saniert und die geschnittenen Mistelzweige auf dem Vaihinger Weihnachtsmarkt gegen eine Spende abgegeben werden.

„Sie haben mit Herz, Verstand und Leidenschaft einen wertvollen Dienst erwiesen, indem sie sich für den Erhalt der Kulturlandschaft einsetzen“, wandte sich Josef Kreuzberger an die beiden Preisträger. Dabei sei es wichtig, dass sich Kulturlandschaft auch verändern kann. „Wir wollen nicht, dass sie statisch konserviert wird.“ Für Kreissparkassenchef Dr. Heinz-Werner Schulte ist es „gut so, dass der Preis auf Menschen hinweist, die sich nachhaltig für die Natur einsetzen“.

Landrat Dietmar Allgaier erfüllte es unterdessen „mit Stolz, dass gleich zwei Preisträger aus dem Landkreis gewürdigt werden“. Die Erhaltung der Kulturlandschaft bilde auch in der Kreis- politik einen Schwerpunkt. Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch stellte fest, dass das Ensinger Streuobstwiesen-Apfelschorle nicht nur in hoher Qualität erzeugt werde: „Es schmeckt auch sehr gut.“ „Streuobstwiesen sind das Biotop schlechthin und zugleich grüne Lungen, die wir dringend brauchen“, sagte Gerhard Haffner, und sein Projektpartner Markus Rösler ergänzte: „Wir wollen wachsen, um den Ertrag zu steigern und die Vielfalt der Flächen zu erhöhen.“ Hanne Hallmann, stellvertretende Ingersheimer Bürgermeisterin, stellte hinsichtlich des Engagements von Felix Velte und seiner Familie fest, dass man dabei das Wort Leidenschaft durchaus wörtlich nehmen kann. Velte selbst bekundete, dass der Weinbau in den Steillagen nicht zu erhalten sei und forderte mehr staatliche Unterstützung.

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