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Im Einsatz für zwei moderne Grundschulen

Neue Elterninitiative wirbt im Vorfeld des Bürgerentscheids in Freiberg für zwei Standorte und einen kostenlosen Ganztagsbetrieb

Sibylle Schieck
Sibylle Schieck Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Einmal mehr sind die Freiberger aufgefordert, im Zuge eines Bürgerentscheids über die Zukunft der Grundschulen in der Stadt abzustimmen. Weiterhin drei oder künftig zwei Standorte?, lautet die Frage, auf welche die „Elterninitiative zukunftsfähige Grundschulen für Freiberg am Neckar“ eine klare Antwort hat: Sie wirbt für zwei moderne Schulen, die sich flexibel an die Bedürfnisse der Familien anpassen.

Es war 2016, als ein Bürgerbegehren zu einem Bürgerentscheid geführt hatte, bei dem der Gemeinderatsbeschluss für den Bau einer zentralen Grundschule gekippt wurde. „Das haben wir damals sehr bedauert“, sagt Sibylle Schieck. Nun geht es um die Zusammenlegung von Flattich- und Kasteneckschule am Standort Kasteneck und den Ausbau der Grünlandschule. Diese Entscheidung will die Elterninitiative „nicht dem Zufall überlassen“, wie Sibylle Schieck sagt. Die Inhalte sollen deutlicher und verständlicher kommuniziert werden. „Wir wollen auch die Halbwahrheiten ausräumen, die in der Stadt immer wieder lauthals skandiert werden“, ergänzt Christopher Schieck.

Weil sich die Gesellschaft ständig verändert, sei es auch in den Grundschulen Zeit, Modernität Einzug halten zu lassen, so die Elterninitiative. Zu den bereits vorhandenen qualifizierten Lehrkräften an den Freiberger Grundschulen gehören nach Meinung der Eltern auch moderne Schulgebäude, in denen die Schüler nach neuesten Standards unterrichtet werden können. „Im privaten Bereich sowie in den Unternehmen ist die Modernität angekommen, nur in den Grundschulen nicht“, bedauert Britta Schubert-Ahluwalia. In vielen Köpfen sind laut Kerstin Bollacher noch zu sehr die drei Stadtteile präsent. „Es stirbt nicht die Geschichte, wenn man eine Schule schließt“, sagt die dreifache Mutter, die selbst in Freiberg aufgewachsen ist und dort zur Schule ging. Die Initiative macht sich daher für zwei moderne Schulstandorte stark, an denen flexibel auf den immer mehr wachsenden Bedarf an Ganztagsschulen reagiert werden kann. Kostenfreier und freiwilliger Ganztag in einer vierzügigen Grundschule im Kasteneck sowie Halbtag in der Grünlandschule. „Alle Fachleute sind für diese beiden Standorte“, sagt Christopher Schieck. Das hätte spätestens die jüngste digitale Infoveranstaltung gezeigt und wird von der Initiative als Argumentationshilfe herangezogen. Diese Variante sorge für „mehr Bildungsgerechtigkeit unabhängig von der Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern“.

Britta Schubert-Ahluwalia ist Architektin für Schulbau und weiß, dass die Gebäude der drei Freiberger Schulen schon längst an ihre Grenzen gestoßen sind. „Der Raumbedarf einer modernen Schule hat sich sehr erhöht“, sagt sie. An den alten Schulen der Stadt ließen sich viele pädagogische Inhalte trotz des engagierten Personals schon gar nicht mehr umsetzen.

Den vor vier Jahren von den Gegnern einer zentralen Grundschule geprägten Begriff „kurze Beine – kurze Wege“ greift die Elterninitiative gern auf. Das Halbtagsangebot sei bei zwei Schulstandorten für 92 Prozent aller Grundschüler zu Fuß zu erreichen. „Für eine bessere Pädagogik sollte man außerdem bereit sein, einen längeren Schulweg in Kauf zu nehmen“, so Sibylle Schieck. Für den bei zwei Schulen entstehenden zusätzlichen Verkehr schlagen die Vertreter der Initiative Zonen zum Bringen und Abholen der Kinder ebenso vor wie die Einrichtung eines Busverkehrs für weiter entfernt wohnende Kinder sowie Einbahnstraßen. Außerdem verweisen sie auf ein Verkehrsgutachten, das derzeit erarbeitet wird und die Belange berücksichtigt.

Um die Bevölkerung mit ihren Argumenten zu erreichen, setzt die Elterninitiative auf Flyer, soziale Netzwerke sowie Präsenz auf dem Marktplatz kurz vor der Wahl. „Wir haben uns vorgenommen, junge Wähler anzusprechen, weil es deren Kinder sind, die später einmal von modernen Grundschulen profitieren sollen“, sagt Sibylle Schieck.

Sie wundert sich übrigens ebenso wie ihre Unterstützer über die ablehnende Haltung der OGL-Fraktion im Gemeinderat hinsichtlich der zwei Schulstandorte. „Dass sich genau diese Partei, die für Integration, Nachhaltigkeit, Chancengleichheit und ergänzende Familienangebote steht, von einer modernen Schulentwicklung distanziert, ist irritierend“, sagt Kerstin Bollacher.

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