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Impfturbo soll an Schulen zünden

Mit niederschwelligen Impfangeboten für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren möchte das Land einen weiteren Schritt zur Bekämpfung der Coronapandemie machen. Dazu beitragen sollen mobile Impfteams, die direkt in die Schulen gehen. Los geht es am kommenden Mittwoch gleich an sieben Schulen in Bietigheim-Bissingen.

Zum Schuljahresbeginn sollen im Landkreis möglichst viele Schüler ab zwölf Jahren geimpft werden. Foto: dpa
Zum Schuljahresbeginn sollen im Landkreis möglichst viele Schüler ab zwölf Jahren geimpft werden. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg. „Ich bin um jeden froh, der das Ansteckungsrisiko minimiert“, macht Claus Stöckle, Leiter der Realschule im Aurain, keinen Hehl daraus, dass er das Impfangebot an den Schulen der Stadt begrüßt. Mit einer Einschränkung: Stöckle legt Wert auf die Feststellung, dass die Verantwortung einer möglichen Impfung der Schüler ab zwölf Jahren allein bei den Eltern liegt. Die jeweiligen Schulleiter würden daher dringen dazu raten, dass die Erziehungsberechtigten die Kinder und Jugendlichen bei der Impfung begleiten. Die Schulen – Schule im Sand, Realschule im Aurain, Realschule Bissingen, Waldschule, die Gymnasien im Ellental und die Gustav-Schönleber-Schule – würden lediglich die notwendigen Räume sowie die Zeit während des Unterrichts zur Verfügung stellen. Den notwendigen Anamnesebogen samt Einwilligungserklärung und Aufklärungsblatt versenden die Schulen per E-Mail an die Eltern. Verabreicht wird der Impfstoff von Biontech, die Zweitimpfung muss beim Hausarzt durchgeführt werden.

Die Schulverwaltung im Landkreis Ludwigsburg steht ausdrücklich hinter den Impfangeboten für die Schüler. „Die Möglichkeit, mit dem Kreisimpfzentrum Impftermine für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren zu vereinbaren, haben wir auf Bitte des Landratsamts Ludwigsburg bereits Ende August sehr gerne an die weiterführenden Schulen in unserem Zuständigkeitsbereich weitergeleitet“, teilt Sabine Conrad, Leiterin des Staatlichen Schulamts Ludwigsburg, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Hintergrund sei ein Schreiben des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration an ihre Behörde und die weiterführenden Schulen gewesen. Darin wird auf die Möglichkeit hingewiesen, in Zusammenarbeit mit den Kreisimpfzentren und den mobilen Impfteams auch an weiterführenden Schulen Vor-Ort-Impfaktionen anzubieten.

Ob es solche auch an den weiterführenden Schulen in Ludwigsburg gibt, steht derzeit noch nicht fest. Laut Mathias Hilbert, geschäftsführender Schulleiter der Ludwigsburger Gymnasien, wird den Eltern das Schreiben des Ministeriums über die Elternvertreter weitergeleitet. Dort wird unter anderem darauf hingewiesen, dass insbesondere die Kreisimpfzentren grundsätzlich auch den Zwölf- bis 17-Jährigen offen stehen. „Damit dürfte allen bekannt sein, dass sich die Schüler im Kreisimpfzentrum ohne Terminvereinbarung impfen lassen können“, sagt Hilbert. Impfaktionen vor Ort an den Gymnasien möchte er dennoch nicht ausschließen. Doch dafür müsse man sich intern noch abstimmen und neu orientieren. Denn: Ursprünglich hatte man darauf gesetzt, dass die Impfbusse an die Schulen kommen. Ein Wunsch, den auch die Stadtverwaltung unterstützt hatte. In Erfüllung geht er allerdings nicht. „Leider hat der Landkreis das Angebot von Impfbussen eingestellt. Deshalb stehen keine Impfbusse zur Verfügung“, teilt die Pressestelle der Stadt Ludwigsburg auf Anfrage mit. Ob Impfaktionen an den Werkreal-, Real-, Förder- und Gemeinschaftsschulen geplant sind, bleibt offen. Geschäftsführender Schulleiter Bernhard Bleil hat bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht geantwortet.

An der Oscar-Paret-Schule in Freiberg wird erst dann eine Vor-Ort-Impfaktion stattfinden, „wenn die Eltern das wünschen“, wie Schulleiter René Coels sagt. In diesem Fall werde die Schule für einen Tag die dafür notwendigen Räume zur Verfügung stellen und Sorge dafür tragen, dass die Schüler während des Unterrichts dorthin gehen dürfen. Er wolle bewusst abfragen, ob die Impfaktion der erklärte Wunsch der Eltern ist, um nicht gleich zu Beginn des Schuljahrs für eine mögliche Missstimmung zu sorgen. Dass die Impfbereitschaft bei den Schülern selbst groß ist, davon ist der Schulleiter überzeugt. „Sie werden das gerne machen, weil sie dann von den Testungen befreit sind“, sagt er. René Coels begrüßt es derweil, dass sich ungeimpfte Beschäftigte an Schulen von den Lehrkräften über das Sekretariat bis hin zur Schulsozialarbeit mit Beginn des Schuljahrs täglich testen lassen müssen. „Solche Maßnahmen erhöhen den Anreiz, sich impfen zu lassen.“ Eine hohe Impfquote würde laut Coels erheblich dazu beitragen, „dass wir keinen Fernunterricht mehr haben werden und wir die Schüler nicht wieder aussperren müssen“.

Seit dem 18. August empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung für alle Zwölf - bis 17-Jährigen ohne Einschränkungen. Für Impfungen in Schulen müssen Schüler im Alter von zwölf bis 15 Jahren eine schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten vorlegen. Laut Andreas Fritz, Pressereferent des Landkreises Ludwigsburg, muss die schriftliche Einwilligung auf den vorab von den Schulen ausgehändigten Unterlagen erfolgen. Ab einem Alter von 16 Jahren dürfen die Schüler selbst entscheiden, ob sie geimpft werden. Alle Schulen des Landkreises seien über die Möglichkeit, eine Impfaktion vor Ort durchführen zu können, informiert worden. Mit Schließung der Kreisimpfzentren können diese nach dem 30. September keine Impfungen mehr in Schulen anbieten.

Die Schulen werden laut Sabine Conrad vom Staatlichen Schulamt Ludwigsburg vom Kreisimpfzentrum sowohl bei Impfaktionen vor Ort als auch am Kreisimpfzentrum unterstützt. „Damit hält sich der Organisationsaufwand für die Schulen, die im Zusammenhang mit dem Start des Schuljahres viele pädagogische und organisatorische Aufgaben zu stemmen haben, in Grenzen“, teilt sie mit. Ausflüge an das Kreisimpfzentrum hält die Pädagogin aus mehreren Gründen nicht für sinnvoll. Bei Ausflügen handele es sich um außerunterrichtliche Veranstaltungen, die beispielsweise der Stärkung der Klassengemeinschaft dienen sollen. „Den Besuch eines Impfzentrums würde ich darunter eher nicht fassen“, so Sabine Conrad. Ausflüge ganzer Schulklassen könnten als Beeinflussung und damit als Eingriff in das Elternrecht aufgefasst werden, zumal die Impfentscheidung bei minderjährigen Schülern ausschließlich bei den Sorgeberechtigten liege. Immerhin: Die Entscheidung für eine Impfung kann laut Sabine Conrad durch entsprechende Aufklärung befördert werden. Die Schulen seien laut Sozialministerium gehalten, Schüler für die Impfung zu beurlauben.

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