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Kümmerer-Projekt

Integration durch Lehre

IHK Ludwigsburg hat in den vergangenen drei Jahren schon mehr als 200 Flüchtlinge betreut

Die Ludwigsburger Kümmererin Elena Burdukovski unterstützt junge geflüchtete Erwachsene bei der Jobsuche.Foto: Holm Wolschendorf
Die Ludwigsburger Kümmererin Elena Burdukovski unterstützt junge geflüchtete Erwachsene bei der Jobsuche. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Industrie- und Handelskammer Ludwigsburg kümmert sich seit März 2016 verstärkt um junge Flüchtlinge, um sie in Praktika, Einstiegsqualifikationen, in eine Ausbildung zu vermitteln – mit bisher gutem Erfolg. 209 Jugendliche und junge Erwachsene sind seither im Rahmen des Kümmerer-Projekts betreut worden. Allein in den ersten vier Monaten 2019 gab es schon 50 Vermittlungen.

„Es tut gut, zu sehen, dass das Projekt auch drei Jahre nach Einführung weiterhin so erfolgreich ist. Junge Geflüchtete nehmen unser Angebot gerne an und wir sind froh, ihnen bei der Suche nach einer Ausbildung helfen zu können“, erklärt IHK-Präsident Albrecht Kruse.

Offiziell nennt sich das 2016 ins Leben gerufene Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Flüchtlinge“. Es richtet sich sowohl an junge Geflüchtete mit Bleibeperspektive, als auch an die einstellenden Firmen als Ansprechpartner.

Derzeit haben Elena Burdukovski und Heike Felbecker-Janho als Kümmererinnen 64 potenzielle Auszubildende unter ihren Fittichen. Die Teilnehmer sind zumeist zwischen 18 und 30 Jahren alt und kommen vorwiegend aus Syrien, Afghanistan, Iran und dem Irak. Für sie beginnt die Betreuung bei der Berufsorientierung und endet mit dem Abschluss der Probezeit in der neuen Arbeitsstelle. Alleine seit Jahresbeginn haben die beiden Betreuerinnen schon 24 junge Erwachsene bis ans Ende ihrer Probezeit erfolgreich begleitet. Die allerersten Teilnehmer des Programmes sind aktuell im zweiten Lehrjahr. Wie erfolgreich diese in ihren Ausbildungen abschließen werden, zeigt sich nächstes Jahr.

Teilnehmer des Kümmerer-Programms können aus verschiedenen Berufen der IHK-Mitgliedsfirmen wählen. Flüchtlinge traten bisher erfolgreich Ausbildungen als Maler und Bäckern, als Altenpfleger oder Koch sowie als Fachinformatiker und Hotelfachleute an. Ziel sei es, dass „die Teilnehmer einen für sie realistischen Berufsweg einschlagen“, erklärt Reiner Boucsein, stellvertretender Geschäftsführer der Ludwigsburger IHK-Bezirkskammer.

Derzeit ist die IHK Ludwigsburg für 100 Firmen, die Flüchtlinge bei sich einstellen wollen, Ansprechpartner etwa bei der Bewerbersuche und -auswahl und beim Einstellungsprozess. „Die Betriebe werden auch in rechtlichen und organisatorischen Fragen unterstützt“, sagt Boucsein. Das Programm ist sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Firmen kostenlos.

Um an dem Kümmerer-Programm teilnehmen zu können, müssen die jungen Flüchtlinge nach Angaben von Burdukovski als Voraussetzung mindestens sechs Jahre Schulbildung vorweisen. Bei der Vermittlung schaue man dann auf fachliche Kenntnisse und eigene Interessen, ebenso wie auf die sozialen Kompetenzen. Ermittelt werden sie in einer individuellen Beratung. Die Betreuerinnen unterstützen die Klienten auch dort, wo sie alleine nicht weiterkommen. Beispielsweise wenn es um eine Bewerbungsmappe geht oder die Begleitung zum Vorstellungsgespräch. Die größte Hürde sei die Sprache, meint Burdukovski, weshalb die Teilnehmer mit Sprachkursen gefördert werden.

Wie lange es dauert, bis er ein Teilnehmer eine Stelle habe, ist laut Reiner Boucsein sehr unterschiedlich. Im Schnitt seien es eineinhalb Jahre „mit 15 bis 20 Sitzungen bei einer der Kümmererinnen“, so Burdukovski. Es können aber auch weniger sein, wenn der Teilnehmer bereits eine Bewerbungsmappe hat oder gar bereits eine Stelle in Aussicht ist. Länger kann es dauern, sollten andere Maßnahmen wie Sprachkurse dem Programm vorangestellt werden.

Eine Beratungssitzung dauert nach Darstellung der Kümmererinnen für gewöhnlich eine Stunde und kann persönlich oder auch per Telefon erfolgen. Auch der Austausch über Whatsapp ist möglich. Ist eine Stelle bei einer Firma gefunden, wird jeder Ausbildung eine Einstiegsqualifizierung vorangestellt. Dabei arbeitet der Bewerber zunächst für sechs bis zwölf Monate als Praktikant im Betrieb. Man könne dies als Ausbildung auf Probe bezeichnen, meint Burdukovski. In den meisten Fällen bieten die Firmen den Bewerbern danach eine Ausbildung an.

Insgesamt werde das Programm von Unternehmen und Flüchtlingen gut angenommen, sagt IHK-Weiterbildungsberater Ralf Litschke. Daher sei das Programm gut ausgelastet und man müsste nur in seltenen Fällen Interessierte auf eine Warteliste setzen. Diese bekämen nach spätestens drei Monaten auch einen Platz im Programm. Sollte die Anzahl der Flüchtlinge und damit die der Arbeitssuchenden jedoch wieder steigen, müsse man über Kapazitätserweiterungen reden, meint Litschke. Der Erfolg des Programmes sei, laut Kümmererin Burdukovski, vor allem auf die individuelle Betreuung zurückzuführen. Denn so könne man in der Regel den Firmen für eine Stelle einen passenden Bewerber vorschlagen.

Info: Kontakt über Elena Burdukovski, elena.burdukovski@stuttgart.ihk.de, (0.71.41) 1.22-10.48 oder Heike Felbecker-Janho, heike.felbecker-janho@stuttgart.ihk.de, (0.71.41) 1.22-10.33.

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