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Jugend im Gespräch mit SPD-Spitze

Saskia Esken zu Besuch bei Macit Karaahmetoglu – Themen waren der Klimawandel, zukünftige Mobilität und Cannabis

Saskia Esken und Macit Karaahmetoglu stellten sich den Fragen der jungen Generation.Foto: Holm Wolschendorf
Saskia Esken und Macit Karaahmetoglu stellten sich den Fragen der jungen Generation. Foto: Holm Wolschendorf
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Ditzingen. Bei der kommenden Bundestagswahl ist fast alles anders: An der Spitze liegt nach langer Zeit mal wieder ein SPD-Kandidat. Und mit knapp über 20 Prozent kann man Kanzler oder Kanzlerin werden. Das bedeutet einen spannenden Wahlkampf, an dem sich die jüngere Generation auch gern beteiligt. Das dachte wohl auch Macit Karaahmetoglu, SPD-Kandidat im Wahlkreis Ludwigsburg. Um besser mit der Jugend zu diskutieren, hatte er Saskia Esken eingeladen. Die Runde selbst fand im Ditzinger Naturfreundehaus statt.

Rund 40 Jugendliche waren gekommen, um mit der Bundesvorsitzenden der SPD ins Gespräch zu kommen. Allzu viel Kritik war nicht zu erwarten, schließlich bestand die Hälfte aus Jusos und die andere Hälfte aus Interessenten, die Macit Karaahmetoglu bei seinem eigenen Wahlkampf kennengelernt hat.

Saskia Esken stellte gleich zu Beginn klar: „Wenn ich euch duze, dann müsst ihr mich auch duzen, sonst lassen wir das Ganze.“ Damit war gleich zu Beginn das Eis gebrochen. Doch mit dem ersten Thema war die Bundesvorsitzende weniger zufrieden. Zuerst dreht sich alles um die Legalisierung von Cannabis. Für Esken und die SPD ist das eine klare Sache, sie sind für die Legalisierung. „Das Thema muss raus aus der Illegalität, die Bestrafung ist unverhältnismäßig hoch“, so die SPD-Frau. Damit konnte sie bei der Jugend punkten. Doch einheitlich war die Meinung deswegen noch nicht. „Ich bin Rettungssanitäterin und weiß, dass ein zu starker Konsum auch zu Psychosen führen kann. So einfach kann man sich die Sache nicht machen“, sagte eine Teilnehmerin.

Der Altersgruppe entsprechend war die Runde natürlich sehr stark am Thema Klimawandel interessiert. „Die junge Generation hat Einfluss auf die Politik. Das wird beim Klimawandel ganz besonders deutlich. Doch dieser Druck muss auch erhalten bleiben. Dieses Thema darf uns nicht einschlafen“, so SPD-Kandidat Macit Karaahmetoglu. Eine solche Euphorie war bei den Jugendlichen nicht immer zu spüren. Manche hielten die Sache bereits für eine verlorene Schlacht, andere kritisierten den späten Termin der SPD für den endgültigen Ausstieg aus der Kohle. Dies sei sicher schon früher möglich. In diesem Punkt sei das SPD-Wahlprogramm viel zu ungenau.

Hier musste Saskia Esken die Jugend erst einmal einbremsen: „Der Termin 2038 ist auf Empfehlung einer Expertenkommission entstanden. Doch niemand hindert uns daran, schon früher aus der Kohle auszusteigen.“ Doch die Voraussetzung für einen Ausstieg sieht sie erst, wenn ausreichend regenerative Energie zur Verfügung stehen würde. Da sei in der Vergangenheit nicht alles gut gelaufen. Auch in Baden-Württemberg, wo die Genehmigung für ein Windrad bis zu sechs Jahre dauern könnte.

Und in den bestehenden Kohlerevieren in der Lausitz oder in Nordrhein-Westfalen müssten erst noch neue funktionierende, wirtschaftliche Strukturen aufgebaut werden. „Daher brauchen wir eine Koalition, die lange dranbleibt, um diese Themen zu lösen, schließlich wollen wir einen realistischen Weg gehen“, sagte Saskia Esken.

Vorgeschlagen wurde auch, Photovoltaik verpflichtend auf allen Dächern im Land zu montieren. Dem konnte die SPD-Vorsitzende zwar viel abgewinnen, doch man müsse aufpassen, dass sich dadurch nicht die Mieten erhöhen.

„Das Auto verliert an Stellenwert. In der Stadt wollen die jungen Leute keines mehr, doch auf dem Land ist es noch notwendig“, so Macit Karaahmetoglu. Dafür gab es eine breite Unterstützung. Doch die Jugend wies auch auf eine Reihe von Problemfällen hin. Tickets für Busse und Bahnen dürften nicht an Kreisgrenzen enden. So würde das Leben heute nicht mehr funktionieren. Doch auch auf dem Land müsse ein attraktiver ÖPNV angeboten werden, beispielsweise mit Rufbussen in den Abendstunden.

Auch mögliche Koalitionen in der Bundespolitik wurden in der Runde angesprochen. Hier konnte Saskia Esken schnell beruhigen. „Wir müssen erst einmal dafür sorgen, dass die SPD viele Stimmen bekommt und mit Abstand stärkste Partei wird. Nach der Wahl können wir dann über spätere Partnerschaften sprechen.“

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