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Kammerkonzert mit Handicap

Dritter Tag des Haake-Zyklus im Schlosstheater: an diesem Abend konzertierte das Notos-Quartett, und es war eigentlich schade, dass die jungen Musiker nicht vor großem Publikum auftreten konnten. Gerade haben Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) bei der Schoenfeld International String Competition in der chinesischen „City of Music“ Harbin den 1. Preis in der Sparte Kammermusik gewonnen, die Jury stand unter dem Vorsitz von Shlomo Mintz und Lynn Harrell. Im Oktober sind sie in der renommierten Kammermusikreihe im Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle zu Gast, die Londoner Wigmore Hall und das Concertgebouw Amsterdam zählen zu ihren zahlreichen Auftrittsorten.

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Das Notos-Quartett ließ sich nicht von Nebengeräuschen aus der Ruhe bringen. Foto: Foto: Andreas Essig
Ludwigsburg. Das Ludwigsburger Konzert des Notos-Quartetts litt noch unter einem weiteren Handicap. Am Samstagabend war „Lichterzauber“ im Blühenden Barock, in der Zeit vor und nach dem Feuerwerk wummerten die Bässe der Bands im Hinteren Schlossgarten vernehmlich ins Schlosstheater. Die Musiker ertrugen es mit Gleichmut, die Zuhörer konnten das Feuerwerk während der Konzertpause genießen. Doch sobald das Klavierquartett anfing zu spielen, war es leicht, die Nebengeräusche auszublenden. So feinsinnig und ausdrucksvoll musiziert, wurden die Werke von Mozart, Brahms und William Walton zum spannenden Erlebnis.

Während er seine bis heute viel gespielte Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester 1779 auf seinen Reisen durch Europa komponierte, machte sich Mozart auch an ein ähnlich geartetes Werk für drei Solo-Streichinstrumente und Orchester, von dem er aber nur den 1. Satz ausführte. Dieser wird trotz seines musikalischen Zaubers selten aufgeführt; in der Bearbeitung des Notos-Quartetts mit Klavier erwies es sich als filigranes Stück geistreicher kammermusikalischer Kommunikation, in der alle vier Instrumente gleichberechtigt agierten. Mehr noch galt dieses ungemein anregende musikalische Gespräch für die Wiedergabe des zweiten Klavierquartetts von Johannes Brahms: der 23-jährige Komponist auf dem Weg zum eigenen Ton experimentiert hier noch mit Formen und Klängen, und noch dreißig Jahre später beschäftigt er sich mit einer weiteren Umarbeitung. Antonia Köster am Steinway vermied die Unart vieler Pianisten, sich bei Brahms zu stark und lärmig in den Vordergrund zu spielen, sorgte vielmehr für eine subtile klangliche Balance zu den Streicherstimmen, von denen Andrea Burgers Bratschenton immer wieder sonores Glück verhieß.

„Klar und transparent in der Textur, zurückgenommen im Gefühl, durchweg gut geschrieben erhebt sich das Werk an Höhepunkten zu großer Schönheit und noblem Ausdruck. Es ist eine wahrhafte künstlerische Leistung.“ So wertete die Jury des Carnegie Wettbewerbs das Gewinnerstück des 22-jährigen William Walton, sein einziges Klavierquartett, das der britische Komponist schon im Alter von 16 Jahren in Italien komponiert hatte. Er schickte es 1919 mit der Post nach Hause, doch irgendwie blieb die Partitur unterwegs liegen und kam erst drei Jahre später nach England. Walton bearbeitete es für den Wettbewerb im Jahre 1924, und später - 1954 und 1973 – entstanden zwei weitere Fassungen. Auch ein Beitrag zum „Wandel“-Motto des Haake-Zyklus, meinte der Geiger Sindri Lederer bei seiner Erläuterung des Walton-Stückes. Hier waren die rhythmische Präzision und der leidenschaftliche Einsatz aller vier Musiker bravourös, und die Zuhörer waren begeistert.