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Kampf um ein junges Leben

Der Pleidelsheimer Autor Thomas Gotthardt hat eine Fortsetzung von „Emma Laurent“ verfasst

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Pleidelsheim. Beim Blick in den Spiegel erschrickt Emma: ein graues Haar! Nicht weiter ungewöhnlich – wäre sie nicht erst 16Jahre alt und ihr Bruder Felix ebenfalls betroffen. Die Familie Laurent ist einmal mehr zu neuen Ufern aufgebrochen, nachdem Vater Lukas einen Job als Forscher an einer Zeitreisemaschine in der Hightech-Metropole Bangalore in Indien angenommen hat. Nachdem Emma und ihr Bruder bereits zuvor in Südfrankreich auf eine Zeitreise geschickt wurden, dämmert ihr nun, dass die verblassende Haarpracht etwas damit zu tun haben könnte. Etwas muss schiefgelaufen sein. Die beiden Kinder altern – und das mit einem hohen Tempo. Emma bleibt nichts anderes übrig, als noch einmal einen Zeitsprung zu machen, um ein Medikament gegen den nahenden Tod zu finden – diesmal in der Zukunft. Damit beginnt eine turbulente Reise. Fünf Jahre nach seinem Erstling „Emma Laurent – Zwei Welten“ hat der Pleidelsheimer Autor Thomas Gotthardt eine Fortsetzung der Geschichte geschrieben: „Emma Laurent und der schleichende Tod“ ist eine spannende, witzige, aber auch anrührende Geschichte um eine 16-Jährige, die zunächst im Jahr 2037, später dann sogar 2087, und dazu in einem fremden Land um ihr Leben kämpft.

Bereits beim Schreiben des letzten Absatzes des ersten Buches, in dem schon ein neuer Job des Vaters in Indien erwähnt wird, hatte Thomas Gotthardt das Gefühl: Es muss noch weitergehen. „Das war ja fast schon ein Cliffhanger“, sagt er. Erste Gedanken machte er sich daher bereits frühzeitig, doch dann schrieb er zunächst seinen Jugendthriller „Denn niemand ist ohne Schuld“ (2018), der eindrücklich und spannend die Geschichte eines Amoklaufs erzählt. Ab Anfang 2019 hat sich Gotthardt wieder richtig hinter sein Projekt geklemmt und seinen neuen Roman vollständig zu Papier gebracht, Stück für Stück.

Doch warum gerade Indien? Just im Jahr der Veröffentlichung des ersten Buchs war seine Tochter bei einem Schüleraustausch in Indien und konnte ihm viel über den Alltag in diesem Land, über die Sitten und Gebräuche sowie den Schulalltag erzählen. Das merkt man seinem Buch, das ,wie üblich bei Gotthardt, eher direkt statt ausschweifend und dennoch überaus plastisch geschrieben ist, an. Der Kulturschock, den die Familie Laurent erleidet, wird förmlich greifbar. Zudem habe er gewusst, dass es diese „Electronic City“, eine große Ansammlung von Tech-Unternehmen, bereits heute gebe, erzählt er. „Es war klar, dass diese in den nächsten Jahrzehnten wachsen wird.“ Beim Blick in die Zukunft lässt Gotthardt, gebürtiger Marbacher, Jahrgang 1968, dann ein wenig die Fantasie spielen. So gibt es in den modernen Wohngebäuden Innenwände, auf die die Aussicht über die Stadt projiziert wird, als wären sie durchsichtig, es gibt eine Art Virtual-Reality-Brille, mit der man in Echtzeit um die reale Welt reisen kann. Innerhalb der riesigen Innenstädte bewegen sich jene Bürger, die etwas mehr Geld haben, mit Hochgeschwindigkeitskapseln in einem Rohrsystem durch die Gegend. Doch das alles bildet nur den Rahmen für die eigentliche Geschichte – und die ist von ihrer Anlage her schon nicht gerade unkompliziert. Schließlich sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unweigerlich miteinander verknüpft. Was passiert, wenn man aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft Einfluss auf den Lauf der Dinge oder deren Folgen nimmt? Was geschieht, wenn ein Mensch seinem eigenen, vergangenen Ich begegnet, das doch immer noch er selbst ist. Damit es keine Lücken in der Logik gibt und alles stimmig ist, muss ein Autor also wirklich sattelfest in seiner eigenen Geschichte sein. „Da darf nichts durcheinanderkommen“, sagt Gotthardt und lächelt. „Tatsächlich hätte ich vorher nicht gedacht, dass es im Detail so kompliziert für mich wird.“

Im Zusammenhang mit dem Thema Zeitmaschine hat sich der Pleidelsheimer auch mit einigen wissenschaftlichen Betrachtungen dieses Themas befasst. Zwar gebe es einige Ansätze für eine technische Machbarkeit, etwa durch Laserstrahlen, dennoch sei eine solche Maschine wohl doch eher unwahrscheinlich. „Deshalb schreibt man ja so eine Geschichte“, sagt Gotthardt. Sollte sich die Frage aber einmal stellen, ob ein solches Vorhaben auch wirklich realisiert werden sollte, nur weil es machbar ist, wäre er „voll dagegen“, wie er betont, nachdem er sich dem Thema von literarischer Seite genähert hat. „Es kann zu viel passieren, es ist unkontrollierbar.“

Und wie geht‘s weiter? Die Geschichte sei abgeschlossen, betont Gotthardt, und das hat auch inhaltliche Gründe, die an dieser Stelle besser nicht verraten werden sollen. Am ehesten könnte er sich aktuell eine Fortsetzung seines Mobbing-Romans von 2018 vorstellen. Dafür muss er sich allerdings, wie er aus Erfahrung weiß, tief in den Dschungel der Schul- und Jugendbürokratie einarbeiten. Anders bei einem Zukunftsroman, bei dem man die Fantasie spielen lassen könne, wie Thomas Gotthardt sagt.. „Fiktiv ist dann doch etwas einfacher.“

Info: „Emma Laurent und der schleichende Tod“ ist ab jetzt im Buchhandel sowie im Kundencenter der Ludwigsburger Kreiszeitung (Körnerstraße 14-18) erhältlich.

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