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podiumsdiskussion

Kampf um Gleichheit und ums Geld

Als es um die dauerhafte Finanzierung der Arbeit gegen Gewalt an Frauen ging, kam Schwung in die Runde und es zeigte sich, dass guter Willen das eine ist, die Umsetzung aber eine ganz andere Sache. Eine Podiumsdiskussion am Weltfrauentag beleuchtete Themenkomplexe aus lokalpolitischer Sicht.

„Es kostet viel Überzeugungsarbeit“: Frauen sind gefordert, sich einzubringen und ihre Ideen umzusetzen.Foto: Holm Wolschendorf
„Es kostet viel Überzeugungsarbeit“: Frauen sind gefordert, sich einzubringen und ihre Ideen umzusetzen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Sechs Frauen und zwei Männer stellten sich beim Verein Frauen für Frauen den Fragen der LKZ-Chefredakteurin Ulrike Trampus. Beispielsweise zu der vor einem Jahr in Deutschland in Kraft getretenen Istanbul-Konvention. Dabei handelt es sich um ein Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Doch wie kann man diese umsetzen?

Frauen für Frauen kämpft um Beratung

Der Ludwigsburger Verein für Frauen für Frauen kämpft derzeit um mehr Mittel für das dortige Beratungszentrum bei häuslicher Gewalt, zu dem auch das Frauenhaus gehört. Eine Stelle vor allem für die Beratung von Frauen mit Fluchterfahrung ist nur befristet, obwohl nach Einschätzung des Vereins der Bedarf groß ist.

„Woran hakt es?“ fragte Ulrike Trampus und bekam unterschiedliche Antworten. „Es ist genug Geld da, die Kommunalpolitik muss nur überzeugt werden“, meinte Annegret Jeziorski, die für die Linke im Kreistag und im Kornwestheimer Gemeinderat sitzt. „Das Geld muss erst mal erwirtschaftet werden“, konterte der CDU-Kreisrat und Ludwigsburger Stadtrat Klaus Herrmann. Es gebe Mittel, aber nicht in der erwarteten Höhe, es gehe hier auch um eine Bewusstseinsbildung, fügte Herrmann an. „Die Bewusstseinsbildung findet beim Verein für Frauen für Frauen statt“, machte die Rechtsanwältin und ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Ingrid Hönlinger deutlich. „Ohne Geld geht gar nichts“, bekräftigte die Ludwigsburger SPD-Stadträtin Anne Deetz. Den Männern sei das Thema eher peinlich, deshalb müssten die Frauen hier auch lautstark werden.

Während der Europakandidat der FDP für den Wahlkreis Ludwigsburg, Dr. Wolf Hirschmann an mehr Eigenverantwortung, mehr Ehrenamt und mehr Spenden appellierte, forderte Grünen-Kreisrätin Lidija Kalkofen zügiges Handeln. „Es muss genügend Stellen geben. Vier Wochen Wartezeit auf einen Beratungstermin, das ist zu lange“, so Kalkofen.

Gewalt gegen Frauen bezeichnete die Ludwigsburger Stadt- und Kreisrätin der Freien Wähler, Gabriele Moersch, als unerträglich. Ziel müsse es sein, einen guten Antrag zu stellen, um eine dauerhafte Förderung zu bekommen. „Wir bleiben dran“, versprach kämpferisch die Geschäftsführerin von Frauen für Frauen, Christiane Scheuing-Bartelmess.

Wahlrecht vor 100 Jahren ein Meilenstein

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war das Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“, das die Historikerin Claudia Weinschenk aus der geschichtlichen Perspektive beleuchtete. „Dem Reich der Freiheit werb‘ ich Bürgerinnen“, so das Motto der Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung, Louise Otto (1819-1895). Laut Weinschenk eine provokante Forderung, da Frauen seinerzeit gar keine Staatsbürgerrechte hatten. Dass Frauen seit 100 Jahren wählen und sich wählen lassen können, ist vor diesem Hintergrund eine große Errungenschaft.

Aber kein Selbstläufer, darauf wies die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, Judith Raupp, in ihrer Begrüßung hin. „Es geht darum, dass Frauen Themen aufgreifen, Forderungen formulieren, Ideen entwickeln und Mehrheiten erzielen, dass sie Politik machen“, so Raupp. Die Diskussion zeigte, dass der Weg von Frauen in politische Ämter anders ist. Während die Männer gezielter vorgingen, kamen die Frauen eher über ehrenamtliches Engagement.

„Es kostet viel Überzeugungsarbeit, Frauen als Kandidatinnen zu gewinnen“, räumte die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Gabriele Heise ein. Die Quote wurde von den Vertreterinnen von Grünen, Linken und SPD als gutes Mittel erachtet, um Frauen den Weg zu ebnen.

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