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Kein leichter Weg zum Biobetrieb

Vor fünf Jahren hat der Milchvieh-Betrieb Seitz in Pleidelsheim von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Ein Prozess, der viel Wissen, Engagement und Ideenreichtum voraussetzte. Auf Einladung der Bio-Musterregion Ludwigsburg-Stuttgart erzählte Betriebsleiterin Andrea Seitz-Schick interessierten Landwirten, wie die Umstellung ablief.

Martin Schick und Andrea Seitz-Schick informieren Landwirte über ihre Umstellung von konventioneller zur Biolandwirtschaft. Foto: Ramona Theiss
Martin Schick und Andrea Seitz-Schick informieren Landwirte über ihre Umstellung von konventioneller zur Biolandwirtschaft. Foto: Ramona Theiss

Pleidelsheim. Wenn die junge Landwirtin auf den Acker geht, um von Hand Ampfer zu stechen, nimmt diese Arbeit für sie schon spirituelle Züge an. Sie kann dabei ihren Gedanken freien Lauf lassen und in sich gehen. „Genau genommen hat man aber keine Zeit dazu“, sagt sie. Doch die Arbeit muss sein, denn Unkrautvernichtungsmittel kommen in dem Betrieb seit 1. Juli 2015 nicht mehr zum Einsatz. Das ist das Datum, an dem der Familienbetrieb den Hebel von konventionell auf biologisch umgelegt hat. Vor Beginn der Umstellung hatte der Hof, der sich unweit der Autobahn befindet, im Ackerbau einen hohen Anteil an Zuckerrüben und Mais. Mittlerweile dominiert der Anbau von Ackerfutter und Getreide.

„Wir sahen den Sinn in der industriellen Landwirtschaft nicht mehr“, blickte Seitz-Schick zurück. Im Jahr 2007 hat sie mit ihrem Mann Martin Schick ihren elterlichen Betrieb übernommen. Schon damals fühlte sie sich unwohl, wenn Pflanzenschutzmittel ausgebracht wurden. „Es wurde viel gespritzt, doch was wird passieren, wenn ich schwanger werde“, lautete nur eine der Fragen, die sie sich immer wieder stellte. So reifte bei den Hofbetreibern mit der Zeit der Gedanke, auf Bio umzustellen. Also machten sie Nägel mit Köpfen und informierten sich. „Wir hatten null Ahnung, wie man dabei vorgeht“, gibt Seitz-Schick zu. Schnell mussten die jungen Landwirte feststellen, dass Bio nicht gleich Bio ist und die Richtlinien der Anbauverbände strenger sind als die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung. Doch „Teil-Bio“, wie es Seitz-Schick ausdrückte, war keine Option. Also sollte es einer der neun Anbauverbände sein. Am Ende entschieden sie sich für Bioland, den größten deutschen Bioverband. Als Milchviehbetrieb benötigten die jungen Landwirte auch eine Molkerei, die Milch in Bioqualität von zertifizierten Bioland-Betrieben vertreibt. Dabei hatten sie Glück und wurden von Schwarzwaldmilch als Erzeuger aufgenommen.

Am 1. Juli 2015 haben sie schließlich den Ackerbau auf Bio umgestellt. „Ab diesem Zeitpunkt durften wir nicht mehr spritzen“, sagte Andrea Seitz-Schick. Zudem musste der gesamte Betrieb auf links gedreht werden, um zu sehen, welche Gerätschaften sich noch für den biologischen Anbau eignen und was neu angeschafft werden muss. So haben sie beispielsweise in einen Striegel investiert, mit dem das Unkraut auf dem Acker mechanisch bekämpft werden kann.

In der zweiten Jahreshälfte 2016 ging es mit dem Stallbau los, schließlich ist für Bio-Kühe ein wesentlich höheres Platzangebot vorgeschrieben als in der konventionellen Haltung. Ab 31. Dezember 2016 musste das Jungvieh ab einem Alter von einem Jahr im neuen Stall untergebracht sein, so die Forderung. Für die Kühe war bis 1. Juli 2017 Zeit. Im Januar 2018 hat Schwarzwaldmilch schließlich die erste Biomilch auf dem Pleidelsheimer Aussiedlerhof abgeholt.

Ihr Getreide vermarkten Andrea Seitz-Schick und Martin Schick über die regionale Bioland-Erzeugergemeinschaft Rebio GmbH. Dort müssen sie schon ein Jahr vorher anmelden, wie viel Ware sie liefern werden. Ist der Weizen reif, rufen sie erneut bei Rebio an, damit er abgeholt und zur Mühle gebracht werden kann. Selbst geringe Mengen an Getreide stellen dabei kein Problem dar. „Wenn ich zehn Tonnen oder weniger anmelde, wird das abgeholt – bei konventioneller Herstellung wird man dafür ausgelacht“, sagte Seitz-Schick. Für die abgeholte Ware gibt es eine Abschlagszahlung, die endgültige Abrechnung erfolgt ein Jahr später. Rebio sorgt dafür, dass die angeschlossenen Mitgliedsbetriebe einen fairen Preis erhalten.

Nach der Umstellung auf Biolandwirtschaft stellten die Betreiber des Seitzenhofs fest, dass sie auch mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen haben. So liegt der Ertrag gegenüber konventionellem Anbau bei 50 Prozent. Außerdem wird 13 Prozent Milch weniger produziert. Weil bei der Trockenheit das Grünfutter nicht wie erwartet wächst, muss jetzt schon Winterfutter gefüttert werden. Das muss freilich Bioland-Ware sein. Auch das Saatgut darf nicht überall bezogen werden, weil es ebenso biozertifiziert sein muss. Hat man es nicht rechtzeitig bestellt, muss man auf andere Sorten zurückgreifen. Wie zum Beispiel Waldstaudenroggen. „Da lernt man viele Sachen kennen, die man vorher nicht gekannt hat“, sagte Seitz-Schick. Einmal pro Jahr wird der Betrieb kontrolliert. Dessen müsse man sich bewusst sein, wenn man sich für Bio entscheidet. Außerdem sei biologische Erzeugung weitaus arbeitsintensiver und erfordere mehr Planung.

Der Erlös im Ackerbau sei nach der Umstellung deutlich geringer. „Dennoch hatten wir unterm Strich einen höheren Gewinn, da wir weniger Ausgaben insbesondere in den Bereichen Pflanzenschutz und Düngung hatten“, sagte Andrea Seitz-Schick.

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