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Kleine Teile gegen großen Parkdruck

Als eine der ersten Kommunen im Kreis will Hemmingen das neu aufgebaute LoRaWan-Netz von SWLB, Netze BW und dem Zweckverband Kreisbreitband nutzen. Es soll die Sensoren miteinander verbinden, die auf einigen Parkplätzen im Zentrum installiert werden.

48 Sensoren sollen auf gemeindeeigenen Parkplätzen installiert werden. Foto: privat
48 Sensoren sollen auf gemeindeeigenen Parkplätzen installiert werden. Foto: privat

Hemmingen. Vor etwas über einem Jahr war Viktor Kostic, Geschäftsführer des Zweckverbands Kreisbreitband, zu Gast in Hemmingen, um Gemeinderäte von den Plänen für den Aufbau eines eigenen Funknetzes mit wenig Energiebedarf zu begeistern. Denn die neue Technologie solle helfen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, etwa bei der dann automatischen Ablesung von Wasseruhren, wenn nicht mehr jemand in die Häuser geschickt wird oder die Selbstablesungen kontrolliert werden. Vom „großen Wumms“ auf dem Weg zur „Smart City“ sprach er, und Landrat Dietmar Allgaier später vom „Meilenstein auf dem Weg zur modernen Kommunalverwaltung“.

Und gleich 48 Meilensteine, so könnte man sagen, werden künftig in Hemmingen liegen – genauer: auf Parkplätzen verklebt sein. Denn Hemmingen wird als eine der ersten Kommunen im Kreis das neue LoRaWan-Netz (low Range Wide Area Network, ein Netz, das strahlungsarm und energieeffizient über weite Entfernungen Messwerte oder die Zustände von Sensoren übertragen kann) nutzen und mit den entsprechenden Bodensensoren ein Parkraummanagement im Ortskern einführen.

Kern des Projekts sind zum einen die 48 Sensoren – ähnlich, wie es sie auch auf manchen Discounter-Parkplätzen gibt –, die vor allem rund um die Münchinger Straße 2 installiert werden sollen, wo Besucher des Bürgertreffs, der Kleeblatt-Tiefgarage und der Gemeinschaftspraxis sowie mit sonstigen Zielen aufeinandertreffen und auf der Suche nach freien Plätzen oft unnötig hin- und herfahren. Und entsprechende LED-Displays an Masten in der Ortsdurchfahrt, die auf die noch zur Verfügung stehenden Parkplätze hinweisen. Zudem kann das Ordnungsamt über eine Visualisierung via Dashboard sehen, welche Parkplätze belegt sind und wo die zulässige Höchstdauer überschritten wurde, um dann ohne den Aufwand wie früher Strafzettel zu verteilen – das und die Hoffnung auf weniger Suchverkehr überzeugte die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik. Sie stimmten deshalb ohne Ausnahme für die Ausgabe von rund 17500 Euro für die 48 Sensoren – Wolfgang Gerlach (Freie Wähler) hätte gerne noch mehr gehabt, allerdings gehören nicht alle infrage kommenden Parkplätze der Gemeinde –, die Displays und deren Installation sowie die Einbindung an das LoRaWan-Netz. Danach sollen jährlich 1500 Euro für Lizenzen fällig werden. Die Sensoren selbst seien lange haltbar – auch weil die Batterien nur Energie benötigen, wenn sie nach der Überschreitung gewisser Zeiträume funken – und so stabil befestigt, dass sie nicht gleich beim ersten Schneepflugeinsatz weggefegt werden, so Bürgermeister Thomas Schäfer.

Weitere Anwendungen denkbar

Das Netz ist bereits in weiten Teilen installiert, so Viktor Kostic auf Anfrage. „Es fehlen nur noch zwei, drei Standorte, dann sind wir komplett durch und haben die Netzverfügbarkeit geschaffen.“ Möglich ist das vor allem, weil der Zweckverband mit den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) und dem Energieversorger Netze BW kooperiert und sich alle gegenseitig unentgeltlich Zugang zu ihren teils schon länger vorhandenen Gateways gewähren. Die Infrastruktur, die der Kreis selbst einbringe, entspreche einem mittleren fünfstelligen Betrag, heißt es.

Danach liegt es an den Kommunen, das Ganze mit Leben zu füllen – mit „Use cases“, wie es IT-Experte Andreas Heck von der Ditzinger Verwaltung nennt. In der Stadt hat man schon Erfahrung gesammelt, ein findiger Bürger startete mit Gymnasiasten den Bau von CO-Messgeräten, die per LoRaWan auch zentral warnen können – der Lockdown stoppte das aber. Doch nun soll das fortgesetzt und die Anwendungen intensiviert werden. Im Auge hat Heck die Pegelmessung bei Starkregenereignissen, ebenso das Gießmanagement städtischer Pflanzenflächen – das haben die SWLB schon in Kornwestheim getestet –, zudem entwickle derzeit ein Verwaltungsstudent neue Ideen, etwa für die Überwachung der Luft im Archiv, und auch die Stadtwerke stünden in den Startlöchern. Denkbar ist für Heck zudem der Einsatz von Park-Sensoren – „aber das ist alles noch im Entstehen“, sagt er. Darauf hofft nun auch Kostic, denn: „Wenn eine Kommune vorangeht, folgen weitere.“

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