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Kliniken schaffen wegen dritter Welle weitere Intensivbetten

Ab Montag je drei zusätzliche Plätze in Ludwigsburg und Bietigheim – Dafür müssen allerdings wieder verschiebbare Operationen abgesagt werden

Kreis Ludwigsburg. Die Regionale Kliniken-Holding – kurz RKH – stockt die Zahl ihrer Intensivbetten auf. An ihren Krankenhäusern in Ludwigsburg und Bietigheim stehen ab Montag laut Professor Götz Geldner, dem RKH-Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, je drei zusätzliche Plätze mit Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung. Um das nötige Pflegepersonal aufbieten zu können, das jetzt aus den Reihen der Anästhesiepflegekräfte für die Intensivstationen rekrutiert wird, müssen verschiebbare Operationen allerdings zum Teil wieder abgesagt werden.

Mit der Aufstockung reagiert die RKH auf die dritte Coronawelle, die inzwischen mit dem üblichen Versatz von zwei bis drei Wochen gegenüber dem an den Inzidenzen ablesbaren Infektionsgeschehen auf die Intensivstationen durchschlägt. In Ludwigsburg waren am Mittwoch alle 56 bestehenden Intensivbetten belegt, am Freitagmorgen waren zwei Betten wieder frei. Dafür waren alle zwölf Intensivbetten in Bietigheim belegt. Covid-19-Patienten belegten 17 der insgesamt verfügbaren 68 Intensivbetten – ein Anteil von 25 Prozent.

Corona-Kranke müssen oft mehrere Wochen lang auf den Intensivstationen bleiben, benötigen einen Platz also überdurchschnittlich lang. Als die ersten Patienten der dritten Welle in den Intensivstationen der RKH ankamen, lagen dort immer noch Patienten der zweiten Welle. Wenn es nicht gelinge, die Infektionszahlen zu senken, werde das zu noch mehr Intensiv-Patienten und damit unweigerlich zu volllaufenden Stationen führen, warnt Geldner: „Das kann sich jeder ausrechnen, der Zeitung liest.“ Einige weitere Aspekte im Aufriss:

Können Kliniken die Zahl der Intensivbetten in der Pandemie flexibel erhöhen?

Nur bedingt. Erstens gibt es unterschiedliche Normen für Intensiv- und Normalstationen. Eine Umnutzung wäre deshalb aufwendig und sehr teuer. Zweitens müssen Pflegekräfte in der Intensivpflege spezielle Qualifikationen mitbringen. Eine Aufstockung ist also schon wegen des bundesweiten Mangels an Fachpersonal nur begrenzt möglich.

Warum ist die Auslastung anderswo niedriger als im Kreis?

Die Zahl der Intensivbetten ist am Regelbetrieb der Häuser ausgerichtet und wird vom Land über die Vergabe von Zuschüssen gesteuert. Die Landeshauptstadt etwa hat deshalb auch im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl mehr Intensivbetten als die Landkreise im Stuttgarter Umland. Das ist politisch so gewollt.

Warum weichen die Zahlen der RKH von denen des Divi-Intensivregisters ab?

Das Divi-Register berücksichtigt beispielsweise auch Intensivbetten in Fachkliniken, die keine Covid-Patienten behandeln können. Zudem reagiert es nicht auf Veränderungen durch Personalausfall. Am Freitag wies es für den Kreis insgesamt 94 Intensivbetten aus, von denen 93 belegt seien, 27 davon mit Coronapatienten. Ein Blick auf die Lungenfachklinik Schillerhöhe in Gerlingen zeigt: Dort stellt das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus für Coronapatienten prinzipiell je zehn Betten auf der Covid-Intensivstation und auf der Beatmungsstation bereit. Am Freitag waren sechs dieser 20 Betten belegt.

Was passiert mit Notfällen, wenn die Intensivstation voll ist?

Die RKH nimmt Notfälle aus ihrem Versorgungsgebiet in jedem Fall auf. Ein Schlaganfall-Patient aus Asperg etwa käme weiterhin in die auf Schlaganfälle spezialisierte Abteilung nach Ludwigsburg. Gegebenenfalls müssen dann stabilere Patienten verlegt werden. Die Koordinierung der Intensivbettenkapazitäten erfolgt in regionalen Clustern und wird von Professor Geldner gesteuert.

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