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Knecht-Stadtbahn fällt im Kreis durch

Politik fürchtet Verzögerungen fürs gesamte Netz zwischen Markgröningen und Remseck – Fragezeichen hinter den Kosten.

Gelbe Stadtbahn der SSB: OB Matthias Knecht hat eine Ludwigsburger Südvariante ins Spiel gebracht, die auch mit Hochflurzügen umgesetzt werden könnte. Foto: dpa
Gelbe Stadtbahn der SSB: OB Matthias Knecht hat eine Ludwigsburger Südvariante ins Spiel gebracht, die auch mit Hochflurzügen umgesetzt werden könnte. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg. Zwei Termine, die noch etwas in der Ferne liegen, hat sich der ehemalige Ludwigsburger Baubürgermeister und CDU-Kreisrat Hans Schmid bereits in seinem Kalender eingetragen: Ende November 2028, wenn die ersten Züge auf der reaktivierten Trasse zwischen Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg im Vorlaufbetrieb verkehren sollen, sowie März 2032. Dann könnten auch Stadtbahnen in der Niederflurversion nach Oßweil, Schlösslesfeld und Pattonville an den Start gehen, wo der Umstieg auf die gelben Hochflurzüge der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) nach Remseck erfolgen würde.

Allerdings stehen hinter diesen Meilensteinen und möglichen Streckenführungen auch nach Jahren der Diskussion weiter Fragezeichen. Frank von Meißner, der neue Chef des Stadtbahn-Zweckverbandes, in dem die Anrainer vertreten sind, sprach am Freitag bei seinem ersten Auftritt im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik von einem „ambitioniert-realistischen Zeitplan“. Ein Prüfer der Karlsruher Albtal-Verkehrs-Gesellschaft sagte gar: „Es darf nicht viel schiefgehen.“

Seit rund drei Jahren gilt im Landkreis die gemeinsame Verständigung auf die Wiederinbetriebnahme der Markgröninger Strecke und Stadtbahnen mit flachen Bahnsteigen in die Ludwigsburger Ortsteile – bis jüngst der dortige OB Matthias Knecht dazwischen grätschte und eine Trasse von Pattonville über den neuen W&W-Campus Richtung Ludwigsburger Süden und Bahnhof ins Spiel brachte. SSB-Züge schloss er dabei ausdrücklich nicht aus. Vor wenigen Wochen bescheinigten Gutachter dieser Idee hohes Fahrgastpotenzial. Der Haken: Eine Umsetzung würde wohl die Äste nach Oßweil und Schlösslesfeld aufs Abstellgleis schieben – darüber hinaus ist sie (noch) nicht mit politischen Beschlüssen hinterlegt.

Dass sich daran auf Kreisebene etwas ändern könnte, scheint nicht in Sicht zu sein. „Der Ludwigsburger OB wird sich von dieser Idee hoffentlich bald verabschieden“, sagte der Asperger Grüne Jürgen Walter im Ausschuss. Hochflurzüge über den Salonwald Richtung City – für Walter „rollende Marstallcenter“ – hält der Grüne aus ästhetischen Gründen für ausgeschlossen. Der Freie Wähler Michael Ilk, ebenfalls ehemaliger Ludwigsburger Baubürgermeister, befürchtet, dass die Knecht-Linie das gesamte Vorhaben verzögern werde. „Es ist wieder etwas unklarer geworden, was die Stadt Ludwigsburg bei der Stadtbahn eigentlich will“, beklagte der Marbacher SPD-Kreisrat Ernst-Peter Morlock. Dort befinde sich laut FDP jedoch der Schlüssel.

Von Meißner und Landrat Dietmar Allgaier warben am Freitag für schnelle und eindeutige politische Entscheidungen. Sie wollen im kommenden Jahr das Streckennetz und die Takte festlegen sowie eine einigermaßen verlässliche Kostenberechnung erstellen. Bis erstes Fördergeld aus Berlin fließt, werden laut von Meißner wohl vier Jahre vergehen. „Das ist die bittere Realität“, sagte er am Freitag. Allein für die Markgröninger Bahn rechnet er jedoch mit einer Förderquote von etwa 95 Prozent. „So günstig wie jetzt werden wir nie wieder an ein Stadtbahnnetz im Landkreis Ludwigsburg kommen“, so der Bahnmanager.

In den Bilanzen stehen derzeit Investitionen in Höhe von rund 215 Millionen Euro. Mit Planungskosten werden es etwa 250 Millionen Euro werden. Keiner im Landkreis geht jedoch davon aus, dass das ausreichen wird, schließlich stammen die Zahlen aus dem Jahr 2016. „Seitdem hatten wir regelrechte Baupreissprünge“, sagte von Meißner. Eine konkrete Zahl wollte er am Freitagnachmittag nicht nennen – das übernahm stattdessen der Vaihinger AfD-Kreisrat Walter Müller. Für den ist klar, dass die Stadtbahn einmal in einem Atemzug mit Stuttgart21, der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen genannt wird. Seine Hochrechnung beläuft sich auf schwindelerregende 900 Millionen Euro.

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