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Kohler: „Die Lernkurven gehen steil nach oben“

Es gibt sicher sanftere Starts in einen neuen Job, als mitten in einer Pandemie Bürgermeister zu werden – noch dazu als Quereinsteiger. Doch Marcus Kohler zieht eine positive Bilanz seiner ersten 100 Tage im Rathaus: „Ich habe mich gut eingearbeitet.“

Bürgermeister Marcus Kohler fühlt sich wohl in Erdmannhausen. Foto: Holm Wolschendorf
Bürgermeister Marcus Kohler fühlt sich wohl in Erdmannhausen. Foto: Holm Wolschendorf

Erdmannhausen. Tiefbau, Hochbau, Bebauungspläne, Einstellungsgespräche, Stellenbesetzungen: In einer vergleichsweise kleinen Gemeindeverwaltung wie der in Erdmannhausen ist der Bürgermeister tiefer in den Details drin, als das in größeren Einheiten oft der Fall ist. Dementsprechend musste sich Marcus Kohler nach seinem Amtsantritt Anfang Juni in viele neue Themenfelder einlesen, sagt aber auch: „Die Lernkurven gehen steil nach oben.“ Der Ludwigsburger, der als Unternehmer um die Nachfolge von Birgit Hannemann antrat, ist angekommen im neuen Job. Die Bürger reagierten positiv, und vor allem von seinen Verwaltungsmitarbeitern „bin ich sehr gut mitgenommen worden“.

Die Verwaltung – die immerhin 116 Köpfe auf allerdings deutlich weniger Stellen zählt – hat Kohler in den zurückliegenden Wochen etwas umorganisiert. Das war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass mit Günther Sommer ein Amtsleiter mit jahrzehntelanger Erfahrung und entsprechendem Wissen in den Ruhestand gegangen war. Das neue Organigramm werde er dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung Anfang Oktober vorstellen, sagt der 49-Jährige. Und ist zugleich voll des Lobes über seine inzwischen deutlich verjüngte Amtsleiterriege, allen voran über Ordnungsamtsleiterin Verena Fischer, die ganz überwiegend die Last der Coronaverordnungen schultern und umsetzen musste. „Wir haben ein wirklich gutes Team und sind sehr gut aufgestellt“, resümiert der neue Schultes.

Alle Stellen im Kinderhaus sind besetzt

Zum Rathausteam zählt Marcus Kohler ausdrücklich auch die Erzieherinnen, und er ist heilfroh, dass es gelungen ist, alle Stellen im neuen Kinderhaus „Zwergenland“ zu besetzen. Die 4,5 Millionen teure Einrichtung in direkter Nachbarschaft der Halle auf der Schray wird am kommenden Montag in Betrieb genommen. Mit dem „Zwergenland“ sei auch der Bedarf an Betreuungsplätzen im 5000-Einwohner-Ort erfüllt. Zumindest aktuell gibt es keine Wartelisten, und als Konsequenz aus dem Neubau mit 80 Plätzen für zwei Krippen- und drei Kindergartengruppen wird sich der Gemeinderat Ende September bei einer Klausurtagung auch mit der Erweiterung der Astrid-Lindgren-Grundschule befassen.

Um Projekte und Entscheidungen, die den Erdmannhäusern wichtig sind, soll es auch beim „Zukunftsforum“ gehen, eines der zentralen Wahlversprechen Kohlers. Am 23.Oktober können Bürger, Vertreter von Vereinen und Institutionen, aber natürlich auch die Gemeinderäte in die Halle auf der Schray kommen und dort an verschiedenen Tischen immer eine bestimmte Zeit lang über verschiedene Themen diskutieren. „Da kann es um Klima gehen oder um Energie, aber auch um Kinderbetreuung oder die Versorgung der Senioren, nicht aber um drei Parkplätze in der Pflasterstraße“, verdeutlicht Kohler, dass er die großen Linien für die kommenden Jahre ziehen will. Wichtig sei ihm, schon beim Forum „Ziele und konkrete Aktionen“ zu formulieren, nach Möglichkeit Projektgruppen zu bilden. Der 49-Jährige glaubt, dass diese Form der Bürgerbeteiligung zeitgemäß ist, „und ich habe den Eindruck, dass sich viele einbringen wollen, ohne gleich in den Gemeinderat zu gehen oder sich an eine Partei zu binden“.

Die erste Trauung vollzogen

Wer vom Büro eines Selbstständigen in das eines Bürgermeisters zieht, der erlebt naturgemäß auch Überraschungen. Marcus Kohler war es seinen Worten zufolge „gar nicht so bewusst“, dass er qua Amt auch Standesbeamter sein wird. „Das ist natürlich etwas Schönes“, sagt er mit einem Lachen, und seine erste Trauung habe er auch gut hinter sich gebracht. Ein Vorgespräch mit dem Brautpaar, die Lektüre anderer Traureden und etwas Intuition hätten für eine reibungslose Zeremonie gesorgt.

Marcus Kohler ist angekommen im neuen Job. „Ich freue mich jeden Tag, ins Rathaus zu gehen, bin mit Leidenschaft dabei. Ich habe das Gefühl, dass ich zu Erdmannhausen passe und Erdmannhausen zu mir.“

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