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Müllgebühren

Kreis bei Ranking schlechter gerechnet, als er ist

Vergleichbarkeit: Das ist das Ziel eines Müllgebührenrankings, das die IW Consult Köln im Auftrag des Eigentümerverbandes Haus und Grund vorlegt. Es sieht den Kreis Ludwigsburg im Vergleich der „100 größten Städte“ nur auf Rang 82. Der schlechte Platz hat aber mehr mit methodischen Annahmen der Untersuchung zu tun als mit tatsächlichen Tarifen.

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Kreis Ludwigsburg. Erste Irritation: Wie geraten die hiesigen Müllgebühren in ein Städteranking? Einfache Erklärung: Die Tarife des Landkreises gelten auch in der Kreisstadt – und Ludwigsburg gehört zu den 100 größten Städten der Republik. Einen zweiten Haken kann man sofort auch unter die wichtigste Vergleichsgröße machen: Es sollen bei der Studie nur die Gebühren von Vier-Personen-Haushalten verglichen werden, die pro Woche 60 Liter Restmüll und 20 Liter Biomüll „produzieren“ und derren Müll tatsächlich nach Haushaltstarifen abgerechnet wird.

Das ist die zentrale Annahme auch der Gebührenkalkulation für den Musterhaushalt im Kreis Ludwigsburg. Bei den aktuellen Tarifen und unter Berücksichtigung der Abholrhythmen ergäbe sich unter Ausschöpfung aller rechnerisch nötigen Leerungen folgendes Bild: Haushaltsgebühr 108,16 Euro plus 26 Leerungen der alle 14 Tage abgeholten 120-Liter-Restmülltonne plus 17 Leerungen der 60-Liter-Biotonne. Macht eine Müllgebühr von 249,52 Euro im Jahr 2019.

Die Abfallexperten des Landkreises haben in ihrer Gebührenkalkulation in Anbetracht des wöchentlichen Abholrhythmus‘ in den Sommermonaten noch weitere neun Leerungen der Biotonne draufgeschlagen und sind damit bei 254,02 Euro gelandet – exakt die Größe, die auch das Haus-und-Grund-Ranking für einen Musterhaushalt im „Teilservice“ bei 14-tägiger Leerung ausweist.

30 Prozent Aufschlag für Vergleichbarkeit

Natürlich kann die tatsächliche Gebühr niedriger oder höher ausfallen – je nachdem, ob ein Haushalt die Müllabfuhr nicht bei jeder Leerung in Anspruch nimmt oder eine größere Tonne benützt, weil er mehr Müll wegzuwerfen hat. Doch nach den Berechnungsgrundlagen ist dieser Wert – 254 Euro – die Vergleichsgröße, von dem ein Ranking der tatsächlichen Kosten für den Kreis Ludwigsburg auszugehen hätte.

Kein Bonus für die grünen Tonnen

Damit läge der Kreis Ludwigsburg etwa auf Rang 40. Das IW-Gutachten aber errechnet für den Ludwigsburger Musterhaushalt aus „methodischen“ Gründen einen Mittelwert von 357,45 Euro – und dieser errechnete Aufpreis von 107,93 Euro oder 30,2 Prozent allein ist es, der die hiesigen Müllgebühren auf den 82. Platz abstürzen lässt. Denn die Erhebung stellt den Anspruch, verschiedene Tarif- und Abholsysteme vergleichbar zu machen – etwa die wöchentliche mit der 14-tägigen Leerung und Serviceangebote wie die Abholung der Mülltonne vom Grundstück mit der Bereitstellung am Straßenrad. Der Grundsatz dabei: Für weniger Service wird ein Aufpreis berechnet, der über die tatsächliche Gebühr hinaus fällig wäre, wenn der „volle Service“ angeboten würde. So wird hypothetisch die Gebühr bei einem wöchentlichen Leerungsrhythmus, den es im Kreis nur in Wohnanlagen, nicht aber für den zitierten Musterhaushalt gibt, ebenso berechnet wie die Gebühr für einen angenommenen „Vollservice“.

Eigentlich sei die Absicht, verschiedene Gebührensysteme vergleichbar zu machen, ja richtig, meint AVL-Sprecher Markus Klohr. Schließlich ist man im Kreis stolz auf das eigene Müllsystem – und hat fraglos ein besseres Abschneiden erwartet.

Tatsächlich kritisiert Klohr denn auch die Lösung, die das vorliegende Ranking wählt, als „weder transparent noch nachvollziehbar“. Und das ist eine Kritik, die durchaus einleuchtet. So spielt es für die Bewertung des Serviceangebots in dem Gutachten keine Rolle, was – das Altpapier ausgenommen – mit den Wertstoffen geschieht, weil die Kosten des Dualen Systems in den Müllgebühren keinen Niederschlag finden. Im konkreten Fall bedeutet das aber: Der zusätzliche Service, den der Landkreis mit den grünen Tonnen „flach“ und „rund“ bietet, spielt für das Ranking keinerlei Rolle. Es bestraft also zwar, dass die Haushalte im Kreis ihren Mülleimer selber an die Straße stellen müssen, mit offenbar deftigen Aufpreisen, belohnt aber nicht, dass der Kreis seinen Haushalten dafür den Gang zu Altglascontainern erspart, wie sie es andernorts gibt.

Fazit: Die Zuschläge, die das Gutachten von Haus und Grund zu dem rechnerischen „Mittelwert“ führen, mit dem der Kreis ins Ranking eingeht, bleibt undurchsichtig – so wie das Ranking insgesamt: Platz 82 für den Landkreis aufgrund eines errechneten 30-Prozent-Aufpreises gegenüber den tatsächlichen Gebührensätzen ist wohl nicht weniger hypothetisch als die in der Studie „approximierten“ Tarife. Sie kreiden dem Abholsystem „aus Vergleichgründen“ Mängel an, die dem Bürger Nebenkosten ersparen.

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