Logo

Kulturlandschaft zum Abrufen

Die Dreharbeiten im Kirbachtal mit regionalen Musikern sind in vollem Gange

Violinist Martin Schnabel und Gitarrist Matt Fleischmann. Foto: Alfred Drossel
Violinist Martin Schnabel und Gitarrist Matt Fleischmann. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim. „Audio läuft – und Action!“, ruft Peter Blaha. Der Kameramann aus Pforzheim tritt zurück und prüft die Einstellung einer der fünf Kameras, die er aufgebaut hat. Martin Schnabel legt seine weiße, elektrifizierte Violine an und klinkt sich in die Harmonien des ätherischen Themas ein, das der Fellbacher Gitarrist Matt Fleischmann seiner Strat entlockt. Die beiden Musiker haben sich in eine schattige Ecke im Innenhof des frisch renovierten Wasserschlosses im Herzen von Großsachsenheim zurückgezogen an diesem hochsommerlichen Nachmittag, vor sich ausgebreitet ein ganzes Arsenal an Effektgeräten samt Loopstation – die Dreharbeiten für den „Digitalen Kultursommer im Kirbachtal“ sind nun in vollem Gange.

Immer verwegener gestaltet Schnabel die Kantilene, sein Sforzando liegt zuweilen auch jenseits gediegener Konzertsaalkonventionen und unterstreicht, warum der 1957 in Stuttgart geborene Musiker, der auch mit seinen Holzskulpturen und der von 2003 bis 2009 bestehenden Kulturfabrik Drachenpalast in Oberesslingen bekannt ist, als „Teufelsgeiger von Esslingen“ bezeichnet wird. Vogelleicht steigt das sphärische Gewebe ihres Soft-Rock-Instrumentals „Surf“ in den blauen Himmel über dem Großsachsenheimer Wahrzeichen. Die Luftaufnahmen mit der Kameradrohne sind da bereits im Kasten. „Wir wollen uns hier im doppelten Sinn als Kulturlandschaft präsentieren“, sagt Alexander Sterzel, der seit Beginn 2020 als Kulturreferent der Stadt Sachsenheim fungiert. Nachdem man alle Veranstaltungen in der ersten Jahreshälfte absagen musste, machte er sich auf die Suche nach Alternativen.

Der Grundgedanke des „Digitalen Kultursommers“: Videos von Bandauftritten in der Stadt zu drehen – in jedem der sechs Ortsteile eines. Und dazu Luftbilder, die den landschaftlichen Reiz der jeweiligen Kirbachtal-Gemeinde angemessen in Szene setzen. Die rund 15- bis 20-minütigen Clips produziert Sterzel selbst: In mehr als einer Disziplin künstlerisch beheimatet, etwa als Maler oder Schlagzeuger, besorgt der 1967 in Ludwigsburg geborene Künstler und Kulturmanager nicht nur den Endschnitt – wobei die Tatsache, dass im Format 4K gedreht wird, nachträgliches Zoomen erlaubt –, sondern auch Soundscapes für die Untermalung der als Intro beziehungsweise Outro eingesetzten Luftbilder – Letzteres in seiner Freizeit, wie Sterzel betont.

Bereits abgedreht sind die Auftritte von Till Ohlhausens Percussionensemble Taktlos am Heiligenbergsee in Häfnerhaslach sowie des Jan Jankeje Gipsy Projects in Hohenhaslach, in Kleinsachsenheim wird der Stuttgarter Künstler Stefan Charisius an der westafrikanischen Stegharfe Kora auftreten.

Lokalmatador Matthias Leucht steht mit seinem Quintett in Spielberg und Ochsenbach vor der Kamera. Die Videos werden nach und nach auf dem Youtube-Kanal der Stadt Sachsenheim online gestellt, beginnend mit dem Jan Jankeje Gipsy Project. Und für die Zukunft kann Sterzel sich vorstellen, den „Kultursommer im Kirbachtal“ dann auch „live und in Farbe“ anzubieten.

Info: „Digitaler Kultursommer im Kirbachtal“ ist ab 29. Juli unter www.youtube.com/channel/UCsJBBADfi3alUDcPoW5SU9A zu sehen.

Autor: