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Lastenrad hängt Auto beim Einkaufen ab

Mit Lastenrad und Kindern zum Marbacher Wochenmarkt: Da kann man eine Menge Pflanzen einkaufen und transportieren. Foto: privat
Mit Lastenrad und Kindern zum Marbacher Wochenmarkt: Da kann man eine Menge Pflanzen einkaufen und transportieren. Foto: privat
Wenn Luise Hammer über ihre zwei Wochen mit Charlotte spricht, klingt noch immer Begeisterung aus jedem Satz. Zwei Wochen lang hat die fünfköpfige Familie Hammer das Marbacher Lastenrad im Alltag getestet und zieht eine durchweg positive Bilanz.

Marbach. Eigentlich sollte der Test nur eine Woche dauern, dann sind doch zwei daraus geworden, obwohl die Startbedingungen im deutschen Spätherbst nicht gerade freundlich waren. Aber Nieselregen macht erfinderisch: Die drei Kinder der Familie Hammer – die siebenjährige Helena, der fünfjährige Ferdinand und der zweijährige Valentin – wurden kurzerhand in aufgeschnittene Müllsäcke verpackt. Große Regenponchos wären für den Dauereinsatz mit Lastenrad also durchaus eine sinnvolle Investition.

Aber Familie Hammer – alle fünf passionierte Radfahrer, sogar der Zweijährige ist schon mit dem Laufrad unterwegs – wollte das Lastenrad ja auch erst mal nur testen. Die Idee zu der Aktion hatte Andreas Sieber, geistiger Vater des Lastenrads Charlotte, das man in Marbach kostenlos ausleihen kann: Eine Familie, möglichst mit Kindern, sollte Charlotte eine Woche lang nutzen, das Auto konsequent stehen lassen und alle Einkäufe, alle Wege, alle Besorgungen mit dem Lastenrad machen. Hintergedanke der Aktion: Auf diese Art könnte das Angebot in der Stadt bekannter gemacht werden.

Familie Hammer traute sich. Auch Luise Hammer hatte einen Hintergedanken: Sie hatte die Aufgabe übernommen, in den Herbstferien bei einem Kinderbibelprogramm der evangelischen Kirche im Hörnle zu kochen, und die Parkplatzsituation dort ist bekanntermaßen prekär. Nachdem feststand, dass die Freizeit unter strengen Hygienemaßnahmen stattfinden kann, packte Luise Hammer ihren Rieseneinkauf samt Tochter ins Lastenrad und radelte ins Hörnle.

Natürlich hatte sie vorher ein bisschen geübt, mit dem elektrounterstützten Rad umzugehen. Eine Einweisung gehört immer dazu, wenn man das Rad ausleihen will. „Es war nicht so ganz einfach“, schildert Luise Hammer ihre Erfahrungen, „enge Kurve und Anfahren am Berg muss man üben, aber es macht riesig Spaß!“ Die Kinder sitzen sicher angeschnallt mit Helm in der Transportbox, dazu haben noch eine Menge Einkäufe Platz.

Theoretisch könnte man hundert Kilo zuladen, in der Praxis wird das aber schwierig. „Ich habe nie die möglichen vier Sprudelkisten transportiert“, sagt Luise Hammer, „denn man muss das Rad ja auch noch im Stand halten können.“ Ihr deutlich größerer Ehemann konnte bei der Zuladung großzügiger sein.

Einmal hat sie den Test gemacht: Wer ist schneller? Das Auto oder das Fahrrad? Luise Hammers Mutter steuerte gleichzeitig das Ziel mit dem Auto an, und siehe da: Das Lastenrad war schon vor ihr am Ziel. Das kommt daher, dass das Rad andere Wege nehmen kann als das Auto, deshalb nicht im Stau steht und mit dem 25-Watt-Motor auch ganz schön flott unterwegs ist, vor allem bergauf. In Innenstädten, ist Luise Hammer überzeugt, ist das E-Bike „total zukunftsfähig“ und in der Lage, den Autoverkehr zu reduzieren. Und zum Umweltaspekt komme schließlich noch der Gesundheitsfaktor und der Spaß dazu.

Wer mit dem Lastenrad unterwegs ist, wird oft angesprochen. „Die Kinder waren der beste Werbeträger“, lacht die radelnde Mutter, „sie waren ganz traurig, als wir Charlotte zurückgebracht haben.“

Und noch etwas hat die erfahrene Radfahrerin festgestellt: „Man fährt viel selbstbewusster mit diesem größeren Gehäuse.“ Während sie auf dem normalen Rad oft von Autofahrern bedrängt werde, sei ihr dies auf dem Lastenrad nie passiert: „Ich habe mich sicherer gefühlt.“ Offenbar haben Autofahrer vor dem rund zweieinhalb Meter langen Gefährt Respekt. Ob die Familie Hammer ein Lastenrad anschaffen würde? „Eher nicht“, sagt Luise Hammer. Schließlich ist die Familie schon mit E-Bikes und Fahrradanhänger unterwegs und die Anschaffungskosten sind mit rund 6000 Euro hoch. Aber: „Toll, dass es Leute gibt, die die Lastenrad-Initiative gegründet haben!“

Würden sie Charlotte wieder ausleihen? „Auf jeden Fall!“, sagt Luise Hammer und denkt zum Beispiel an eine richtig große Radtour, bei der die Kinder transportiert werden könnten.

Bei der letzten Tour leuchtete Charlotte sogar festlich: Die Kinder hatten Laternen dabei. Als das Lastenrad abgegeben war, ging es zu Fuß zurück – ein kleiner Laternenumzug.

Info: Das Lastenrad Charlotte kann kostenlos und unkompliziert ausgeliehen werden unter www.lastenrad-marbach.de.