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Mobilität

Leidenschaft für Radkultur

Freiberger Unternehmer entwickelt neue E-Bike-Ladekonzepte – Umsatz in drei Jahren verdoppelt

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Am Scheideweg: Florian Dobner, hier mit einem seiner Räder, sucht für sein Unternehmen FXX Cycles einen Investor. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Freiberg. Redet Florian Dobner über Mobilität auf zwei Rädern, sprüht er vor Ideen. Der Inhaber des Freiberger Unternehmens FXX Cycles und ehemalige Radrennfahrer verkauft nicht nur Fahrräder, er denkt an das große Ganze, an Konzepte. Seine Mission: immer mehr Menschen zum Umsteigen bewegen. Der Freiberger engagiert sich bei diversen Projekten. Als Hersteller stattet der 42-Jährige Firmen wie die Unternehmensberater von MHP, die Stadtwerke Ludwigsburg und Freiberg, aber auch Kommunen wie Ludwigsburg mit Pedelec-Flotten aus. Und er berät in Sachen einspuriger Mobilität – etwa die Stadt Stuttgart für ein eigenes Call-a-Bike-Konzept. Im Ludwigsburger Energetikom ist Dobner im Arbeitskreis Elektromobilität tätig. „Dort entwickeln wir gerade eine Dienstleistungsplattform“, sagt er. Es gelte, Systemlösungen für die Flotten zu entwickeln – von Ladestationen über Wartungsverträge bis zum sicheren Aufbewahren, zum Beispiel in Radboxen.

Von FXX Cycles stammt auch das Radkultur-Bike, mit dem Landesverkehrsminister Winfried Hermann den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr steigern will. Zudem entwickelt Dobner mit dem Baukonzern Züblin unter dem Projektnamen Z-Box eine mobile Lade- und Verleihstation für E-Bikes in Holzbauweise. Ihr Prototyp stand ein paar Wochen lang an der Ludwigsburger Sternkreuzung, im Laufe des Jahres soll sie dauerhaft an den Bahnhof kommen. Die Z-Box soll auch für E-Autos und E-Scooter nutzbar sein, Nutzer können das Angebot über eine Smartphone-App buchen.

Jetzt hat Dobner für ein neues Projekt einen Gesellschafter gefunden: Mit einem Stuttgarter IT-Unternehmen entwickelt der Freiberger kleine Ladegeräte für E-Bikes aus Edelstahl. Die Idee greift den Trend zum Sharing auf. Über eine Plattform können sich Nutzer, ähnlich wie bei Facebook, einander anfreunden und zum Laden des Akkus kontaktieren. So könne auch über Privatleute ein Netzwerk entstehen. Schließlich schreibt die Region Stuttgart den Betrieb für Verleihstationen und ihre Ladeinfrastruktur neu aus, hierfür will Dobner sich bewerben (wir berichteten).

Dann ist da noch die Fahrradschmiede mit Designanspruch, die der Familienvater von seinem heimischen Büro aus betreibt. „FXX Cycles sind zu 100 Prozent entwickelt und von Hand gemacht in Baden-Württemberg. Die lokale Wertschöpfung liegt bei 85 Prozent“, versichert Dobner. Die Montage erfolgt in Freiberg, eine Verlagerung der Produktion ins frühere Getrag-Areal nach Ludwigsburg werde noch verhandelt.

Derzeit gibt es zwölf Modelle: für den Stadtverkehr, aber auch Mountainbikes – mit oder ohne Antrieb. Verkauft werden sie über etwa 30 Fachhändler, Schwerpunkt liegt in Süddeutschland. Knapp die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet FXX Cycles mit Flotten für Firmen und Kommunen, Tendenz steigend. In diesem Jahr rechnet Dobner, der sechs freie Mitarbeiter beschäftigt, mit einem Umsatz von 600 000 Euro – eine Verdoppelung binnen drei Jahren. 2007 fing er an, eigene Fahrräder zu bauen. 2011 ging er mit FXX Cycles offiziell an den Start. Gelernt hat der Fahrradverrückte eigentlich Offsetdrucker, startete seine Karriere aber als Produktmanager bei diversen Fahrradmarken und Audi.

Das Wachstum zieht dringende Entscheidungen nach sich: „Die Firma ist am Scheideweg“, sagt Dobner. „Wir sind in der Struktur eines kleinen Einzelunternehmens nicht mehr imstande, den finanziellen Aufwand zu stemmen, der beispielsweise mit Entwicklungsleistungen zu tun hat.“ Um Flottenkonzepte für Mitarbeitermobilität in Firmen oder Softwarelösungen für die benötigten Netzwerke zu entwickeln, flächendeckende E-Bike-Netze in Städten zu konzipieren, langfristig und perspektivisch arbeiten zu können, sei Kapital nötig. Vor allem Kommunen wünschten sich immer mehr einen Dienstleister, der von der Entwicklung bis zum Service alles für sie erledigt und auch in der komplexen förderrechtlichen Thematik fit ist, also ganzheitliche Lösungen anbietet.

Weiteres Beispiel: Dobner arbeitet mit einer Continental-Tochter an einer Alternative zum Radnabenmotor, einem am Tretlager angebrachten Mittelmotor. „Um mit Entwicklungskosten in Vorleistung zu gehen, bis er auf den Markt kommt, sind Zeit und finanziell ein langer Atem nötig – und jemand, der das ermöglicht“, so Dobner. Daher sucht er einen Investor.

Auch wenn Dobner überzeugt ist, dass Deutschland bei vielen Entwicklungen noch am Anfang steht – er ist sich sicher, dass ein Bewusstseinswandel eintritt. „Fast 2,5 Millionen Pedelecs sind bei Privatleuten unterwegs, dagegen nur ein paar 1000 Elektroautos.“ Für ein schlüssiges Angebot mit hohem Nutzwert sei eine stärkere Vernetzung von Dienstleistern nötig. Denn je mehr Menschen Fahrrad fahren, desto dringender müssen ihre Bedürfnisse erfüllt werden: von Radwegen über Ladestationen bis zum Verleih am Bahnhof. Bei der politischen Budgetverteilung gehe vieles am Bedarf in der Bevölkerung vorbei. „Die Bemühungen dürfen nicht beim Auto aufhören.“ Wo man auf vier Rädern nicht mehr weiterkommt, sei das Fahrrad eine sinnvolle Alternative. Ob beruflich, oder privat. Und anders als das Auto bringt es was für die Gesundheit.

Internet: www.fxxcycles.com