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Löchgau zeigt, wie der Ortskern lebendig bleibt

Mit verschiedenen Aktionen holt die Gemeinde regelmäßig viele Besucher in den Löchgauer Ortskern – wie hier beim Kinderfest zum Start in die Sommerferien. Foto: Alfred Drossel
Mit verschiedenen Aktionen holt die Gemeinde regelmäßig viele Besucher in den Löchgauer Ortskern – wie hier beim Kinderfest zum Start in die Sommerferien. Foto: Alfred Drossel
Lebendige Ortskerne mit Geschäften und einer guten Infrastruktur sind attraktiv – werden aber auch immer seltener. Das Beispiel Löchgau zeigt, wie es trotzdem gelingen kann, die Menschen ins Zentrum zu holen. Es macht aber auch deutlich, dass dies eine ständige Bereitschaft zur Veränderung voraussetzt. Experten bescheinigen der Kommune im nördlichen Landkreis dabei Vorbildcharakter.

Löchgau. Löchgau ist ein Musterbeispiel für vergleichbare Kommunen im Landkreis. Denn die rund 5600 Einwohner zählende Gemeinde zeigt vorbildlich, wie es gelingen kann, den Ortskern lebendig und attraktiv zu halten. Das sagt Gerhard Beck, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Ludwigsburg. Und er sollte es wissen: Sein Unternehmen berät seit vielen Jahrzehnten Kommunen bei allen Fragen rund um den Einzelhandel und die Entwicklung von Innenstädten und Zentren. Auch Löchgau. Dort habe man „sehr viel sehr richtig gemacht und die sich bietenden Chancen sehr gut genutzt“. So, dass die Löchgauer Ortsmitte heute wortwörtlich Zentrum ist für Kommunikation, Austausch, Kultur und Begegnung.

„Möglichst viel zentral anbieten“

Doch wie konnte das gelingen? Was macht die Gemeinde anders als andere Kommunen, wo Läden schließen und immer weniger Menschen anzutreffen sind? „Es war immer unser Ansatz, möglichst viel zentral anzubieten. Wir wollen es den Bürgern ermöglichen, ihre komplette Grundversorgung im Ortskern abzudecken“, sagt Bürgermeister Robert Feil. Beim Spaziergang durch die Löchgauer Hauptstraße zeigt sich, was er meint: Neben Bäcker und Metzger gibt es hier weitere Einzelhändler und Gastronomen, Post und Apotheke. Zentral auf wenigen Hundert Metern, alles fußläufig erreichbar – und ein Grund dafür, dass immer noch Menschen direkt ins Löchgauer Zentrum ziehen. Vor allem seniorengerechte Wohnungen sind hier und in unmittelbarer Nähe entstanden.

Möglich ist all das aber auch, weil es die Kommune geschafft hat, einen Discounter ins Zentrum zu holen. 2016 eröffnete Norma an der Wette – ein sehr guter Frequenzbringer auch für den Ortskern. „Diese Dame hat gerade ihre Einkäufe im Discounter erledigt“, sagt Feil und zeigt auf eine ältere Frau mit Rollator. „Vielleicht holt sie jetzt noch ihre Wurst beim Metzger.“

Lebensmittelläden und Drogerien eigneten sich sehr gut, um Kunden in den Ort zu holen. Davon könnten dann auch die anderen Einzelhändler profitieren, sagt Gerhard Beck. Doch ohne ausreichend Platz ist das schwierig, Löchgau habe hier sehr gute Voraussetzungen gehabt. Kleinere Kommunen werben oft jahrelang vergeblich um einen größeren Lebensmittelmarkt – siehe Freudental oder Walheim. Und wenn sich dann ein Discounter bereiterklärt, eine Filiale zu eröffnen, dann meist nur am Ortsrand.

Ausreichend Platz ist wichtig

Der vorhandene Platz spielt auch eine entscheidende Rolle beim Ärztehaus, das am Parkplatz Nonnengasse gebaut werden soll – und damit auch wieder Besucher ins Zentrum holt. Dieser Mix belebe die Ortsmitte, betont Beck. Dazu zählen auch die Gastronomen oder der Wochenmarkt. Blumen oder Wurstwaren findet man dort in Löchgau allerdings nicht. „Wir haben bewusst auf diese Angebote verzichtet, um keine Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel zu schaffen“, erläutert Feil. Auch beim Kunsthandwerkermarkt gab es aus diesem Grund keine Stände, die Essen verkauft haben. „Wir achten sehr stark darauf, dass die vorhandenen Händler und Gastronomen unterstützt werden“, führt Feil aus.

Diese profitieren auch von einer Aktion, die es seit vorigem Jahr am Rathausplatz gibt: Im Sommer ist dort ein Dorfstrand aufgebaut. Gemütliche Sitzgelegenheiten sind vorhanden, die Kinder können im Sand spielen – und immer wieder gibt es dort kleinere Veranstaltungen. Ein Platz zum Verweilen und Zusammenkommen. Ein neuer Treffpunkt könnte in den nächsten Jahren am Gasthaus „Krone“ entstehen. Die Gemeinde will in der alten Scheune öffentliche Räume schaffen. Das alles trage zum Gemeinschaftsgefühl und zur Identifikation mit der Ortsmitte bei, glaubt Feil.

Viele Angebote in der Ortsmitte bündeln

Er weiß aber auch: Dieses Projekt wird kein Ende haben. „Eine Ortsmitte ist nie fertig, sondern ständigen Veränderungen unterworfen.“ Um sie lebendig zu halten, ist es nötig, immer wieder nachzujustieren. Demnächst sollen zum Beispiel Markt- und Rathausplatz stärker zusammengeführt werden, um die Aufenthaltsqualität noch mehr zu steigern. Was früher galt, muss heute längst nicht mehr richtig sein, weiß auch GMA-Geschäftsführer Beck. Statt sich nur auf den Einzelhandel zu konzentrieren, sei es nun wichtig, möglichst viele verschiedene Angebote in einer Ortsmitte zu bündeln. In Löchgau sei das sehr gut gelungen.