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Ludwigsburger Geburtsklinik am Limit

Die Zahl der Geburten nimmt seit eineinhalb Jahren stetig zu. stock.adobe.com/nataliaderiabina
Die Zahl der Geburten nimmt seit eineinhalb Jahren stetig zu. stock.adobe.com/nataliaderiabina
Ein chronischer Mangel an Hebammen und eine wachsende Zahl an schwangeren Frauen überfordern in der ganzen Region fast alle Geburtskliniken. Auch Ludwigsburg muss inzwischen Gebärende abweisen, tut dies vor allem dann, wenn diese von außerhalb des Landkreises kommen. Für viele Frauen eine dramatische Situation, wenn sie auf der verzweifelten Suche von Kliniken gleich reihenweise Absagen erhalten.

Ludwigsburg. „Das ist bundesweit seit Jahren ein immer größeres Problem“, sagt Alexander Tsongas, Sprecher des RKH Klinikenverbunds, zu dem mit ihren Geburtsstationen auch die Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen gehören. Fast alle Krankenhäuser leiden verstärkt an einem Hebammenmangel. Es kommt einiges zusammen. Immer weniger junge Frauen sehen im Hebammenberuf eine attraktive Perspektive. Auf der einen Seite die hohe Verantwortung bei der täglichen Arbeit, demgegenüber eine Bezahlung, die als wenig adäquat empfunden wird. Und weil der Beruf eine echte Frauendomäne ist, ist die Quote jener hoch, die wegen eigener Familienplanung zumindest zeitweise aussteigen oder nur noch in Teilzeit arbeiten.

Gleichzeitig ist die Coronapandemie offenbar ein Treiber bei den Schwangerschaften, die Zahl der Schwangerschaften und Geburten nimmt in den vergangenen eineinhalb Jahren stetig zu.

Wobei im Landkreis Ludwigsburg die Lage in Bietigheim nach den Worten von Tsongas derzeit entspannter ist, dort können fast alle Hebammenstellen besetzt werden. Anders in den meisten anderen Geburtskliniken der Region Stuttgart, auch in Ludwigsburg. „Wir haben echte Probleme und Engpässe in der Versorgung“, heißt es in der Ludwigsburger Klinik. „Und zusätzlich zu den steigenden Geburtenzahlen im Landkreis Ludwigsburg bekommen wir vermehrt Anfragen von außerhalb des Landkreises, vor allem aus Stuttgart, auch dem Rems-Murr-Kreis“, so Tsongas. Man versuche, primär die Eltern aus dem Landkreis zu versorgen. „Aber wenn eine Mutter kurz vor der Geburt mit Wehen quasi vor der Tür steht, nachdem sie zuvor bei vier anderen Kliniken schon abgewiesen wurde, können wir sie nicht alleine lassen, dann kann die Geburt auch bei uns stattfinden.“

Einschränkungen bei Anfragen macht die Ludwigsburger Klinik vor allem im geplanten Bereich, also wenn es zum Beispiel um die Einleitung einer Geburt geht. „Dann verweisen wir auf die anderen Landkreise und Stuttgart“, so Tsongas. Dieses Signal nach draußen müsse man setzen, „dass eben bei uns nicht alles möglich ist“.

Dass die Zahl der Schwangerschaften und der Geburten steigt, wird dieser Tage in Bietigheim-Bissingen deutlich. Dort hat man die Grenze von 2000 Geburten in einem Jahr erstmals überschritten. In Ludwigsburg behindert der Personalmangel eine Steigerung in der Jahresbilanz, die ansonsten möglich wäre.

Wie dem Mangel an Hebammen begegnen? Ab dem nächsten Jahr wird die Ausbildung zum Studium. „Wir versuchen, neue Wege zu gehen und bieten gemeinsam mit der Universität Tübingen und der Dualen Hochschule Stuttgart an, das Studium auch in Ludwigsburg zu absolvieren“, sagt Tsongas.