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„Man freut und regt sich gemeinsam auf“

In Ditzingen treffen sich Gymnasiasten und Geflüchtete, um zusammen Fußball zu spielen – Lehrerin Dorothee Hetzer sagt, wie es dazu gekommen ist

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Das Miteinander zählt: Ditzinger Gymnasiasten und Flüchtlinge am Freitag beim Training. Fotos: Andreas Essig, privat
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Ludwigsburg. Frau Hetzer, wie ist die Fußball-AG als Kooperationsprojekt des Gymnasiums und der Vorbereitungsklasse der Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule aus der Taufe gehoben worden?

Bei unseren über 15 AG-Angeboten ist es unserem Schulleiter Felix Stadtfeld wichtig, den sportlichen Bereich nicht zu vernachlässigen. Unter anderem erklärten sich in diesem Schuljahr zwei letztjährige Abiturienten zusammen mit einem unserer Sportlehrer dazu bereit, von Februar 2018 an eine Fußball-AG für das Gymnasium anzubieten. Einer der beiden Ehemaligen, mein Sohn Jaron Hetzer, absolviert zurzeit sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Vorbereitungsklasse an der Theodor-Heuglin-Schule und hatte die Idee, seine fußballbegeisterten Jungs einfach mitzubringen.

Wie viele machen mit?

Nach Absprache mit beiden Schulleitungen wurde am Gymnasium und in der Vorbereitungsklasse Werbung gemacht – und nun treffen sich jeden Freitag etwa 20 bis 25 Schüler, darunter vier Mädchen, im Alter von elf bis 18 Jahren auf dem Sportgelände Lehmgrube in Ditzingen und spielen eineinhalb Stunden gemeinsam Fußball. Neben Deutschland sind sieben Nationen vertreten: Irak, Syrien, Afghanistan, Rumänien, Kroatien, Serbien und Italien.

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Gymnasiasten und Geflüchteten?

Fußball ist eine globale Sportart, deren Regeln rund um die Welt ohne Worte verstanden werden. Fußball verbindet. Oder wie Jaron berichtet hat: Das Miteinander ist völlig unkompliziert, der Sport bringt ganz einfach zusammen. Man spielt gemeinsam, freut sich gemeinsam, regt sich gemeinsam auf und redet miteinander.

Gibt es durch die AG Veränderungen in der Vorbereitungsklasse?

Über diese Frage unterhalte ich mich häufig mit Jaron. Er sagt, die AG sei für die Geflüchteten etwas ganz Besonderes, auf das sie sich jedes Mal sehr freuen würden. Selbst das schlechteste Wetter halte sie nicht von der Teilnahme ab, was bei den Gymnasiasten so nicht ganz zutreffe. Als kürzlich die AG zum ersten Mal ausfallen musste, weil alle drei Betreuer verhindert waren, sei das für die Geflüchteten schlimm gewesen. Für die Klassengemeinschaft sei die AG wertvoll, weil man Zeit miteinander verbringe und er beobachte, dass das Treffen mit deutschen Jugendlichen die Geflüchteten selbstsicherer mache und sie sich vor allem mehr trauen würden, Deutsch zu reden. Dies motiviere sie dann auch wieder für den Unterricht. Zudem sind sie in der AG auch gefordert, Deutsch zu sprechen.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach der Sport bezüglich der Integration?

Vor allem Teamsport kann eine wichtige Rolle spielen. Es zählt das Miteinander, das Verbindende, die Leistung, der Spaß und nicht die Herkunft. Man lernt, sich durchzusetzen, aber auch Kompromisse einzugehen. Bei einem Mannschaftssport ist Teamgeist wichtig, das soziale Miteinander und – für die Geflüchteten ein wichtiger Aspekt – der Spracherwerb wird dadurch gefördert und fließt wie selbstverständlich mit hinein.

Wissen Sie, ob sich über die AG hinaus Kontakte ergeben haben?

Enge Kontakte und Beziehungen außerhalb der AG haben sich noch nicht ergeben, aber man kennt sich in der Stadt, begrüßt sich und wird wahrgenommen. Eine interessante Überschneidung gibt es durch ein Angebot des Sozialprojekts, das wir in Klasse 9 anbieten. Einige der Geflüchteten, darunter auch Teilnehmer der Fußball-AG, kommen jeden Donnerstagmittag ans Gymnasium und machen zusammen mit einigen Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 9 Hausaufgaben und sprechen miteinander.

Findet die AG nur in diesem Schuljahr statt oder ist eine Fortsetzung im kommenden Schuljahr geplant?

Unsere AG soll auf jeden Fall fortgeführt werden. Eine Abiturientin unserer Schule wird im nächsten Schuljahr die FSJ-Stelle besetzen. Das Schöne daran ist, dass sie selbst Fußballerin ist und bereits zugesagt hat, mit den Geflüchteten weiterhin zum Fußball zu kommen.