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Bildung

Mangel bleibt ein Thema

Kultusministerin spricht über Lehrersituation

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Kultusministerin Susanne Eisenmann imKronenzentrum.Foto: Drossel

Bietigheim-Bissingen. Einmal wurde Kultusministerin Susanne Eisenmann bei ihrer Rede auf der Jahrestagung der Realschulrektoren emotional. „Plattformen, die unsere Lehrer denunzieren, lehne ich grundsätzlich ab“, rief sie empört und nahm damit Bezug auf eine Internetseite der AfD, der Schüler und Eltern melden können, wenn sich Lehrer im Unterricht nicht im Sinne der Partei äußern. Vor ein paar Wochen wurde diese Plattform heftig diskutiert. „Wir sind uns sicher, dass die Lehrer tolle Arbeit machen“, versicherte Eisenmann.

Doch das war nur ein kleiner Teil der jährlichen Tagung. Vor allem das Thema Lehrermangel trieb sowohl Rektoren als auch Eisenmann um. „Den zu beheben, ist eine große Herausforderung“, so Eisenmann. Sie gab jedoch zu, dass das Ministerium bei diesem Thema zu spät reagiert habe. „Wir hätten früher die Ausbildungskapazitäten erhöhen müssen“, sagte Eisenmann. In diesem Jahr sei der Mangel in der Lehrerversorgung besonders groß, so Hanspeter Diehl, Schulleiter der Realschule Bissingen. Eigentlich sei seine Schule eine Ganztagsschule, die verpflichtet sei, Vertretung für ausfallende Stunden zu finden. „Auf der anderen Seite haben wir keine einzige Krankheitsvertretung“, so Diehl. In den vergangenen Jahren sei es immer möglich gewesen, Stunden aufzufangen. Doch nun lasse die knappe Versorgung kaum Spielraum mehr zu. Bis 2020 werde der Lehrermangel auf jeden Fall noch andauern, so Eisenmann. Zurzeit arbeite man daran, dass bald Gymnasialanwärter mit Zusatzqualifikationen an Realschulen unterrichten können. An Grundschulen ist dies bereits möglich. „Vor allem Gymnasiallehrer für Deutsch gibt es viel zu viele“, so Eisenmann.

An der Realschule Bissingen habe bereits im vergangenen Jahr eine Gymnasiallehrerin die Krankheitsvertretung übernommen. „Sie hat hervorragende Arbeit geleistet“, so Diehl. Deshalb kann sich der Schulleiter diese Lösung gut vorstellen. Allerdings stellt er eine Forderung an das Kultusministerium: „Die Bedingungen müssen so attraktiv gestaltet werden, dass die Kollegen bereit sind, für einen längeren Zeitraum an der Realschule zu arbeiten.“ Dazu gehören mehrjährige feste Anstellungen und Verträge, die nicht mit Beginn der Sommerferien enden.

Nicht zufriedenstellend sei Eisenmanns Antwort auf die Bitte um mehr Entlastungsstunden für die Schulleitung gewesen, so Diehl. Die Ministerin betonte, dass darüber in Zeiten des Lehrermangels nicht diskutiert werden könne. „Die Leitungsaufgaben sind heute jedoch viel aufwendiger als noch vor einigen Jahren“, sagte der Schulleiter. Bisher stehe knapp über eine Anrechnungsstunde pro Klasse für Schulleitungsaufgaben zur Verfügung. Das sollte unbedingt aufgestockt werden, so Diehl.

Eine erfreuliche Nachricht stellte Eisenmann den Rektoren in Aussicht: Das Budget, das Lehrkräften die Reisekosten auf Ausflügen mit ihren Klassen erstattet, soll verdoppelt werden. „Das Geld hat bisher hinten und vorne nicht gereicht“, freut sich Diehl über diese Nachricht. Weil sie den Schülern dennoch Exkursionen ermöglichen wollten, hätten viele Kollegen ihre Dienstreise aus eigener Tasche bezahlt. „Wir sind uns dessen bewusst“, so Eisenmann. Eine Entscheidung, ob das Budget tatsächlich erhöht wird, erwartet die Kultusministerin noch vor Weihnachten.