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Frauen-Handball

Martin Albertsen packt die Koffer

Seit 2015 ist Martin Albertsen Trainer der SG BBM Bietigheim gewesen. Von der Stadt. dem Club und seinen Handballerinnen hätte er sich gerne mit der dritten deutschenMeisterschaft verabschiedet, doch daraus wurde nichts. Nun geht der 45-Jährige.

Martin Albertsen. Foto: Baumann
Martin Albertsen. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Am Mittwoch wurde die Saison der Frauenhandball-Bundesliga abgebrochen. Bitter für die SG BBM Bietigheim, die beste Titelchancen hatte. „Aber die Gesundheit geht vor“, sagt Trainer Martin Albertsen, der die SG nach fünf extrem erfolgreichen Jahren verlässt.

Üblicherweise dreht sich im Tagesablauf seiner Familie fast alles um den Handball. Verständlich, wenn der Vater Profi-Trainer ist, seine als Möbeldesignerin tätige Frau Anne in der ersten dänischen Liga spielte, die 13-jährige Tochter Amalie bereits dem Landeskader angehört und die elfjährige Frida ebenfalls als großes Talent gilt. Der Sport ist aktuell aber in den Hintergrund gerückt. „Wir leben so, wie die Experten es empfehlen“, sagt Martin Albertsen. „Wir bleiben möglichst Zuhause. Wenn wir wegen unserer Havaneser Hunde Maggie und Holly an die frische Luft gehen, dann halten wir von anderen Menschen Abstand und schauen, dass wir alleine sind.“

Sein Heimatland Dänemark hat etwas früher als Deutschland wegen des Coronavirus die Grenzen geschlossen. Albertsen hat für die Verzögerung Verständnis. „Es ist leichter, ein so kleines Land schnell zuzumachen. In Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohnern ist das viel schwieriger und ich denke, es ist eine lange Strecke, bis das Virus besiegt ist.“ Überlegungen, wegen der Pandemie vorübergehend nach Dänemark zurückzukehren, gab es für ihn nicht. „Da hängt viel dran. Wir wussten nicht, ob das Training und die Saison weitergehen, wie es mit der Schule aussieht und ich denke, dass Deutschland alles tut, um die Krise zu bewältigen. Wir sind daher überzeugt, dass es das Beste ist, hier zu bleiben.“ Bei einigen ausländischen Spielerinnen der SG ist dagegen zu erwarten, dass sie nach dem vorzeitigen Saisonende in ihre Heimatländer reisen und dort die weitere Entwicklung abwarten.

Auch für Martin Albertsen heißt es bald Koffer packen. Sein Ziel ist die Schweiz. Dort leitet er ab Juli die neue „Handball Akademie Frauen“. Die besten 14- bis 20-jährigen Talente des Landes bekommen die Chance, sich handballerisch zu Spitzenspielerinnen zu entwickeln und parallel dazu mit einer hochwertigen Ausbildung auf das Berufsleben vorzubereiten. Angesiedelt ist die Akademie in Cham. „Dort gibt es das modernste Trainingszentrum der Welt“, freut sich der 45-jährige Handballlehrer. Unweit davon wird seine Familie künftig leben: „Wir haben in Zug eine absolute Traumwohnung gefunden. Mit Blick auf die Berge und den See.“ Der Umzug könnte, wenn Corona es zulässt, bereits im April beginnen.

In der Schweiz sieht Albertsen großes Potenzial. Seit 2018 ist der Bietigheimer Coach im Nebenjob eidgenössischer Frauen-Nationaltrainer. „Seit ich da bin, verbesserte sich das Team in der Weltrangliste von Platz 26 auf Rang 20. Der nächste Sprung ist nur mit einer Einrichtung wie der Akademie möglich. Wir wollen in die Top 15!“

Wie das gehen kann, hat der Däne mit der SG vorgemacht. „Als ich im Januar 2015 kam, handelte es sich um ein Rettungsprojekt. Es ging darum, mit allen Mitteln den Klassenerhalt zu schaffen. Heute stehen wir als zweifacher deutscher Meister da und waren davon überzeugt, den dritten Stern zu holen. Die Mannschaft war vor dem Saisonabbruch in extrem guten Zustand.“ Auch wenn es an der Enz kein Happy End gab, so möchte Albertsen die Zeit in Bietigheim nicht missen. „Auf das, was sich hier beim Verein, der Mannschaft, den Fans und im Umfeld entwickelte, bin ich extrem stolz. Und ich sage auch im Namen meiner Familie Danke, dass wir das erleben durften. Das wird für uns immer schöne Erinnerung bleiben. Aber jetzt zählt die Gegenwart und damit nur eines: Gesundheit!“

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