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Maultaschenkönig nimmt Abschied

Eigentlich hätte Udo Rommel die 40 Jahre gern vollgemacht. Doch die Coronapandemie war für den Freiberger Maultaschenkönig und Rössle-Wirt der richtige Zeitpunkt, den Absprung zu schaffen und die Verantwortung nach 39 Jahren in die Hände seines Nachwuchses zu legen.

Geschäftsübergabe nach 39 Jahren. Unser Bild zeigt von links: Florian, Marita, Udo und Ramona Rommel. Foto: Holm Wolschendorf
Geschäftsübergabe nach 39 Jahren. Unser Bild zeigt von links: Florian, Marita, Udo und Ramona Rommel. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Es war nur eine einzige Maultasche, die dem heute 62-jährigen Gastronomen zu Ruhm und Popularität verhalf. Dafür war sie lang – sehr lang. Um genau zu sein: 980,65 Meter. Das war Weltrekord und brachte Udo Rommel am 26. April 1997 einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. Zwei Jahre hat er damals den Gedanken in sich reifen lassen, bis er sich an das Projekt ranwagte. In der Freiberger Stadthalle wurden 330 Biertische in Schlangenlinien aufgebaut, um darauf die Maultasche zu legen. Der Teig wurde mit Eigelb an den Kanten verklebt, damit es ein einziges Stück geben konnte. Nachdem die Riesenmaultasche im Rohzustand vermessen war, wurde sie portioniert, gekocht und direkt auf dem Marktplatz für einen guten Zweck verkauft. Keine Frage, dass Udo Rommel in seinem gastronomischen Angebot fortan das Hauptaugenmerk auf die klassische Maultasche legte, sie allerdings in allen denkbaren Varianten anbot: geschmälzt, geröstet, in der Brühe, auf italienische Art und vieles mehr.

Gerne blickt der gelernte Koch auf sein Berufsleben zurück. „Ich würde alles nochmals genauso machen“, sagt er zufrieden. Mit 18 Jahren schloss er seine Kochlehre im Krauthof in Ludwigsburg-Hoheneck bei der Familie Staiger ab. Eine der nächsten Stationen führte ihn ins Schlosshotel Monrepos, ehe er Ende der 70er Jahre dem Ruf des Elternhauses folgte. Denn Karl und Helga Rommel führten seinerzeit das Gasthaus Rössle. Das übernahm der Maultaschenkönig 1982. Seine Eltern kümmerten sich fortan um das Gästehaus, das im gleichen Jahr nebenan errichtet wurde. Dieses führte Rommel seit 2000. Während er selbst für die Küche verantwortlich zeichnete, kümmerte sich seine Frau Marita um das Restaurant mit 100 Plätzen – 35 Plätze gibt es noch auf der Terrasse – und die Rezeption des Hotels, das mittlerweile über 25 Zimmer verfügt.

Es folgten arbeitsreiche Jahre, in denen die Rommels neben dem Rössle auch den benachbarten Kuhstall und die Schlosskelter bewirtschafteten. Dabei gingen Rommel die Ideen nicht aus. Er verkauft seit der Jahrtausendwende Maultaschen in der Dose und hat zwei Bücher veröffentlicht: „Wo Köche einkaufen – 200 Profitipps für Hobbyköche“ und „Das Kochbuch Mittleres Neckartal“. Und dann gibt es noch den dritten Platz zu vermelden, den die Rössle-Küche auf der Fachmesse Intergastra unter dem Motto „Der gedeckte Tisch“ ergatterte.

Diese Woche hat Udo Rommel das Hotel-Gasthaus Rössle in andere Hände gegeben – und zwar an seine Tochter Ramona. Sie führt den Betrieb mit dem gleichen Personal und gleicher Küchenmannschaft weiter. Sohn Florian, der das „Wild & Echt“ im Wiesental leitet, liefert die Maultaschen und sorgt für das Catering. „Wir wollen versuchen, alle Generationen glücklich zu machen“, sagt Ramona Rommel. Dafür wurden die Gasträume modernisiert, aber dennoch rustikal gehalten, damit sich die Stammgäste wiederfinden. Um die jungen Gäste zu gewinnen, ist es künftig im Rössle auch möglich, nur Getränke zu sich zu nehmen und je nach Hunger auch diverse Kleinigkeiten wie schwäbische Tapas dazu zu essen. „Alles bekommt einen neuen Touch“, so Ramona Rommel.

Und was wird ihr Vater künftig machen? „Ich betreibe weiter Wassersport auf dem Bodensee, fahre Motorrad und möchte mit meiner Frau reisen“, sagt Rommel. Dafür hat er ein Wohnmobil bestellt, mit dem er künftig nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder in Europa bereisen wird. „Wir möchten ab sofort die Dinge machen, die sonst aufgrund der vielen Arbeit nicht so im Vordergrund standen“, so der Maultaschenkönig.

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