Logo

Mehr Dürre- als Insektenschäden

Fast die Hälfte des Schadholzes, das im vergangenen Jahr in den Wäldern des Landkreises geschlagen wurde, hatte Dürreschäden. Insektenfraß machte nur sieben Prozent der Schäden aus. Archivfoto: Sebastian Gollnow/dpa
Fast die Hälfte des Schadholzes, das im vergangenen Jahr in den Wäldern des Landkreises geschlagen wurde, hatte Dürreschäden. Insektenfraß machte nur sieben Prozent der Schäden aus. Archivfoto: Sebastian Gollnow/dpa
„Holzeinschlag in 2021 auf hohem Niveau“ überschreibt das Statistische Landesamt Baden-Württemberg seine Erhebung für das vergangene Jahr – eine Steigerung um fast zehn Prozent gegenüber dem Durchschnitt der fünf Jahre davor. Beim Schadholzeinschlag vermelden die Statistiker dagegen landesweit einen Rückgang. Im Landkreis Ludwigsburg zeichnet sich aber ein etwas anderes Bild ab.

Kreis Ludwigsburg. 9,1 Millionen Kubikmeter Holz wurden im vergangenen Jahr in den baden-württembergischen Wäldern geschlagen. Das sind 3,7 Prozent mehr als 2020 und knapp zehn Prozent mehr als im Schnitt der fünf Jahre davor. Die Statistiker haben zudem ermittelt, dass mit 3,3 Millionen Kubikmetern weniger geschädigtes Holz geschlagen wurde als im fünfjährigen Mittel – das sind sieben Prozent weniger.

Im Landkreis Ludwigsburg, dem waldärmsten landesweit, beobachtet Dr. Michael Nill, Leiter des Fachbereichs Wald im Landratsamt, eine andere Entwicklung. Zwischen Prevorst und Gerlingen sei der Einschlag im vergangenen Jahr entgegen dem landesweiten Trend um 14 Prozent geringer gewesen und der Anteil von sogenanntem Schadholz im Kreis Ludwigsburg höher als der landesweite Durchschnitt.

Forstexperten sehen erste Vorboten des Klimawandels

„Übersetzt heißt das, dass wir sehr bewusst insbesondere geschädigte Bäume entnommen haben oder entnehmen mussten und gleichzeitig versucht haben, den Gesamteinschlag auf einem möglichst überschaubaren Niveau zu halten“, erläutert Nill im Gespräch mit unserer Zeitung. Und verdeutlicht: Auf das ganze Land bezogen lag der Anteil des Schadholzes im vergangenen Jahr bei 30 Prozent, im Landkreis dagegen bei 46 Prozent.

Nill kennt auch die Gründe: Dürre und Trockenheit der letzten Jahre haben inzwischen vielen Bäumen so zugesetzt, dass sie gefällt werden müssen. „Das betrifft eigentlich alle Laubbäume, vor allem aber die Buchen, und grundsätzlich eher die älteren Bäume.“ Für den Forstexperten sind das ganz klar die ersten Vorboten des Klimawandels. „Wir haben ja jetzt schon ein Weinbauklima. Und Szenarien zum Klimawandel für das Land prognostizieren, dass die Wälder zwischen Neckarbecken und Oberrheingraben am stärksten betroffen sein werden.“

Eiche kommt mit Wärme und Trockenheit besser zurecht

Höhere Temperaturen einerseits und geringere Niederschläge andererseits seien die Faktoren, mit denen die Wälder der Zukunft zu kämpfen hätten. Deshalb experimentieren die Förster mittlerweile mit Baumarten, die es hier in der Vergangenheit nicht gab. Nill prophezeit, dass es in der Region künftig keine dominante Baumart mehr geben wird. „Es geht um einen guten Mix der Arten, die mit den veränderten Bedingungen zurechtkommen.“ Während Forstleute die Buche – immerhin Baum des Jahres 2022 – eher als Verlierer des Klimawandels sehen, scheint die Eiche bislang besser mit Wärme und Trockenheit zurechtzukommen.

Auch die Fichte mit ihren nicht weit in die Tiefe reichenden Wurzeln ist ein Opfer von Trockenheit und Dürre – und ein Opfer des Borkenkäfers. Wobei im Landkreis laut Nill 2021 die Insektenschäden insgesamt deutlich hinter den Dürreschäden rangierten. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Fichte im Kreis nur „im einstelligen Prozentbereich“ vorkommt. „Fichten wurden oft schon ein Opfer der großen Stürme Lothar oder Wiebke und man hat danach nicht wieder mit Fichten aufgeforstet. Eine richtige Entscheidung, wie man heute weiß.“ In Zahlen ausgedrückt heißt das für den Landkreis: 3000 Festmeter (sieben Prozent) des Schadholz-Einschlags 2021 war auf Insektenbefall zurückzuführen, aber 16 000 Festmeter (35 Prozent) auf Dürreschäden. 1500 Festmeter mussten wegen Pilzbefalls geschlagen werden, betroffen waren dadurch nach Angaben von Michael Nill überwiegend Eschen, denen nach wie vor das Eschentriebsterben zu schaffen macht. Das wegen Insektenbefalls eingeschlagene Schadholz nahm im Land dagegen mehr als die Hälfte der Gesamtmenge ein.