Logo

Mehr Haltstellen ohne Barrieren

Seit Jahren arbeitet ein Verein für die barrierefreie Stadt, vor allem an den Bushaltestellen. Alle Haltepunkte wurden aufgenommen und jeder einzelne abgearbeitet. Jetzt geht es auf die Zielgerade zu, der Umbau kommt voran und Ende des Jahres sollen zwei Drittel der Bushaltestellen behindertengerecht umgebaut sein. Damit sind Stadt und Verein recht zufrieden.

Einer der umgebauten Übergänge in der Löchgauer Straße .Foto: Alfred Drossel
Einer der umgebauten Übergänge in der Löchgauer Straße . Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die Stadt Bietigheim-Bissingen auf dem Weg zur barrierefreien Stadt: Daran wurde einige Jahre gearbeitet. Inzwischen ist die Sache vorangekommen. Jede Bushaltestelle in der Stadt – und das sind immerhin 131 – wurde vom Verein „Barrierefreie Stadt“ und der Verwaltung unter die Lupe genommen und dann beschlossen, wann und was an dieser Stelle gemacht wird. Zwei Drittel soll bis Ende des Jahres fertig sein.

Das bedeutet in der Regel, dass die Bushaltestelle mit einem sogenannten Kasseler Board ausgestattet wird. Dabei werden die Haltestellen so ausgebaut, dass Rollstuhlfahrer oder Senioren mit einem Rollator möglichst ohne Schwierigkeiten in den Bus kommen. Außerdem werden die Haltestellen mit aufgeklebten Streifen versehen, damit auch Blinde mit ihrem Taststock wissen, wo sie stehen müssen und wo ein Übergang über die Straße ist. Bei sieben weiteren Haltestellen im Stadtgebiet werden Bodenindikatoren für Menschen mit einer Sehschwäche nachgerüstet. Zudem werden zwei Schutzhäuschen gegen das Wetter errichtet.

Das alles ist nicht billig. Die Stadt gestaltet insgesamt 71 Bushaltepunkte so um, dass sie weitgehend barrierefrei werden. Zehn sind bereits im letzten Jahr erledigt worden, die weiteren 61 sollen bis Mitte 2022 folgen. Die Kosten werden insgesamt bei rund 1,5 Millionen Euro liegen. Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Maßnahmen mit rund 550000 Euro.

Die neuen Bushaltestellen erfordern auch vom Buspersonal eine angepasste und veränderte Fahrweise für die neuen, bis zu 21 Zentimeter hohen, sogenannten Hochborde. Eine entsprechende Schulung der Busfahrer bei der Firma Spillmann läuft aktuell.

Doch nicht alle Haltestellen können schnell und umfangreich nachgerüstet werden. In den Gewerbegebieten ist es oft unmöglich, weil rund um die Stellen Einfahrten zu Betrieben oder Parkplätzen sind. Auch der Busbahnhof ist betroffen. Hier könnte zwar alles technisch umgesetzt werden. Jedoch muss erst die neue Verbindung vom Lothar-Späth-Carré gebaut werden, dann geht es am Bietigheimer Busbahnhof weiter. Auch am Bietigheimer Friedhof ist kein Ausbau der Bushaltestelle möglich.

Zu keinen Kompromissen war der Verein jedoch bei Haltestellen an Seniorenheimen oder Reha-Einrichtungen bereit. „Die Alten und Behinderten sind oft nicht besonders agil. Daher muss man bei solchen Stellen schauen, dass alles optimal ist“, sagt Luise Völkel vom Verein „Barrierefreie Stadt“.

Zudem hat die Verwaltung in den letzten Jahren ein Netzwerk von 40 Blindenampeln geschaffen und eine Reihe von sogenannten barrierefreien Querungsborden für Fußgänger eingerichtet. Bei diesen Borden ist die eine Seite mit einer sehr geringen Absenkung ausgestattet, so dass Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen problemlos die Straße überqueren können. Die andere Seite ist mit einer drei Zentimeter hohen Bordsteinkante und Bodenmarkierungen versehen, deren Signale von Blinden und Sehbehinderten ertastet werden können.

Eine Reihe von Informationen über eine barrierefreie Zugänglichkeit von öffentlichen und nichtöffentlichen Gebäuden, Parkplätzen sowie Toiletten für Behinderte sind auf der Homepage der Stadt für alle Bürger hinterlegt. Auch Rollstuhlfahrer und Rollatorfahrer können zudem bei Stadtführungen in Bietigheim-Bissingen, Besigheim und Bönnigheim auf Wunsch teilnehmen.

Autor: