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Mit allen Wassern gewaschen

Am Recherche-Nachmittag im Ditzinger Museumsdepot plauderten Besucher über vergangene Zeiten. Museumsleiterin Nina Hofmann konnte einiges Material sammeln für eine im Herbst geplante Sonderausstellung rund um das Thema Wasser und Hygiene.

Auch mehrere Geräte, mit denen Wäsche gewaschen wurde, stehen im Museumsdepot – und Leiterin Nina Hofmann hofft auf Geschichten dazu.
Auch mehrere Geräte, mit denen Wäsche gewaschen wurde, stehen im Museumsdepot – und Leiterin Nina Hofmann hofft auf Geschichten dazu.
Eine zweigeteilte Schüssel – eine besondere Form der Hygiene in schwierigen Zeiten.
Eine zweigeteilte Schüssel – eine besondere Form der Hygiene in schwierigen Zeiten.

Ditzingen. Der Samstagnachmittag im Museumsdepot in Hirschlanden war anders als gewöhnlich: Zwischen den Regalen mit Utensilien zum Thema Wasser und Hygiene stehen Besucher, schauen sich um und hören Geschichten hinter interessanten Objekten wie einer Wäschepresse, einer -walze oder dem Holzlöffel zum Umrühren der heißen Wäsche. Oder bringen auch selbst etwas mit, Erbstücke von Eltern und Großeltern, die von früheren Zeiten zeugen, als Ditzingen und die Stadtteile noch nicht an die Wasserversorgung angeschlossen waren und als noch andere Maßstäbe für Hygiene galten. All das für eine Recherche für eine neue Ausstellung.

Die Idee von Leiterin Nina Hofmann kam an. „Das gefällt mir, dass man hier was finden und die Geschichte dazu hören kann“, sagte etwa Luise Frohnmaier. Auch sie konnte etwas beitragen. Mit Blick auf kupferne Bettflaschen und Wasserkrüge im Regal berichtete sie, dass sie als Kind – sie ist Jahrgang 1938 – die Aufgabe gehabt habe, die Bettflaschen an alle Familienmitglieder zu verteilen. „Das war im Winter die eigentliche Wärmequelle“, wusste sie noch, denn in den Schlafräumen sei es im Winter kalt gewesen. Warmes Wasser habe sie vom Wasserschiff geholt, das stets auf dem Herd bereitgestanden hätte. „Ich denke, dass man sich früher ein Stück weit zu helfen wusste“, meinte sie.

In einen Anbau hinter dem Haus hätten die Eltern das Plumpsklo, gleich neben einem Brunnen, gebaut. „Der Letzte, der reingefüllt hat, hat das Wasser geholt“, erzählte sie. Neben dem Klo habe sich eine abgemauerte viereckige Abort-Grube befunden. Mit einem Schöpfer, eine Art kleiner Eimer am Stiel, habe man ihren Inhalt ausgeschöpft und in ein Güllefass gefüllt, bis man später über eine mechanische Pumpe verfügt habe. Die Abholung der Gülle kostete Geld.

Wie gerufen schaute Moni Ewert vorbei, die eine zum Thema passende Rechnung vom 19. Juli 1966 dabeihatte. 30 Mark wollte Ernst Hermann aus Friolzheim für eine „Gruben-Entleerung“ haben. „Meine Eltern waren Kaufleute, die haben alles aufgehoben“, erklärte Moni Ewert. Ins Erzählen kam man, als es ums Toilettenpapier ging – der eine zerschnitt Zeitungen, die andere bevorzugte doch echtes Toilettenpapier, auch wenn es teurer war.

So fügte sich an dem Nachmittag eine Geschichte an die nächste. Einen anderen Themenbereich bespielte Peter Herthnek, der zwei Wasseruhren vorbeibrachte: eine recht neue, wie sie auch heute noch im Einsatz ist, und eine alte aus Messing, die er aus einem „Asbach-uralt-Haus in Heimerdingen“ geholt hatte. Herthnek war von 1979 bis 2017 Wassermeister in Ditzingen und hat viel erlebt. Er erinnerte sich an manche Vorkommnisse, etwa als er sich einmal um einen Rohrbruch kümmern musste und, wie damals üblich, den Bewohnern persönlich Bescheid gegeben habe, dass das Wasser abgestellt werde. „Da hat ein Bewohner geklagt: ,Das geht nicht! Ich muss noch Fenster putzen!“ Ein anderer Rohrbruch am Steilen Pfad habe dazu geführt, dass die Straße so unterspült worden sei, dass sein Auto auf der Straße eingebrochen sei. „Ich hing mit der Stirn an der Windschutzscheibe. Ein Bagger hat mich dann rausgezogen.“

Nina Hofmann freute sich über alle Leihgaben. Ins Auge fällt eine schmucke ovale Porzellanschüssel mit aufgemaltem Federvieh. Das Besondere an dieser Waschschüssel: Sie ist zweigeteilt. Hofmann schätzt das gute Stück von Villeroy & Boch auf sicher 100 Jahre.

Mehrere Seiten Interessantes hat sie nun notiert; einige Besucher haben zugesagt, noch Anekdoten aufzuschreiben und Objekte vorbeizubringen. Die Eröffnung der Sonderausstellung – in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv – ist am 27. Oktober.

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