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Mit Arbeitsgemeinschaften die Krise besser meistern

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. So schafft es die Schule, trotz der Schließung weiterhin, Arbeitsgemeinschaften (AG) anzubieten.

So gestaltet sich die Robotik/MINT-AG im Präsenzunterricht. Im Moment arbeiten die Schüler daheim. Foto: OPS
So gestaltet sich die Robotik/MINT-AG im Präsenzunterricht. Im Moment arbeiten die Schüler daheim. Foto: OPS

Freiberg. Sie bauen Roboter zusammen, kümmern sich um Bienen oder bereiten sich auf eine Überquerung der Alpen mit dem Fahrrad vor. Auch außerhalb des regulären Unterrichts haben Schüler vielfältige Möglichkeiten, ihre individuellen Talente zu entfalten. Dies erlauben ihnen verschiedene Arbeitsgemeinschaften, die an der Oscar-Paret-Schule auch in Coronazeiten angeboten und gerne genutzt werden. Insgesamt 223 Schüler nehmen in diesem Schuljahr an 20 AGs teil – ein durchaus mit sonstigen Jahren vergleichbarer Wert. „Es ist wichtig, dass an der Schule mehr stattfindet als Vokabeln und Rechenfertigkeit“, sagt Schulleiter René Coels. Schule wolle Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu mündigen Bürgern begleiten. Arbeitsgemeinschaften würden ihnen dabei die Möglichkeit bieten, gesellschaftliche Teilhabe zu erleben. „Die Individualität der Schüler kommt da besser zum Ausdruck“, sagt Coels. Während die Lehrkräfte im Unterricht auf feste Angebote zurückgreifen müssten, sei es in AGs möglich, auch auf die persönlichen Interessen der Schüler einzugehen.

Sofern es die Kapazitäten der einzelnen Schule zulassen und keine jahrgangsübergreifenden Gruppen gebildet werden, dürfen auch während der Coronapandemie Ergänzungsangebote wie AGs stattfinden. Da war anfangs die Freude bei Schülern und Lehrern sehr groß, wie der Schulleiter sagt, denn: „Im ersten Moment haben alle geglaubt, dass die Krise das Ende der AGs bedeutet.“ Dennoch hat es die Theater-AG erwischt. Weil sie nur mit Schülern mehrerer Klassenstufen funktioniert, gibt es dieses Angebot derzeit nicht. Gleichzeitig war es aber möglich, viele Angebote zu erhalten. So zum Beispiel die Dance School, an der zwar Schüler mehrerer Jahrgänge teilnehmen, allerdings im Wechsel, so dass keine Durchmischung stattfindet. Während sich die Schüler vor dem Lockdown in der Sporthalle trafen, werden die Choreographien jetzt eben online geübt. „Selbst so etwas wie Tanzen funktioniert als digitales Angebot“, so Coels.

Ganz neu gegründet wurde die AG Informationstechnische Grundausbildung. Sie richtet sich an Schüler der Klassenstufen 5 und 6 und vermittelt den Teilnehmern das nötige Wissen für den digitalen Fernunterricht. „Bei allen AGs hatten wir bis Weihnachten Präsenzbetrieb, aber auch ein Konzept für den Fernunterricht parat“, sagt Coels. Inzwischen würden alle Arbeitsgemeinschaften digital angeboten. So fand die AG Alpencross, in der gemeinsam für die Alpenüberquerung per Fahrrad trainiert wird, anfangs noch in Präsenz statt. Dabei lernten die Schüler zum Beispiel, wie sie einen Platten flicken. Seit der Schulschließung können sie selbstständig an ihrer Kondition feilen und sich online über verschiedene Fahrradstrecken austauschen. In der Robotik/MINT-AG haben die Schüler die Roboter mit nach Hause genommen und können sie von dort aus programmieren. In Onlinetreffen können sie ihre Fortschritte präsentieren. Im Orchester- und Chorbereich bekommen die Teilnehmer Noten und Hörbeispiele zur Verfügung gestellt und können sie dann zu Hause üben. Die Ergebnisse werden den Lehrkräften vorgespielt oder -gesungen. Im besten Fall erhält die Lehrkraft von den Schülern Audioaufnahmen, die sie dann zu einem Ganzen zusammenfügen kann.

Der Aufwand für die Planung, Organisation und Durchführung der AGs hat sich laut Coels für die Lehrer in der Coronakrise deutlich erhöht. „In der Vorbereitung steckten einige Wochen Arbeit“, sagt er. Während der Präsenzzeit mussten außerdem viele Veranstaltungen wegen der Jahrgangstrennung doppelt stattfinden, was einen erheblichen Zeitaufwand mit sich brachte. Umso überraschter und erfreuter waren die Verantwortlichen, dass sich sehr viele Schüler angemeldet haben. „Wenn sie sich schon nicht mit ihren Freunden oder im Sportverein treffen können, bieten ihnen die AGs einen Lebensraum, der für ihre Entwicklung wichtig ist“, hebt der Schulleiter die Wichtigkeit dieser Ergänzungsangebote hervor. „Sie tragen dazu bei, gut durch die Krise zu kommen.“

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