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Mit Heizpilzen über den Winter?

Sie gelten als Klimakiller, und doch könnten Heizpilze im Corona-Herbst und -Winter wieder zum Einsatz kommen. Zumindest wünschen sich das viele Gastronome, um die Außenbewirtung möglichst lange aufrechterhalten zu können. Doch die Geräte sind umstritten – auch bei den Wirten.

Dieser Heizpilz steht vor einem Café in Frankfurt. Dort sind die Geräte erlaubt. Foto: dpa
Dieser Heizpilz steht vor einem Café in Frankfurt. Dort sind die Geräte erlaubt. Foto: dpa

Ludwigsburg. Früher, sagt Ecaterini Amanatiadou vom Restaurant Die Griechin, seien die Gäste vor dem Lokal Schlange gestanden, um einen Tisch zu ergattern. Mit „früher“, meint sie die Zeit vor Corona. „Heute kommen die Gäste ganz vorsichtig mit Abstand und Maske.“ Natürlich habe man da auch Umsatzeinbußen, zumal nicht alle Tische belegt werden dürfen. Von Heizpilzen hält sie aber trotzdem nichts. „Wer weiß, was da alles in die Luft gepestet wird.“ Außerdem sei das für die Wirte auch eine finanzielle Frage. „Wer kann denn bei Corona das alles bezahlen?“, fragt sie.

Während sich die Verantwortlichen bei Die Griechin schon gegen die Anschaffung von Heizpilzen entschieden haben, wird innerhalb der Stadtverwaltung noch diskutiert. Am 13. Oktober soll der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates entscheiden, für den 21. Oktober ist die finale Urteil im Gemeinderat geplant. Das mag reichlich spät erscheinen, zumal die Temperaturen bereits jetzt schon nicht sehr einladend sind, einen Restaurantbesuch im Freien zu genießen. Oberbürgermeister Matthias Knecht sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, man sei eng an den Wirten dran und führe intensive Gespräche. „Die Wirte werden von der Entscheidung nicht überrascht.“

Bis zu allen Wirten ist das aber offenbar noch nicht durchgedrungen. Mira Beslic, Inhaberin des Athleten-Häusle in Oßweil prüft gerade Angebote für Heizpilze. „Wir haben eine Pergola. Die könnten wir vielleicht mit einem Zelt verlängern.“ Heizpilze wären dann eine mögliche Wärmequelle. Denn „die Leute wollen wegen Corona nicht reinsitzen.“

Beim Stichwort „Zelt“ wird man bei der Stadtverwaltung hellhörig. Denn Zelte möchte man aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht zulassen. Denkbar sei hingegen ein Windschutz, wie ihn zum Beispiel der Blaue Engel hat. Hohe Trennwände zwischen Tischen schützen zwar nicht vor Regen und wärmen auch nicht, halten dafür aber unangenehmen Wind fern.

Francesco Moro vom gleichnamigen Restaurant am Marktlatz schüttelt nur mit dem Kopf. „Wie sollen denn die Leute dann draußen essen, wenn es regnet oder schneit? Wir brauchen die Möglichkeit, ein Zelt aufzustellen.“ Schon jetzt hat er elektrische Heizstrahler an seinen Sonnenschirmen montiert. „Ich habe aber auch ein paar alte Heizpilze im Keller.“ Die würde er eigentlich gerne aufstellen.

Peter Sager, Inhaber des Restaurants Fuchshof glaubt nicht daran, dass die Menschen in der kalten Jahreszeit draußen sitzen, selbst dann nicht, wenn man entsprechende Vorkehrungen trifft. „Nach meiner Erfahrung wollen die lieber drin sitzen. Das mag in der Großstadt vielleicht anders sein.“ Er selbst habe vor zwei Jahren Heizpilze gekauft und dann festgestellt, dass deren Einsatz in Ludwigsburg verboten ist. Seither stehen sie im Keller. „Die sind ja auch nicht gut für die Umwelt“, sagt er.

Heizpilze werden meist mit Propangas betrieben und geben die Verbrennungswärme an die Umwelt ab. Sie stoßen aber vergleichsweise viel Kohlenstoffdioxid aus. Laut Oberbürgermeister Knecht will die Stadtverwaltung mit dem Gemeinderat darüber beraten, gegebenenfalls andere Öfen (Infrarot, Elektro oder Pellets) zuzulassen, da diese ungefährlicher und weniger umweltschädlich seien. Auf privaten Flächen, zum Beispiel unter den Marktplatz-Arkaden, dürfen Wirte Heizungen ohnehin schon nutzen, jedoch keine Gaspilze.

Laut Bundesumweltamt verursachen allerdings sowohl mit Propangas betriebene als auch elektrische Terrassenheizstrahler einen hohen CO2-Ausstoß. „Gasbetriebene und elektrische Heizstrahler sind dabei etwa gleich ineffizient und etwa gleich CO2-intensiv“, heißt es.

Stuttgart hat derweil bereits entschieden, Heizpilze zuzulassen. Ausnahmsweise. Damit soll den von der Corona-Pandemie besonders getroffenen Gastronomen geholfen werden. Für eine Stadt mit grünem Oberbürgermeister bemerksenswert, wobei Fritz Kuhn keine Ausnahme ist. Auch Tübingen mit seinem Grünen Oberbürgermeister Boris Palmer hat das seit 2008 bestehende Heizpilz-Verbot aufgehoben. „Infektionsschutz vor Klimaschutz“, sagte Palmer. In Berlin und Hamburg sind Heizpilze in den meisten Stadtbezirken verboten, doch auch hier könnte es bald Lockerungen geben. In Frankfurt und Darmstadt sind Heizpilze erlaubt. Sogar Anton Hofreiter, der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, gibt grünes Licht für eine zeitlich begrenzte Aufhebung der Heizpilz-Verbote. In Ludwigsburg, so sieht es derzeit aus, will man am Heizpilz-Verbot festhalten, zumindest, was die gasbetriebenen Geräte anbelangt. Entgegenkommen möchte man den Wirten bei den Öffnungszeiten und der Außennutzung. Letztere soll das ganze Winterhalbjahr möglich sein, heißt es vonseiten der Verwaltung.

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