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Mit mehr kommunalem Grün gegen den Hitzekollaps

Der Asperger Landtagsabgeordnete Jürgen Walter und der Benninger Umweltexperte Claus-Peter Hutter fordern Städte und Gemeinden zu einer Klimaoffensive auf

Auch viele Böden im Kreis sind total ausgetrocknet. Foto: Holm Wolschendorf
Auch viele Böden im Kreis sind total ausgetrocknet. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Baden-Württemberg erlebt den dritten Dürresommer in Folge: Äcker und Wälder verdorren, die Innenstädte stehen vor dem Hitzekollaps. Gefordert seien in dieser Lage auch Städte und Gemeinden, kommunale Energiesparkonzepte allein reichten nicht mehr im Kampf gegen den Klimawandel, stellen der Asperger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Walter und der Benninger Umweltexperte Claus-Peter Hutter jetzt unabhängig voneinander in Pressemitteilungen fest.

Das Jahr 2019 war im Südwesten das drittwärmste seit dem Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen anno 1881, zitiert Walter die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage, die er und seine beiden Fraktionskollegen Markus Rösler (Vaihingen) und Daniel Renkonen (Ludwigsburg) unterzeichnet haben. 16 der letzten 20 Jahre gehörten zu den 20 wärmsten Jahren insgesamt, besonders die Hitzeperioden hätten seit der Jahrtausendwende deutlich zugenommen, nach dem Dürrejahr 2018 seien die Wasserreserven auch 2019 deutlich zu niedrig geblieben. Umweltminister Franz Untersteller weist in seiner Antwort unter anderem darauf hin, dass die niedrigen Grundwasserspiegel insbesondere die Wälder und die Vitalität der Waldbäume schwer träfen, die Bedrohung durch Schädlinge wie den Borkenkäfer nehme zu.

Ohne das Mitziehen der Kommunen, analysiert Walter, seien die Klimaziele des Landes nicht zu erreichen: Städte und Gemeinden müssten erstens weitere Anstrengungen für den Klimaschutz unternehmen, sich zweitens aber auch „an die nicht mehr vermeidbaren Folgen der Klimakrise anpassen“. Er weist auf die Landesförderung für Anpassungskonzepte hin, wie es in Ludwigsburg bereits seit 2016 erarbeitet werde. Auf den Weg zu mehr kommunalem Klimaschutz haben sich mittlerweise beispielsweise auch Freiberg und Asperg gemacht.

Walter unterstreicht die Bedeutung innerstädtischer Grünflächen als „Hitzeinseln“ und weist auf die Chance hin, das urbane Mikroklima durch die Begrünung von Fassaden zu verbessern. Dies ermögliche gerade auch dort mehr Grün, „wo der Platz fehlt“. Ein entsprechendes Förderprogramm des Landes sei aber noch von keiner einzigen Kommune in Anspruch genommen worden, die Städte im Kreis seien aufgerufen, auf diesem Weg „voranzugehen“.

Eine entschlossene Reaktion der Kommunen verlangt auch Claus-Peter Hutter, im Hauptberuf Chef der Umweltakademie des Landes und ehrenamtlich Präsident der Stiftung NatureLife International, kurz NLI. Denn Städte und Gemeinden hätten den Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise zum Teil selbst in der Hand: Sie müssten „endlich“ von der weiteren Flächenversiegelung Abstand nehmen und „funktionierende Grünzonen schaffen, statt Deko-Kübel aufzustellen“. Bäume müssten wieder konsequent als grüne Lungen verstanden werden. Es reiche nicht, energiesparende Heizungen zu bauen, wenn man die „potenziellen natürlichen Klimaanlagen“ darüber vergesse, so Hutter.

Die Kommunen sollten deshalb damit beginnen, Klimaschutzwälder aufzubauen, fordert der Benninger in einer NLI-Mitteilung. Darunter versteht Hutter naturnahe Wälder ohne Forstwirtschaft: Einen „natürlichen Umbau der Wälder“ erledige „die Natur von alleine, wenn man sie nur lässt“. Das sei zudem „viel billiger als die Umstellung auf vermeintliche künftige Holzertragsbaumarten“, plädiert Hutter für „mehr Waldpragmatismus: Warum kann nicht die Hälfte der Staats- und Kommunalwälder von jeglicher Bewirtschaftung frei gehalten werden?“

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