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Mit Pilotprojekt und Dämmen gegen neue Fluten

Nach ähnlichen Hochwasserkatastrophen im Kreis haben die betroffenen Kommunen reagiert und viel in Schutzmaßnahmen investiert

Das Hochwasserschutzsystem „Beaver“ kam vor wenigen Tagen das erste Mal in Schwieberdingen zum Einsatz. Archivfoto: Rometsch
Das Hochwasserschutzsystem „Beaver“ kam vor wenigen Tagen das erste Mal in Schwieberdingen zum Einsatz. Foto: Rometsch

Strohgäu/Bottwartal/Remseck. Vor elf Jahren herrschte dort, wo nun Michael Makurath steht, Land unter: Gewaltige Regenfälle hatten am 4. Juli 2010 die gesamte Ditzinger Innenstadt unter Wasser gesetzt. Die Folge war nicht nur, dass unter anderem eine Kita neu aufgebaut werden musste – sondern auch ein landesweites Pilotprojekt, das den OB nun zum gefragten Interviewpartner fürs Fernsehen macht. Acht Anrainerkommunen der Glems („Sie gehört nicht zu den Gewässern, wo schon zwei Wochen vorher zu sehen ist, was passieren wird.“) haben dabei unter anderem Starkregengefahrenkarten erstellt – wie sie derzeit nicht einmal die Hälfte der Kommunen im Land hat, obwohl das eine der wichtigsten Maßnahmen ist. Ebenso wichtig, so Makurath, ist die Kommunikation der Anrainer untereinander und mit denen, die an gefährdeten Gebieten bauen wollen.

Wie schnell ein Unwetter zur Bedrohung werden kann, hat Remseck Anfang Juli erlebt. Innerhalb eines Tages fielen 81 Liter pro Quadratmeter, so viel wie noch nie zuvor. Um von einem Unwetter nicht weggespült zu werden, hat die Stadt schon vor Jahren damit begonnen, in Sachen Hochwasserschutz aufzurüsten. Denn schon einmal stand Remseck, wie Teile des Kreises beim Jahrhunderthochwasser von 1978 vor der Katastrophe. Neben mobilen Spundwänden, die auch Privatpersonen für den Schutz von Häusern und Garagen angeboten werden, sind bei der Feuerwehr mehrere so genannte „Gerätewagen Logistik“ angeschafft worden. Diese sind mit Hochleistungspumpen ausgestattet, die zum Einsatz kommen, wenn Talsperren überlaufen zu drohen. Außerdem gibt es Sandsackfüllanlagen und auch hier das Beaversystem. Über 2,1 Kilometer dieses Schlauchsystems verfügt Remseck. 700 Meter werden jetzt voraussichtlich in das Notstandsgebiet geschickt. „Wir warten nur auf den Marschbefehl“, so Oberbürgermeister Dirk Schönberger.

Am 21. März 2002 verwandelten sich im Bottwartal Felder in Seen, vom Lichtenberg schoss das Wasser zu Tal und in Großbottwars Altstadt war Land unter. Die Schäden gingen in die Millionen. So etwas sollte nie wieder passieren. Die Bottwar-Anrainerkommunen Steinheim, Großbottwar, Oberstenfeld und Beilstein gaben eine Flussgebietsuntersuchung in Auftrag, die das ganze Einzugsgebiet des Flüsschens unter die Lupe nahm – insgesamt ein Gebiet von 76 Quadratkilometern. Als schlimmste Möglichkeit wurde dabei ein Jahrhunderthochwasser angenommen, das noch weit mehr Gebiete überschwemmen würde als die Flut von 2002. Zwei Jahre später wurde der Zweckverband Hochwasserschutz gegründet, dem die vier Kommunen angehören; sein Ziel: Der Bau von sechs Hochwasserrückhaltebecken, große Überflutungsflächen mit einem Damm und einem Auslass, durch den das gestaute Wasser dosiert abgegeben wird.

Drei sind bereits fertig – zwei in Großbottwar, eines in Oberstenfeld – und haben sich bewährt. Bei den nächsten beiden Becken im Kurzacher Tal und im Prevorster Tal laufen derzeit die Planfeststellungsverfahren. Nummer sechs soll in Schmidhausen angesiedelt sein.

Auch in Ditzingen wurde gebaut, unter anderem direkt nach dem Hochwasser ein Provisorium. Doch die dauerhafte Variante im Scheffzental benötigt ein Planfeststellungsverfahren, so Makurath. Und das dauert. Vor fünf, sechs Jahren habe man mit den Planungen begonnen, und er sei zuversichtlich, dass das Verfahren dieses Jahr eingeleitet und man in zwei Jahren vielleicht schon mit dem Bau begonnen haben könne. Ob das nicht schneller ginge, wenn das doch so sinnvolle Maßnahmen sind? „Das wird sich schwer beschleunigen lassen“, sagt er, es sei denn, man beschränke die Rechte von Grundstückseigentümern, die aber im Grundgesetz verankert seien.

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