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Motiv bei Doppelmord bleibt weiter unklar

36-jährigem Mundelsheimer wird vor dem Landgericht der Prozess gemacht – Noch-Ehefrau sieht keine psychischen Auffälligkeiten

Mundelsheim/Stuttgart. Was für eine Persönlichkeit ist der 36-jährige Mundelsheimer, der in der Nacht zum 21. Juni 2020 seine Partnerin und ihre neunjährige Tochter in Allmersbach tötete und danach versucht haben soll, seine Ehefrau auch zu töten? In dem seit Wochen laufenden Doppelmordprozess am Stuttgarter Landgericht ging es gestern um diese Frage.

Dass der Angeklagte zumindest zeitweise offensichtlich psychische Auffälligkeiten an den Tag legt, zeigte sich im Gerichtssaal. Der Angeklagte überraschte die Richter mit der Mitteilung, er habe am Wochenende nachgedacht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zuhörer über gewisse Kleinigkeiten auch informiert werden sollten. Zum Beispiel, dass es sich nicht um seine Ex-Frau handelt, sondern um die Noch-Ehefrau, die er nach dem Doppelmord ebenfalls umzubringen gedachte. Irritiert nahmen die Richter dies zur Kenntnis. Danach legte sich der Angeklagte mit dem Oberkörper auf den Tisch vor der Anklagebank und schien zu schlafen.

Eine ehemalige Freundin, der er Stunden nach der Bluttat bei einem Spaziergang den Doppelmord geschildert hatte, wurde gestern vom psychiatrischen Sachverständigen eingehend über die Psyche des Mannes befragt. Ob sie darüber berichten könne, dass er viel Alkohol konsumiert habe oder ob er „ab und an mal spinne“? Nein, sie habe keine Hinweise darauf, so die Antwort. Sie erinnerte sich aber daran, dass es ihm wichtig gewesen sei, dass die beiden Opfer die Schnitte in die Kehle nicht überleben sollten. Der Vorsitzende Richter fragte: „Herr über Leben und Tod?“ Das bestätigte die Zeugin. Jedoch habe sie von ihm nicht erfahren, warum die beiden sterben mussten. Auch das Gericht hat hierzu noch nichts aus dem Mund des ansonsten Geständigen vernommen.

Auch die Noch-Ehefrau des Angeklagten, die gestern per Videoschaltung als Zeugin vernommen wurde, konnte nichts über ein mögliches Mordmotiv sagen. Sie habe in der Nacht zum 21. Juni nicht mitbekommen, dass auch sie auf der Todesliste ihres Mannes stand. Laut Anklage soll der Mann versucht haben, in das Haus der Frau und der beiden eigenen Kinder einzudringen, um sie ebenfalls zu töten, was allerdings an der verschlossenen Eingangstür scheiterte. Sie könne sich eine solche Tat bei ihm nicht vorstellen, sagte die Frau – obwohl er sehr bestimmend sei und man für nichts garantieren könne, „wenn er mal auf 180 ist“. Sie habe nur am darauffolgenden Morgen festgestellt, dass alle vier Reifen an ihrem Auto zerstochen waren und die Haustür beschädigt war.

Dass auch sie sich in dieser Nacht in Lebensgefahr befand, erfuhr sie erst durch die Polizeibeamten, die sie mitsamt ihrer beiden Kinder in Schutzgewahrsam nahmen. Die Frau berichtete, dass die Trennung vom Angeklagten bereits im März 2018 beschlossen worden sei, weil er eine andere Frau kennengelernt habe – eben die jetzt getötete 41-Jährige. Die endgültige Scheidung sei nunmehr von ihr eingereicht. Die Frage, ob er gewalttätig ist, verneinte die Ehefrau, erwähnte aber gleichzeitig, dass er immer wieder „ausgerastet“ sei, wenn ihm etwas nicht gepasst habe. An seinen heute zehn- und zwölfjährigen Kindern habe er überhaupt kein Interesse. Auch sie wollten keinen Kontakt zu ihm. Zugetraut habe sie ihm eine solche Tat nicht, sagte die Frau, die auch die Fragen des psychiatrischen Gutachters auf mögliche psychische Auffälligkeiten ihres Mannes nicht erschöpfend beantworten konnte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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