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Mr. Bottwartal-Marathon hört auf

Er färbte sich die Haare blau, er investierte 10000 Stunden Arbeit für neuen Veranstaltungen, er war Mr. Bottwartal-Marathon: Gerhard Petermann hört als Organisationschef des Marathons Ende des Jahres auf. Die Nachfolge übernimmt Holger Bäßler – mit dem bestehenden Team.

Gerhard Petermann.Archivbild: Holm Wolschendorf
Gerhard Petermann.Archivbild: Holm Wolschendorf

Steinheim. Im Urlaub auf dem Fernwanderweg nach Meran hatte Gerhard Petermann Zeit, sich die passenden Worte zurechtzulegen. Entsprechend groß war die Erleichterung, als er am Freitagabend dem Organisationsteam des Bottwartal-Marathons (BWM) seine Entscheidung verkündete. „Es war wie eine Last, die von mir abgefallen ist“, sagt er. Den ohnehin schon nach der Absage des Marathons 2020 nicht gerade froh gestimmten Vereinsvertretern verschlug es zunächst die Sprache. Doch bereits 2018 hatte Petermann angekündigt, dass er nach seinem zehnten Bottwartal-Marathon 2021 aufhören wird. Vor allem die Corona-Pandemie hat die Entscheidung nun beschleunigt. Denn zum ersten Mal hatte der 54-Jährige wieder freie Zeit, war nicht gedanklich ständig mit dem Marathon beschäftigt. „Meine Frau und ich haben unsere Planungen immer rund um die Termine gebastelt, es war schön, mal frei zu haben“, erzählt er. Auch die anfängliche Dynamik habe nachgelassen wie auch seine Motivation, trotz allen Herzbluts, das er in den BWM steckte. Der Umzug von Großbottwar nach Steinheim, die Verlegung des Starts vom Wellarium an den Steppi-Kreisel, sechs Mal die Auszeichnung bester Marathon in Baden-Württemberg und ein achter Platz in Deutschland: Petermann blickt auf viele Erfolge zurück und weiß, wie schwer es sein wird, da noch eine Schippe drauf zu legen.

Gerne erinnert er sich zurück, auch an die blauen Haare. Er hatte versprochen, sich zum BWM die Haare zu färben, wenn die vor sich hin dümpelnde Spendensumme wieder eine bestimmte Höhe erreicht. Auch seinen zweiten Marathon, als es nur geschüttet hat und er nach fünf Minuten komplett nass war, wird er nicht vergessen. Viele „liebe Menschen“ habe er kennengelernt. Aber es gab auch Tiefschläge. Beim ersten Marathon unter seiner Regie wurden die Läufer falsch geleitet: „Da habe ich viel Häme abbekommen.“ Auch die letzte Zeit sei nicht einfach gewesen. Die mitveranstaltenden Vereine hätten ihn nicht voll unterstützt. Die Entscheidung wegen Corona sei größtenteils an ihm gehangen. Dennoch sagt er: „Einen schöneren Abgang wie nach einem Teilnehmerrekord 2019 hätte es nicht geben können.“ Er lege keinen Wert auf eine große Verabschiedung. „Mein größter Erfolg ist, wenn die Läufer nach der Veranstaltung erschöpft, aber glücklich nach Hause gehen. Dann habe ich einen guten Job gemacht. Darauf schaue ich mit Stolz zurück.“

Der Marathon 2021 werde anders sein – mit weniger Teilnehmern, aber auch weniger Helfern, ist sich Petermann sicher. „Wir hatten in der Vergangenheit 600 Helfer, die wird man nicht mehr bekommen.“ Neue Ideen seien wichtig. Petermann wird zwar unterstützend wirken, aber nur, wenn gewünscht. „Wie mein Vorgänger Werner Neumann möchte ich einen sauberen Schnitt machen“, sagt er. Sein Nachfolger Holger Bäßler hat vor zwei Jahren die Öffentlichkeitsarbeit für den BWM übernommen. Sein Ziel: „Den Lauf im nächsten Jahr in welcher Form auch immer stattfinden lassen“, sagt er.

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