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Nachhilfe für überforderten Bürgermeister?

Scharfe Kritik an Holger Albrichs Vorbereitung und Sitzungsleitung in Diskussion um drei neue Baugebiete und die Stellplatzschlüssel

Sachsenheim. Keineswegs ein freundlicher Onlinetalk war die jüngste Gemeinderatssitzung in Sachsenheim. Denn Bürgermeister Holger Albrich musste sich von SPD-Rat Gert-Wilhelm Bechtle im Zuge einer fast drei Stunden langen Debatte über drei Bebauungspläne ungewöhnlich scharfe Kritik gefallen lassen. Er warf dem Schultes vor, sich offensichtlich nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigt zu haben, weil die Sitzungen nach Bechtles Meinung aus dem Ruder liefen.

„Ich werde es mir in diesem Zusammenhang selbstverständlich nie erlauben, von einer Fehlbesetzung in der Rolle des Stadtoberhauptes zu sprechen“, sagte Bechtle. Möglicherweise schlummere im Bürgermeister ein Rohdiamant. „Ich möchte Sie inständig bitten, diesen schleifen zu lassen, damit er uns alle überstrahlen kann“, legte Bechtle nach. Der SPD-Rat glaubt, dass Verwaltungsverbände, das Regierungspräsidium bis hin zum Städtetag dem Schultes hilfreich zur Seite stehen würden, ihn zu einem echten schwäbischen Schultes zu ertüchtigen. „Und so einen braucht’s – so schnell als möglich in Anbetracht der eingetretenen prekären Lage unserer Verwaltung“, betont Bechtle.

Der SPD-Rat wies damit auf den Verlust von Stefan Trunzer hin, der Fachbereichsleiter Verwaltung ist vor wenigen Tagen verstorben. Trunzer war Albrichs wichtigster Berater und ein absoluter Fachmann für Verwaltungsvorschriften. Diese Rolle hat jetzt offensichtlich Günter Dick (GLS) übernommen, der zeitweise den Bürgermeister regelrecht vorführte.

Dick, ein profunder Kenner von Berufs wegen, setzte sein Wissen in schelmischer, wenig kollegialer Art ein. Aus dem Gremium kam dazu allerdings nur Schweigen. Bürgermeister Holger Albrich wies die Kritik zurück und sagte, dass er in jeder Sitzung Fachleute zu Wort kommen lasse.

Im Fokus der Debatte über die Bebauungspläne der neuen Baugebiete „In den Gärten“ in Ochsenbach, „Talaue“ in Häfnerhaslach und „Birkenfeld“ in Kleinsachsenheim – sie sollen im beschleunigten Verfahren nach Paragraf13b auf den Weg gebracht werden – stand der Stellplatzschlüssel. In allen Baugebieten wurde er mehrheitlich von 1,5 pro Wohneinheit auf 2,0 heraufgesetzt. Vor allem Anna-Sophia Schmid (FWV) lehnte dies ab, weil damit das Bauen unverhältnismäßig teuer werde. Bei Geschossbauten würden allein zwei Ebenen des Gebäudes dem Wohnen durch Parken entzogen.

Günter Dick lehnte die Pläne generell ab, weil sie nicht den Zielen des Paragrafen 13b entsprächen. Und Ralf Nägele (FWV) sprach sich gegen das Gebiet „Birkenfeld“ aus, weil es einen zu hohen Landschaftsverbrauch habe.

Die Entwürfe aller drei Baugebiete werden jetzt öffentlich ausgelegt und sollen dann im Herbst verabschiedet werden. Der Paragraf 13b hat das Ziel, kleinere Baugebiete zügig zu erschließen.

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