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Nächste Schritte bei der Bottwartalbahn

So könnte die Bottwartalbahn als Regionalstadtbahn bei Beilstein einmal aussehen. Fotomontage: Bürgeraktion Bottwartalbahn
So könnte die Bottwartalbahn als Regionalstadtbahn bei Beilstein einmal aussehen. Fotomontage: Bürgeraktion Bottwartalbahn
Eine ganze Weile war es ruhig um die Reaktivierung der Bottwartalbahn. Die Machbarkeitsstudie ruhte, während der Bund die Förderkriterien überarbeitete. Nun liegen diese vor. Was sie für die Chancen des Projekts bedeuten, welche Schritte als Nächstes folgen und wann die erste Bahn fahren könnte.

Bottwartal. „Wir begrüßen die neue Version und gehen davon aus, dass sie sich positiv auf das Gesamtprojekt auswirken könnte“, so die erste Reaktion aus dem Landratsamt Ludwigsburg. Die neuen Bewertungsmaßstäbe des Bundes zur Förderung von Schienenprojekten gewichteten nun unter anderem Faktoren wie Klima- und Umweltschutz, Verkehrsverlagerung und Daseinsvorsorge stärker. „In Zukunft sollen deutlich mehr Projekte für eine finanzielle Beteiligung durch den Bund infrage kommen.“ Auch die mit der Reaktivierung der Bottwartalbahn befassten Gutachter rechneten daher mit positiven Auswirkungen.

Die Schritte, die jetzt folgen, sind in erster Linie Verwaltungsarbeit, aber von zentraler Bedeutung. Laut dem Landratsamt teilt sich die Untersuchung in zwei Phasen. Die bereits bestehende Machbarkeitsstudie aktualisiere man nun anhand der neuen Vorgaben des Bundes. Dann sollen die Arbeiten folgen, die zurückgestellt wurden, als der Bund die neuen Förderkriterien angekündigt hatte – die Vorplanung der Infrastruktur und die Standardisierte Bewertung. Der Gutachter sei noch vor der Sommerpause beauftragt worden.

Kosten-Nutzen-Faktor reichte zuletzt nicht aus

„Jetzt kommt es auf die paar Monate auch nicht mehr an“, sagt Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion Bottwartalbahn, die sich schon seit vielen Jahren für die Reaktivierung der Strecke einsetzt. Anhand vergleichbarer Projekte geht er davon aus, dass die Standardisierte Bewertung im zweiten Quartal 2023 vorliegen kann. Unter den alten Kriterien war 2019/20 der erforderliche Kosten-Nutzen-Faktor von 1,0 nicht erreicht worden.

Die mögliche Strecke lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen – einen im Kreis Ludwigsburg und einen im Kreis Heilbronn. In der Machbarkeitsstudie wird für den Kreis Ludwigsburg die Trasse der alten Bahn von Marbach durchs Bottwartal in Richtung Beilstein untersucht. Von dort aus stehen bis Heilbronn vier Varianten zur Diskussion: Die Originaltrasse über Ilsfeld und Talheim, eine Strecke über Auenstein, Abstatt, Untergruppenbach und Donnbronn sowie zwei weitere Möglichkeiten, die zusätzlich noch Flein beziehungsweise den Bosch-Standort in Abstatt anbinden würden. Deshalb spricht man laut Hans-Joachim Knupfer beim südlichen Teil bis Beilstein von einer Reaktivierung, während der nördliche Teil in Richtung Heilbronn auf einen kompletten Neubau hinauslaufen dürfte.

Zeitrahmen hängt an vielen Bedingungen

Zur wohl spannendsten aller Fragen, ab wann die Bahn durchs Bottwartal rollen würde, kann das Landratsamt noch keine Angaben machen. Wenn es gut läuft, rechnet Hans-Joachim Knupfer ab einer Förderzusage mit acht bis zwölf Jahren bis zur Fertigstellung. Voraussetzung sei, dass alle Kommunen an der Strecke dahinterstehen. Zudem hänge von der Entwicklung der Wirtschaftslage und damit der Staatsfinanzen ab, inwieweit entsprechende Förderprogramme bestehen bleiben.

Auch bei den neuen Kriterien sieht der Bahnexperte weiterhin eine Ungleichbehandlung von Projekten. Der Bottwartalbahn werde es etwa zum Nachteil, dass die alte Infrastruktur fast nicht mehr vorhanden ist und die Baukosten dadurch höher sind. Beim Straßenbau liege der Fokus dagegen auf dem späteren Nutzen. Untersucht würde zudem nur das direkte Einzugsgebiet und nicht der mögliche Durchgangsverkehr zwischen den beiden Regionen Stuttgart und Heilbronn. Unabhängig vom Ergebnis der Standardisierten Bewertung muss laut Hans-Joachim Knupfer die Verkehrsproblematik im Bottwartal gelöst werden: „Wenn die Bahn einmal da ist, wird man sich fragen: Wie sind wir bisher ohne sie ausgekommen?“ Am Ende sei das Projekt eine politische Entscheidung.