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Nächstes Winzerfest erst 2023

Seit Dienstagabend ist es beschlossene Sache: Das Besigheimer Winzerfest fällt in diesem Jahr aus. Auch wenn dem Gemeinderat die Entscheidung durchaus weh tat, so sah er angesichts der Pandemie keine andere Möglichkeit. Wenn es die Infektionslage im Herbst zulässt, könnte in kleinerer Runde gefeiert werden – dann allerdings nicht unter Federführung der Stadt.

In diesem Jahr wird es keine ausgelassene Winzerfeststimmung in der Besigheimer Altstadt geben. Archivfoto: Alfred Drossel
In diesem Jahr wird es keine ausgelassene Winzerfeststimmung in der Besigheimer Altstadt geben. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Beim Winzerfest ist auf Besigheims Altstadtgassen kaum ein Durchkommen – ob abends, wenn gemeinsam gefeiert, getrunken und zu den Livebands getanzt wird, oder mittags, wenn die Fischerstecher auf der Enz ihren Meister suchen oder der Festzug Tausende Besucher anlockt. Wäre das am dritten Septemberwochenende in diesem Jahr wieder möglich? Wohl kaum – selbst wenn die Impfungen vorangehen und die Infektionszahlen sinken.

Und so kam der jetzige Entschluss des Gemeinderats nicht überraschend. Zumal die Stadtverwaltung bereits im Januar mitgeteilt hatte, dass es ein Winzerfest nur ganz oder gar nicht geben wird. Das heißt: Eine abgespeckte Variante, vielleicht ohne Festumzug, vielleicht ohne die urigen Keller, kam für Bürgermeister Steffen Bühler nicht infrage. Schließlich würden mit dem Namen Winzerfest Erwartungen geweckt. Auch im Gemeinderat selbst ging die Tendenz damals schon zur Absage. Die zwischenzeitliche Gesprächsrunde mit Stadtverwaltung und Vereinen, Organisationen und Gastronomen bestärkte das Gremium in seiner Entscheidung. Denn auch die Vertreter der Ehrenamtlichen und Wirte sahen ein Winzerfest 2021 skeptisch. „Es gab eine deutliche Mehrheit“, sagte Kulturamtsleiterin Anette Walz nun: „Wenn das Winzerfest nicht so stattfinden kann, wie wir es alle kennen, dann sollte 2021 kein Fest stattfinden.“

Das sah auch das Gremium so. „Die Absage tut weh“, sagte Ulrich Gerstetter (CDU). Aber sie sei natürlich erforderlich, auch was den Zeitpunkt betreffe. Denn das Winzerfest lebt schließlich von der Beteiligung der vielen ehrenamtlichen Vereinsmitglieder. Und diese benötigen für die Vorbereitungen auf das Großereignis genügend Zeit. Da ist es nur fair, sie nicht zu lange im Unklaren zu lassen und das Fest jetzt abzusagen. Auch Marcel Kühnle (SPD) fand, die „schwierige, emotionale“ Entscheidung sei in der jetzigen Situation absolut richtig. Für die Vereine sei es aber aus finanzieller Sicht schwierig, wenn das Winzerfest nicht stattfinde, da ihnen dessen Einnahmen fehlten. Er regte an, sich über eine gesonderte Vereinsförderung Gedanken zu machen. Dr. Anne Posthoff (BMU) und Walter Zeyhle (FWV) schlossen sich ihren Vorrednern an.

Einigkeit herrschte im Gremium auch bei der Organisation einer Alternativveranstaltung – diese sei nicht Aufgabe der Stadt. Wie Anette Walz zuvor mitteilte, wäre es vorstellbar, dass man im Herbst eine kleinere Veranstaltung mache, wenn es die Coronavorschriften dann zuließen. Bühler betonte, dass dies mit Bedacht geschehen müsse: „Wir müssen sehr aufpassen, dass wir im Herbst nicht etwas initiieren, das uns über den Kopf wächst.“ Die Stadtverwaltung schlug vor, dass sie ein grobes Konzept für eine Alternativveranstaltung erarbeitet. Das sei falsch, meinte Gerstetter: Wenn Vereine oder Felsengartenkellerei etwas machen wollten, könnte die Stadt ihnen zwar einen Platz zur Verfügung stellen, aber sie solle nicht als Veranstalter auftreten. Denn dann müsste sie ja im Zweifel auch auswählen, welche Vereine sich an dem kleineren Fest beteiligen dürften. Diese Meinung teilte auch Edgar Braune (WIR). Zeyhle riet von einer städtischen Organisation ebenfalls ab. Er sah die Gefahr, dass das Fest dann überlaufen werde, weil es als „Ersatz-Winzerfest“ angesehen werde.

Der Gemeinderat beschloss, dass die Stadt bei einem möglichen kleineren Fest im Herbst nicht als Veranstalter auftreten soll. Vereine könnten aber gerne selbst etwas organisieren – wenn es die Pandemie zulasse.

Bis auf Edgar Braune waren auch alle dafür, den zweijährigen Rhythmus des Winzerfestes beizubehalten; Braune hätte es hingegen gerne nächstes Jahr nachgeholt. Doch das wird wegen Terminkollissionen mit anderen Veranstaltungen nicht passieren.

Helmut Fischer (BMU) dachte bei der ganzen Feierei auch an die Ottmarsheimer: „Ich bedauere, dass das Jubiläum in Ottmarsheim total untergeht, dass man es nicht groß feiern kann.“ Wie berichtet, ist die Gemeinde vor 50 Jahren nach Besigheim eingegliedert worden. Das sollte nicht nur Motto des Winzerfestumzuges sein, sondern natürlich im Stadtteil ordentlich gefeiert werden. Anette Walz erklärte, dass es bereits ein Treffen mit den Vereinen gegeben habe und man sich dort verständigt habe, dass das Jubiläum eher in den Herbstferien begangen werden solle – mit Festvortrag, Ortsrundgang und Theater beispielsweise: „Die Hoffnung, dass wir was machen können, haben wir nicht aufgegeben.“ In einem großen Rahmen sei das aber nicht machbar. Christian Herbst (SPD) meinte, „vielleicht fällt uns noch was Gutes ein, wie es würdig gestaltet und gefeiert werden könnte.“

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