Logo

Neckarausbau dauert 30 Jahre

Damit auf dem Neckar künftig auch Schiffe mit einer Länge von 135 Metern fahren können, müssen die Schleusen zwischen Mannheim und Plochingen ausgebaut werden. Die Kosten dafür liegen bei 1,2 Milliarden Euro. Das sagte Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn, dieser Tage dem Verkehrsausschuss des Landes.

Auch in der Marbacher Schleuse muss eine Kammer für 135 Meter lange Schiffe verlängert werden. Foto: Holm Wolschendorf
Auch in der Marbacher Schleuse muss eine Kammer für 135 Meter lange Schiffe verlängert werden. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Genau 27 Neckarstaustufen gibt es zwischen Mannheim und Plochingen. Sie wurden zwischen 1925 und 1968 gebaut und sind mittlerweile reparaturbedürftig – und zu kurz. In allen Staustufen, die in der Regel aus einer Schleusenanlage, einem Wehr und einer Wasserkraftanlage bestehen, muss je eine Schleusenkammer für 135-Meter-Schiffe erweitert werden. Bisher können nur Schiffe mit einer maximalen Länge von 105 Metern auf dem Neckar fahren. Wo keine Kammer vorhanden ist, muss eine gebaut werden. Bis das gesamte Vorhaben abgeschlossen ist, wird allerdings noch viel Wasser den Neckar hinunter bis zum Rhein fließen. Denn: Die Fertigstellung des Mammutprojekts wird von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt für das Jahr 2050 angegeben. Das Geld dafür steht bereit. Wie die Behörde mitteilt, ist die Verlängerung der Neckarschleusen in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen worden. Vorgesehen sind auch Modernisierungen der bis zu 95 Jahre alten Schleusen.

Dass der Neckarausbau erst in 30 Jahren abgeschlossen sein soll, stößt dem Bietigheim-Bissinger Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen (Grüne) bitter auf. „Das ist keinem Menschen zu vermitteln“, sagt das Mitglied des Umwelt und Verkehrsausschusses und kritisiert den „planerischen Schwergang“. Es sei sehr fragwürdig, von Zeitplänen zu reden, die künftige Generationen betreffen, zumal hier „ja nicht der Neckar begradigt“ werde. Die Bonner Generaldirektion machte zum Zeitplan auf Anfrage unserer Zeitung keine Angaben.

Das Land Baden-Württemberg lässt derzeit eine Güterverkehrskonzeption erstellen. Sie soll die Frage beantworten, wie man den Güterverkehr verstärkt auf die Schienen und Wasserstraßen verlegen kann. Da spielt der Neckar laut Daniel Renkonen eine große Rolle. Deshalb sei der Ausbau der Schleusen für 135-Meter-Schiffe ein großes Muss. Je länger das dauere, desto schwieriger sei es zudem, die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Grünen würden sich wünschen, dass der Zeitplan deutlich straffer wird. „Da lassen sich meines Erachtens fünf bis zehn Jahre aufholen“, sagt Renkonen.

Insgesamt 203 des 367 Kilometer langen Neckars sind Bundeswasserstraße und werden von der Großschifffahrt genutzt. Wie Claudia Thoma von der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, müssen in Besigheim und Hessigheim aufgrund der schwierigen Baugrundverhältnisse jeweils eine neue Schleusenkammer gebaut werden. Wie die Behörde weiter mitteilt, ist eine Instandsetzung der Schleusenkammern im Landkreis Ludwigsburg – hier gibt es Schleusen in Besigheim, Hessigheim, Pleidelsheim, Marbach, Poppenweiler und Aldingen – bisher bereits in Hessigheim erfolgt. In Aldingen sei die Liegestelle neu gebaut worden. In dem Remsecker Stadtteil werde derzeit auch die linke Schleusenkammer für 110 Meter lange Großmotorgüterschiffe modernisiert. Die Verlängerungen und Instandsetzungen von Kammern der restlichen Schleusen sei in Planung. Wann es dort mit dem Bau losgehen soll, lässt die Behörde unbeantwortet.

Eingriffe in die Landschaft werden mit sieben Fischaufstiegsanlagen kompensiert. Eine davon wird in Freiberg-Beihingen im Zuge des Wehrneubaus realisiert.

Autor: