Logo

Neuer Verein kauft Hochberger Synagoge

Errichtet wurde das klassizistische Gebäude 1828 als Synagoge, seit 1914 wurde es als evangelisch-methodistische Kirche genutzt. Jetzt steht es erneut vor einem Besitzerwechsel: Die ehemalige Hochberger Synagoge wird vom neu gegründeten Verein Beth Shalom übernommen. Das ist Hebräisch und heißt Haus des Friedens.

Die ehemalige Synagoge soll zum Ort für Erinnerungsarbeit werden.Archivfoto: B. Stollenberg
Die ehemalige Synagoge soll zum Ort für Erinnerungsarbeit werden. Foto: B. Stollenberg

Remseck. Im 18. bis 20. Jahrhundert gab es eine starke jüdische Gemeinde im heutigen Remsecker Stadtteil Hochberg, die klassizistische Synagoge in der Hauptstraße war seit 1828 ihr geistliches Zentrum. Mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde, deren Mitglieder in andere Orte verzogen, übernahm die evangelisch-methodistische Kirche das Gebäude bereits 1914 und nutzte es als Gemeindesaal. Als Kirche überlebte die baulich fast unverändert gelassene ehemalige Synagoge so die Pogromnacht am 9. November 1938. Nun steht ein erneuter Besitzerwechsel an: Am 3. Mai wurde der Verein „Beth Shalom – Haus des Friedens: Verein für Erinnerungs- und Friedensarbeit in Remseck“ gegründet, der das Gebäude erwerben wird.

„Den Beschluss, das Gebäude zu verkaufen, um unseren Gebäudebestand zu reduzieren, haben wir schon 2014 gefällt“, berichtet Pastor Dieter Jäger vom evangelisch-methodistischen Gemeindebezirk Waiblingen-Hegnach und Remseck. Jedoch sei es der Gemeinde wichtig gewesen, eine würdige und der Tradition des Hauses entsprechende Nachnutzung sicherzustellen. Durch die Aktivitäten des Hochberger Historikers und Stadtrats Kai Buschmann, der in den letzten Jahren die jüdischen Spuren in Remseck verstärkt der Öffentlichkeit präsentierte, sei die Idee zur Gründung eines Vereins entstanden. Man habe sich in einem langen Prozess über die Ziele und die Struktur des Vereins sowie den Kaufpreis geeinigt. Es sei auch gelungen, Spender zu gewinnen, die den Kauf des Gebäudes durch den Verein ermöglichen. Über den Kaufpreis und die Namen der Spender aus der Remsecker Bürgerschaft sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Der Verein habe bewusst den Hebraismus „Beth Shalom – Haus des Friedens“ als Vereinsnamen gewählt, „um die Aufgaben der Erinnerung an die jüdische Gemeinde, aber auch den Gegenwartsauftrag der Verständigung und Toleranzförderung zum Ausdruck zu bringen“, fasst Kai Buschmann zusammen. 76 Jahre nach Kriegsende sind die meisten Zeitzeugen des Holocaust verstorben. Es sei nun an der Zeit, die Erinnerung an jüdisches Leben vor und im Nationalsozialismus aktiv durch Vereinsarbeit wachzuhalten. Auch haben die Gründer die Worte des französischen Schriftstellers Olivier Guez beeindruckt: „Immer, nach zwei oder drei Generationen, wenn das Gedächtnis verkümmert und die letzten Zeugen der vorherigen Massaker sterben, erlöscht die Vernunft, und die Menschen säen wieder das Böse.“ 76 Jahre nach Kriegsende rufe sowohl die internationale Lage als auch manche gesellschaftliche Diskussion nach mehr Verständigung, Friedensarbeit und Toleranz.

Beth Shalom habe daher in der Satzung als Vereinszweck festgeschrieben: „Zweck des Vereins ist die Förderung der Volksbildung, der Heimatpflege und der Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens.“ Der Verein will der Erinnerungsarbeit zur deutschen Geschichte, insbesondere der Geschichte des Judentums in Deutschland und der jüdischen Gemeinden in Hochberg und Aldingen sowie der Geschichte der örtlichen christlichen Kirche im 20. und 21. Jahrhundert leisten. Damit werde Dialogfähigkeit, Toleranz, Völkerverständigung und der Abbau von Vorurteilen gefördert.

Zum Vorsitzenden von Beth Shalom wurde Kai Buschmann, zum Stellvertreter Pastor Dieter Jäger gewählt. Der Remsecker OB Dirk Schönberger als Beisitzer, Architekt Jürgen Fischer aus Bittenfeld als Protokollant und Dr. Birgit Buschmann als Schatzmeisterin komplettieren den Vorstand. Inzwischen ist der Verein ins Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt. (red)