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Neues Semester: Studieren mit Abstand und von zu Hause

An der Verwaltungshochschule beginnt in diesen Tagen das neue Semester. Für die Studienanfänger soll der Unterricht zum Teil in den Seminarräumen stattfinden. Die Hochschule betritt damit Neuland.

Rektor Wolfgang Ernst (links) und Prorektor Thilo Haug in einem der Seminarräume, in denen künftig realer und virtueller Unterricht gleichzeitig stattfinden. Fotos: Holm Wolschendorf/Archiv
Rektor Wolfgang Ernst (links) und Prorektor Thilo Haug in einem der Seminarräume, in denen künftig realer und virtueller Unterricht gleichzeitig stattfinden. Foto: Holm Wolschendorf/Archiv
Rektor Wolfgang Ernst (links) und Prorektor Thilo Haug in einem der Seminarräume, in denen künftig realer und virtueller Unterricht gleichzeitig stattfinden. Fotos: Holm Wolschendorf/Archiv
Rektor Wolfgang Ernst (links) und Prorektor Thilo Haug in einem der Seminarräume, in denen künftig realer und virtueller Unterricht gleichzeitig stattfinden. Foto: Holm Wolschendorf/Archiv

Ludwigsburg. Maskenpflicht in den Gängen, überall offene Fenster und Türen, Spender mit Desinfektionsmittel an jeder Ecke – in der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen sieht es derzeit aus wie in vielen Schulen und öffentlichen Gebäuden in der Coronakrise. In den vergangenen Wochen und Monaten war es in den Seminarräumen und Gängen allerdings recht still, da ein Großteil der Lehre und der Veranstaltungen online stattgefunden haben. Das soll sich jetzt ändern. Zumindest für die gut 1000 Verwaltungsnachwuchskräfte, die in diesem Herbst ihr Studium beginnen.

Für sie ist ein „hybrides Semester“ geplant, haben der Rektor der Hochschule, Wolfgang Ernst, und der Prorektor für Studium und Lehre, Thilo Haug, jetzt bei einem Pressegespräch erläutert. „Uns ist wichtig, dass die Erstsemester sich erst einmal kennenlernen“, sagt Ernst. Auch die Infrastruktur der Hochschule, etwa die Bibliothek, müsse man gesehen haben, um vernünftig studieren zu können.

Hochschule plant hybrides Semester

Aufgrund der anhaltenden Gefahr durch das Coronavirus wird die Lehre im kommenden Semester aber nur sehr eingeschränkt an der Hochschule stattfinden können. In den meisten Seminarräumen haben aufgrund der Abstandsregeln nur etwa zehn Personen Platz. Nur ein Teil der Studenten kann also an Vorlesungen oder Seminaren teilnehmen. Für die anderen muss die Lehrveranstaltung digital nach Hause übertragen werden.

Das stellt Dozenten und Professoren vor völlig neue Herausforderungen. Denn zum einen halten sie den Unterricht für einige Studenten im Seminarraum ab. Zum anderen sitzen gleichzeitig aber mindestens zwei Drittel der Teilnehmer zu Hause am Computer.

Wie solch ein Unterricht funktionieren kann, wird derzeit an der Hochschule erprobt, erklärt Haug. Das fängt bei so einfachen Fragen wie der an, ob der Dozent auf- und ablaufen darf. Das ist im Seminarraum eine Selbstverständlichkeit. Für die Online-Zuhörer und -Zuschauer darf der Professor aber nicht aus dem Bild verschwinden. Mithilfe von Kameras sollen Bewegungen im Raum aber weiterhin möglich sein.

Rektor Wolfgang Ernst ist daher froh, dass seine Hochschule in vielen Seminarräumen mit modernster Technik ausgestattet ist. „Hier wurde und wird Material im Wert von über einer Million Euro eingebaut.“ Glück für die Hochschule. Denn mit dieser technischen Aufrüstung wurde erst wenige Monate vor – und unabhängig von – der Coronakrise begonnen.

Der Unterricht für die älteren Studenten soll vorerst weiterhin weitestgehend online stattfinden. Die Hochschule kann hier mittlerweile auf mehrere Monate Erfahrung zurückblicken. Genutzt werden die unterschiedlichsten Kanäle von Online-Vorlesungen über abgefilmte Vorlesungen, Chats über Telefonkonferenzen bis hin zur digitalen Bereitstellung der Lehrmaterialien.

Weiterhin großer Raumbedarf

Die Rückmeldungen der Studenten über die Digitallehre seien gemischt, aber eher positiv, sagt Haug. Auch der Notendurchschnitt habe sich kaum verändert. Allerdings sei die Streuung größer, so Wolfgang Ernst. Gute Studenten seien eher besser geworden, offenbar weil sie sich besser konzentrieren konnten. Schlechte dagegen eher schlechter. Ihnen mangelt es offenbar an der nötigen Selbstdisziplin.

Der Rektor möchte, sobald es möglich ist, auf jeden Fall wieder zum normalen Unterricht zurückkehren. „Die Präsenzlehre bleibt erste Wahl.“ Das E-Learning sei kein vollwertiger Ersatz und solle in Zukunft höchstens ergänzend eine Rolle spielen. Daher hält Ernst weiterhin an den Ausbauplänen für seine Hochschule fest. Der Studiengang Rentenversicherung hat jetzt vier neue Räume neben der ehemaligen Rockfabrik in der Weststadt erhalten. Im März, wenn die Disco vollends umgebaut ist, stehen dort weitere acht Seminarräume sowie Büros zur Verfügung. Und der Raumbedarf sei damit noch immer nicht gestillt.

Auch Prorektor Thilo Haug kann sich eine rein digitale Verwaltungshochschule nicht vorstellen. „Unsere Lehre zeichnet sich gerade durch die Präsenz und die kleinen Seminargruppen aus“, sagt er.

Die Entscheidung, ob es sich derzeit lohnt, ein Studentenzimmer zu mieten oder nicht, können Ernst und Haug den Studenten nicht abnehmen. Die Studentenwerke verzeichnen in vielen Städten mittlerweile Leerstände, weil die Studenten wegen der Online-Lehre zu Hause wohnen bleiben. Wolfgang Ernst erhält deswegen auch öfters Anrufe von Eltern, die wissen wollen, ob sich ihre Sprösslinge ein Zimmer nehmen sollen oder nicht. Das müsse jeder selbst wissen, sagt Ernst. Der Rektor stellt aber klar, dass die Präsenzpflicht für Studenten auch dann gilt, wenn sie nur alle zwei oder drei Wochen an der Hochschule erscheinen müssen.

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