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„Niemand soll sich unwohl fühlen“

Der künstlerische Leiter des Forums, Lucas Reuter, spricht über die neue Saison mit fast normalem Spielbetrieb

Volles Programm im Forum: Aterballetto (links), Sabine Meyer (oben) und Omar Sosa sind in den kommenden Monaten zu Gast. Fotos: Celeste Lombardi, Scholzshootspeople, Franck Socha/p
Volles Programm im Forum: Aterballetto (links), Sabine Meyer (oben) und Omar Sosa sind in den kommenden Monaten zu Gast. Foto: Celeste Lombardi, Scholzshootspeople, Franck Socha/p
Volles Programm im Forum: Aterballetto (links), Sabine Meyer (oben) und Omar Sosa sind in den kommenden Monaten zu Gast. Fotos: Celeste Lombardi, Scholzshootspeople, Franck Socha/p
Volles Programm im Forum: Aterballetto (links), Sabine Meyer (oben) und Omar Sosa sind in den kommenden Monaten zu Gast. Foto: Celeste Lombardi, Scholzshootspeople, Franck Socha/p
Volles Programm im Forum: Aterballetto (links), Sabine Meyer (oben) und Omar Sosa sind in den kommenden Monaten zu Gast. Fotos: Celeste Lombardi, Scholzshootspeople, Franck Socha/p
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Ludwigsburg. Seit Beginn der Coronapandemie im vergangenen Jahr verlief keine Spielzeit im Forum auch nur ansatzweise wie geplant. Allein schon wegen der hohen Zahl der Plätze in Verbindung mit einem entsprechend hochwertigen und damit kostenintensiven Programm mussten die meisten Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Nun scheint wieder eine weitgehend normale Spielzeit möglich. Lucas Reuter, künstlerischer Leiter des Forums, spricht im Interview über die schwierige Kommunikation bei den Coronaregeln, Ängste des Publikums und die neue Freude an der Mehrarbeit.

Herr Reuter, nach eineinhalb von Corona überschatteten Jahren geht es im Forum wieder richtig los. Vielerorts hört man noch von einer gewissen Zurückhaltung des Publikums. Wie läuft’s bei Ihnen?

Lucas Reuter: Der Vorverkauf läuft sehr gut! Wir haben eine große Nachfrage nach Abonnements und Einzelkarten. Das ist sehr erfreulich – deutlich besser, als ich es erwartet hatte. Ich dachte, dass die Vorbehalte größer wären. Ich habe vor der Sommerpause auch nicht erwartet, dass die Regularien für Veranstaltungen so schnell wieder normalisiert werden. Es hätte mich nicht gewundert, wenn wir die Plätze erst mal nur im Schachbrettmuster hätten besetzen können. Das wäre aber für uns finanziell schwierig geworden. Da haben wir Glück gehabt.

Bei der Vorstellung des Programms im Frühsommer hatten Sie also den richtigen Riecher?

Ja, und das ist natürlich schön für uns. Ich höre von anderen Kulturinstitutionen, dass sie teilweise Schwierigkeiten haben. Ich denke, das ist auch eine Frage der Kommunikation – etwa, was die Regeln für den Vorstellungsbesuch angeht. Lange Gebrauchsanweisungen hemmen, man muss das Ganze klar formulieren. Und man braucht eine Zeitstrecke, um die Maschinerie für den Verkauf anzuwerfen, das geht nicht in vier Wochen. Wir sind seit Juli dabei.

Konkret: Wie sind die Regeln im Forum jetzt?

Momentan und solange es die aktuelle Situation zulässt, gilt 3G. Wenn die sogenannte Alarmstufe durch das Land ausgerufen werden würde, hätten die Ungeimpften keinen Zugang mehr. Beim Kartenverkauf kommunizieren wir das auch immer mit – aber wir erhalten zu 95 Prozent die Rückmeldung: Wir sind geimpft. Im Haus besteht außerdem Maskenpflicht, außer bei der Konsumation von Getränken im Foyer und im Restaurant. Das Foyer ist aber groß genug, um die nötigen Abstände einhalten zu können. Die volle Auslastung ist nun wieder möglich – das heißt aber nicht, dass in allen Veranstaltungen auch 1200 Zuschauer sitzen.

Tickt das Ludwigsburger Publikum anders als andernorts, ist also weniger behäbig und weniger ängstlich?

Zumindest tickt es nicht problembehaftet bei uns. Es gibt auch private Veranstalter, beispielsweise in Stuttgart, welche die 2G-Regelung anwenden. Das wollen und können wir als Theater- und Konzerthaus in kommunaler Trägerschaft nicht. Wenn die gesetzliche Regelung ist, dass auch Ungeimpften Veranstaltungen offenstehen, dann halte ich mich als Stadttheater daran. Ich möchte niemanden ausschließen.

Gibt es Veränderungen im Programm, etwa durch externe Faktoren?

Nein, bislang nicht. Im November kommt etwa die São Paulo Companhia de Dança aus Brasilien zu uns. Auch das wird funktionieren. Wenn die Kompanie in Quarantäne hätte gehen müssen, wäre sie früher angereist, damit hatten wir notfalls geplant. Wir machen keine kurzen Programme, keine doppelten Aufführungen. Es findet ein normaler Spielbetrieb statt.

Wie geht’s Ihnen damit, nach den vielen Monaten der Unsicherheiten, Absagen und oft vergeblicher Arbeit?

Gut (lacht). Es war schon frustrierend, etwa in den Monaten vor einem Jahr. Als die Pandemie anfing und das Maskenthema aufkam, konnte man sich das natürlich nur schwer vorstellen, weil es doch ein gewisser Eingriff ins Persönlichkeitsrecht ist. Inzwischen ist es aber das kleinste Übel. Langfristig denke ich schon, dass die Maske aus den Gesichtern verschwinden muss. Die Kommunikation ist einfach eingeschränkt, die Mimik fehlt. Wenn die Zuschauer in der Vorstellung sitzen, ist es zwar dunkel, die Künstler sehen nicht jedes Gesicht, aber es findet eben doch eine Kommunikation statt. Von der Bühne aus ist es ein Indikator, wie konzentriert das Publikum ist. Ich bin gespannt, wie die Atmosphäre bei den ersten Vorstellungen sein wird.

Haben Sie da Befürchtungen?

Nein, im Grunde nicht. Aber wir überlegen uns natürlich, wie wir Hilfestellung leisten können, wenn jemand mit der Situation nicht zurechtkommt. Niemand soll sich bei uns unwohl fühlen. Bei einem ausverkauften Saal haben wir nicht viel Handlungsspielraum. Wir haben im Vorverkauf auch erklärt: Wer oben im Rang sitzt, hat größere Chancen auf mehr Abstand um sich herum. Die meisten wollten trotzdem die besten Plätze. Das Forum hat aber ohnehin eine leistungsfähige Klimatechnik, die mit Virenfiltern ausgestattet ist und aktuell mit hundert Prozent Frischluft betrieben wird.

Werfen wir mal einen Blick ins Programm: Was sind die Höhepunkte im Herbst?

Wir beginnen mit Aterballetto aus Italien, „Don Juan“ von Johan Inger als deutsche Erstaufführung. Darüber bin ich sehr glücklich. Mit der Kompanie verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit. Das ist fast ausverkauft. Danach starten wir unsere Reihe mit der Gaechinger Cantorey und Haydns „Schöpfung“, was natürlich ein toller Stoff für einen Neustart ist. Die Bachakademie feiert damit ihr 60-jähriges Bestehen. Unsere gemeinsame Reihe hat sich sehr schön etabliert, trotz Corona haben wir sie mit Streaming-Konzerten und CD-Produktionen fortgeführt. Die Bachakademie ist im Forum zu einem Haus-Ensemble geworden. Im November kommt dann Thomas Dutronc zu uns, einer der großen französischen Chansonniers. Und am 13. November ist die Klarinettistin Sabine Meyer mit Le Concert Olympique zu Gast, auch ein Orchester, mit dem wir kontinuierlich zusammenarbeiten. Und damit geht es richtig los – dann spielen wir fast jedes Wochenende Vorstellungen.

Auch durch Verschiebungen sind es ja mehr Veranstaltungen in dieser Spielzeit…

Ja, außerdem haben wir durch das Bundesprogramm „Neustart Kultur“ letztes Jahr 200000 Euro bekommen, die uns noch bis Ende des Jahres zur Verfügung stehen. Damit können wir mehr Vorstellungen zeigen, als es sonst unser finanzieller Rahmen zulassen würde. In dieser Spielzeit sind es über 60 Produktionen statt der sonst üblichen rund 50. Ein strammes Programm, das für uns auch viel Mehrarbeit bedeutet. Aber das fällt nicht ins Gewicht. Wir sind am Ende einer großen Krise, in der viele Menschen in Existenznöte geraten sind. Da sehe ich für uns beim Forum keinen Grund zum Jammern.

Info: Die Saison beginnt am Wochenende mit einer Doppelvorstellung von Aterballetto. Weitere Infos zum Programm und Karten gibt es unter www.forum.ludwigsburg.de.

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