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Wahl

Oestringer heißt der neue Bürgermeister

Der künftige Bürgermeister der Stadt Gerlingen heißt Dirk Oestringer. Überraschend deutlich entschied der 33-Jährige die Wahl am gestrigen Sonntag für sich. Er holte gleich im ersten Wahlgang mehr als zwei Drittel der abgegebenen Stimmen.

Alt und neu im Rathaus: (von links) Melanie Fritz, Dirk Oestringer, Georg Brenner, Margit Gindner-Brenner. Foto: Ramona Theiss
Alt und neu im Rathaus: (von links) Melanie Fritz, Dirk Oestringer, Georg Brenner, Margit Gindner-Brenner. Foto: Ramona Theiss

Gerlingen. Die Wahllokale waren um 18 Uhr geschlossen und die Zählarbeit der rund 170 Wahlhelfer begann. Schon als die Ergebnisse aus den ersten drei Wahllokalen auf dem großen Bildschirm im Sitzungssaal 24 Minuten später erscheinen war klar: Das Rennen ist gelaufen.

Oestringer kommt demnach auf 66,8 Prozent, die erste Beigeordnete der Stadt Martina Koch-Haßdenteufel auf nur 29,4 Prozent. Die restlichen vier Bewerber landeten unter „ferner liefen“. Reinhard Riesch, der Stuttgarter Gemüsehändler und gemobbte Kurzzeit-Bürgermeister in Weissach, der Dauerkandidat und Musikpädagoge Ulrich Raisch, der Anarcho-Clown Samuel Speitelsbach sowie der Gerlinger Handwerker Martin Martz, der während des kompletten Wahlkampfs so gut wie abgetaucht war.

Im weitgehend leer geräumten Ratssaal warteten mehr als 400 Interessierte auf das vorläufige amtliche Endergebnis. Kurz vor 19 Uhr wurde es von Bürgermeister Georg Brenner verkündet: Oestringer 67,7 Prozent, Koch-Haßdenteufel 28,3 Prozent, Riesch 1,9 Prozent, Raisch ein Prozent, Martz 0,7 Prozent und Speitelsbach 0,1 Prozent. Von den 15.372 Wahlberechtigten gaben 53,7 Prozent ihre Stimme ab. Nur 16 von 8235 Zettel waren ungültig.

Gemeinsamer Auftritt

Arm in Arm kamen der junge Kommunalberater und frühere persönliche Referent des Sindelfinger Bürgermeisters mit seiner 30 Jahre alten Lebensgefährtin Melanie Fritz in den Saal. Applaus brandet auf. Oestringer bedankt sich zuallererst bei ihr für die Unterstützung, dann bei seiner Wahlkampfleiterin, den Verwandten, Freunden, Kollegen.

Noch-Bürgermeister Brenner, der sein Amt Ende Januar aus freien Stücken nach 20 Jahren vorzeitig räumt, gratuliert als erster. „Gutes Gelingen und eine glückliche Hand“, gab er seinem Nachfolger auf den Weg. Es folgen der Europaabgeordnete Rainer Wieland, der Staatssekretär Steffen Bilger, der Landtagsabgeordnete Markus Rösler. Oestringer muss an diesem Abend noch viele weitere Hände schütteln und Schulterklopfer aushalten.

Er baut auf ein vertrauensvolles Miteinander von Gemeinderat, Verwaltung und Bürgern. Er sei unabhängig, führungsstark und teamfähig, betonte er bei den sehr gut besuchten Kandidatenvorstellungen immer wieder. Er wolle die positive Entwicklung der Stadt fortführen und stärken. Die Stadt stehe vor großen Aufgaben, Er setze seine Schwerpunkte auf die schwierige Verkehrslage, den angespannten Wohnungsmarkt, die Digitalisierung und die Auswirkungen des Klimawandels.

Ostringer strebt unter anderen einen Mobilitätsmix und ein Verkehrsleitsystem an, um den Parksuchverkehr zu minimieren. Er werde gegen einen weiteren Autobahnanschluss kämpfen. Beim Ziel „bezahlbares Wohnen“ könne man sich nicht ungebremst ausdehnen. Natur und Landwirtschaft müssten geschützt werden. Die Stadt müsse Grundstücke aufkaufen. Oestringer bedankte sich auch für einen außerordentlich fairen Wahlkampf und bot seiner schärfsten Konkurrentin Martina Koch-Haßdenteufel eine gute Zusammenarbeit an der Rathausspitze an.

Die ist seit 20 Jahren im Gerlinger Rathaus beschäftigt und verantwortet seit zehn Jahren als erste Beigeordnete unter anderem die Finanzen der reichen Stadt, den sozialen Bereich und die Bürgerdienste. „Natürlich bin ich sehr enttäuscht über mein Abschneiden“, sagt sie, sichtlich um Fassung bemüht. Für sie ist es ein Zeichen, dass ihre bisher geleistete Arbeit nicht honoriert würde. Sie hatte versucht, auf Kontinuität in der Gerlinger Kommunalpolitik zu setzen. Diesen Abend müsse sie erst einmal verdauen. Die anderen Kandidaten waren zur Entscheidung gar nicht mehr aufgetaucht. Und nur Ulrich Raisch hatte dafür eine nachvollziehbare Entschuldigung. Er fuhr lieber in Brackenheim Niederlage Nummer 47 ein. Dort holte er 0,5 Prozent der Stimmen.

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