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Oft ist’s gefährlich für die Schüler

Ganz schön eng geht es zu an normalen Werktagen rund um die Kasteneckschule. Vor allem morgens, wenn Eltern ihre Kinder bringen. Anwohner und Lehrer fürchten, dass es noch schlimmer kommt, sollte die Einrichtung mit der Flattichschule fusionieren.

Zwei Stunden lang diskutieren 60 Interessierte über die Verkehrssituation an der Kasteneckschule. Foto: Holm Wolschendorf
Zwei Stunden lang diskutieren 60 Interessierte über die Verkehrssituation an der Kasteneckschule. Foto: Holm Wolschendorf

FREIBERG. Mit dem Problem befasste sich am Samstag ein Bürgerworkshop. 60 Anwohner, Gemeinderäte, Eltern und Lehrer diskutierten zwei Stunden lang. Der gordische Verkehrsknoten wurde dabei allerdings nicht durchschlagen.

Die Straßen im Umfeld der Schule sind schmal und dazu oft auch noch auf einer Seite zugeparkt, es gibt nur einen kleinen Gehweg. Regelmäßig bricht in der Charlottenstraße, in der Holderstraße und bei der Zufahrt zur Sporthalle das Verkehrschaos aus. Manche Eltern möchten ihre Kinder zum Schulbeginn am liebsten bis direkt vors Schultor fahren, Anwohner wollen zur gleichen Zeit zur Arbeit. Das ist ein gefährlicher Mix, weil zwischen all den rangierenden und feststeckenden Autos die überwiegende Mehrzahl der Grundschüler zu Fuß unterwegs ist. Sie müssen sich zwischen den Elterntaxis durchquetschen. „Es grenzt an ein Wunder, dass noch nichts passiert ist“, meint die Rektorin der Kasteneckschule, Ute Matt. Sie habe schon sehr gefährliche Situationen beobachtet. An einem beliebigen Tag seien Autos gezählt worden. 54 seien es gewesen. Für die Lage ist das sehr viel. Der dringende Appell, die Kinder zu Fuß zur Schule zu schicken oder falls dies „absolut unmöglich“ sei, einen Parkplatz in der oberen Charlottenstraße zu suchen, verhallte ungehört. „Es kommen immer mehr Elterntaxis“, klagt Matt.

Wenn sich die Flattichschule und die Kasteneckschule nach dem erneuten Bürgerentscheid am 26. September tatsächlich am Kasteneckpark zusammenschließen sollten, hätte die neue Einrichtung eine Größe von rund 340 Schülern und 50 Mitarbeitern, legte Dr. Frank Gericke von der Firma Modus Consult seiner Einführung zugrunde. Bei einer Umfrage im Vorfeld der Bürgerbefragung von 2016 gaben elf Lehrkräfte an, mit dem Auto zu kommen. Etwa 70 Eltern sagten, ihre Kinder mit dem Auto zu fahren.

Ein Teilnehmer des Workshops bezweifelte diese Zahlen als „beschönigend“. „Bei schlechtem Wetter sind das noch viel mehr“, sagte er. Eine neuerliche Verkehrszählung hätte in Coronazeiten nichts gebracht, weil die Schule geschlossen war, rechtfertigte Gericke die älteren Zahlen. Der Anwohner verließ daraufhin wutentbrannt das Prisma. „Die Lage ist katastrophal und hat sich weiter verschlimmert“, meinte eine Frau. Zu Spitzenzeiten wäre für einen Krankenwagen kein Durchkommen, weil die Autos alles verstopften und nicht aneinander vorbeikommen würden.

Die Eltern würden ihre Kinder aus Bequemlichkeit chauffieren oder aus Sorge. Aber das seien keine echten Gründe, so der Moderator Gericke. Es gebe einen Schulwegeplan in Freiberg und mehrere Bushaltestellen innerhalb eines Radius von 500 Metern. Der Planer verwies außerdem auf die wichtige soziale Funktion des gemeinsamen Schulwegs mit Klassenkameraden.

Die Anwesenden wünschten sich insbesondere einen sicheren Schulweg, weniger Verkehr und eine klar geregelte Situation. Weniger wichtig sind ihnen Parkplätze und die Erreichbarkeit der Schule mit dem Auto. Vorgeschlagen wurden unter anderem eine sogenannte Kiss-and-Drop-Zone nahe des Eingangs in der Mühlstraße sowie weitere fußgängerfreundliche Wege aufs Kasteneckareal.

Es gibt Anregungen, die Charlottenstraße zur Einbahnstraße zu erklären, dort ein absolutes Halteverbot zu installieren oder sie als Spielstraße zu deklarieren. Sie könnte zu Schulzeiten doch auch total gesperrt werden, meinte ein Workshop-Teilnehmer. Oder es könnte das Regenüberlaufbecken überdeckelt werden, um dort Stellplätze zu schaffen, lautete ein anderer Vorschlag. Eine weitere Erleichterung könnte eine Bushaltstelle bei der katholischen Kirche bringen, so ein anderer Lösungsvorschlag. Die radikalste Forderung war, einen komplett neuen Schulstandort zwischen Heutingsheim und Beihingen zu suchen, um die komplizierte Gemengelage dauerhaft zu entzerren.

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