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Ohne Feste wird weniger Braugerste verkauft

Die ersten Mähdrescher haben die Ernte 2020 eingeläutet. Die Landwirte im Kreis erwarten eher einen durchschnittlichen Ertrag.

Die Mähdrescher, hier bei Sachsenheim, sind wieder unterwegs. Geerntet wird zunächst Wintergerste. Foto: Alfred Drossel
Die Mähdrescher, hier bei Sachsenheim, sind wieder unterwegs. Geerntet wird zunächst Wintergerste. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Die Aussichten fallen – bedingt durch die anhaltende Dürre und späten Fröste – je nach Kultur und Region sehr unterschiedlich aus. Karl Friedrich Essich aus Oberriexingen ist auf der Langen Furche bei Sachsenheim mit seinem Sohn und Schwiegersohn mit dem eigenen Mähdrescher unterwegs, um die erste Wintergerste einzuholen. Das 2,4 Hektar große Feld steht gut da. Trotzdem erwartet Essich zehn Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr. Der Senior hat beobachtet, dass die Getreideernte jedes Jahr früher starte. Vor 30 Jahren habe sie zwei Wochen später eingesetzt.

„Prognosen für die Erträge in diesem Jahr kündigen eine durchwachsene Saison an“, stellt Eberhard Zucker, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ludwigsburg-Heilbronn fest. Zudem seien aufgrund des Wetters auch im Kreis lokale Ungleichheiten sehr wahrscheinlich.

Bei der Wintergerste erwartet der Raiffeisenverband in Deutschland eine Erntemenge von gut 9,2 Millionen Tonnen. Das Vorjahresergebnis von 9,7 Millionen Tonnen wird damit recht deutlich verfehlt. Grund dafür seien eine geringere Anbaufläche sowie niedrigere Erträge pro Hektar infolge der Trockenheit. Außerdem haben Spätfröste der Wintergerste in manchen Gebieten zugesetzt, sagt Zucker.

Auch die Weizenernte, die in etwa zwei Wochen beginnen werde, könnte unter dem schon schwachen Vorjahresergebnis bleiben, glaubt Zucker. Zwar hat der teils ergiebige Regen den Kulturen gutgetan, insgesamt dürfte er aber nur reichen, die gegenwärtige Prognose zu stabilisieren. „Für eine deutliche Steigerung der Erträge kamen die Niederschläge vielerorts zu spät. Außerdem steigt mit der feuchtwarmen Witterung die Gefahr von Pilzinfektionen“, ergänzt der Kreisbauernchef.

Wintergerste findet überwiegend als Futtergetreide für Schweine Verwendung. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre gelangten in Deutschland etwa 6,3 Millionen Tonnen in die Futtertröge. Sommergerste, die erst im Frühjahr gesät wird, wird dagegen in hohem Maße als Braugerste genutzt. Aufgrund der kürzeren Vegetationszeit und geringerer Düngung weist sie im Durchschnitt niedrigere Proteingehalte auf als die Wintergerste. Diese sind für eine gute Malzqualität zwingend. Allerdings, so Eberhard Zucker, sei der Absatz von Sommergerste zum Problem geworden. Wegen der Coronakrise finden keine Feste statt. „Keine Feste, keine Braugerste“, bedauert Zucker.

Trotz der aktuellen Probleme sieht Zucker die Ernte dieses Jahr positiv, ohne die wirtschaftliche Situation zu werten. Vom Regen deutlich mehr profitiert habe der Körnermais. Hier werde – auch wegen einer größeren Anbaufläche – mit einem kräftigen Plus von fast einem Fünftel gerechnet.

Das Jahr 2020 bringe viele Herausforderungen, betont Zucker. Ganz aktuell: die Coronapandemie und die damit verbundene Sorge vor einer globalen Wirtschaftsrezession sowie der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in China und das Risiko eines Auftretens der Krankheit in Deutschland.

Der Rapsanbau ist im Landkreis deutlich gesunken. Raps wird vor allem noch im Stromberggebiet angebaut. Auch für 2020/21 gehen Marktbeobachter davon aus, dass der Biodieselabsatz schleppend verläuft. Auf den landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis stehen zu 60 Prozent Getreidesorten. Es folgen Mais, Zuckerrüben und immer mehr auch Sojabohnen.

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