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Ohne Symptome oder Bescheinigung kein Coronatest

Obwohl sie als Kontaktpersonen Kategorie 1 beim Gesundheitsamt bekannt waren, hätte eine Familie die Tests im Ludwigsburger Testzentrum selber bezahlen müssen

Trotz roter Corona-Warn-App hätte eine Familie die Kosten für den Coronatest selber übernehmen sollen. Foto: Britta Pedersen/dpa
Trotz roter Corona-Warn-App hätte eine Familie die Kosten für den Coronatest selber übernehmen sollen. Foto: Britta Pedersen/dpa

Ludwigsburg. Sie hatte als Covid-19-Erkrankte 48 Stunden vor den ersten Symptomen Kontakt zu der Familie ihrer Schwester, die in Sachsenheim lebt. Im Testzentrum in Ludwigsburg verwehrte man der Familie trotz Termin allerdings den Coronatest beziehungsweise sie hätte die Kosten dafür selber übernehmen müssen, obwohl sie Kontaktpersonen 1 sind. Was fehlte, war ein Berechtigungsschein. Für die Frau, die sich an unsere Zeitung gewendet hat und in Winnenden lebt, ist das kaum verständlich. „Ich würde raten, die Testpolitik der Teststelle Ludwigsburg zu überdenken, wenn sich entgegen des Rates des RKI Kontaktpersonen 1 nicht testen lassen dürfen beziehungsweise auf einen Brief warten sollen, der Leben kosten könnte. Im digitalen Zeitalter haben wir doch genau dafür die Corona-App“, schreibt sie.

Was war geschehen? Am 1. Weihnachtsfeiertag bekam die Frau plötzlich Halsschmerzen. Da sie im achten Monat schwanger ist, bekam sie für den 27. Dezember einen Termin für einen Coronatest. Am 29. Dezember dann das Ergebnis: positiv. „Das war natürlich ein Schock, zumal wir an Weihnachten Kontakt zur Familie hatten“, sagt sie. Sofort hätten sie und ihr Mann alle Familienmitglieder informiert, mit denen sie an Weihnachten in Kontakt waren. Alle hätten sich vorsorglich in Quarantäne begeben.

Heimweg ohne Test angetreten

„Meine Schwester kam dann recht schnell auf mich zu, da sie und ihr Mann einen Nachweis für den Arbeitgeber benötigten“, so die Frau. „Einen Anruf vom Gesundheitsamt habe ich nie erhalten, am 31. Dezember ist dann aber ein Brief der Stadt Winnenden bei uns eingetroffen. Dort musste ich die Kontaktpersonen eintragen.“ Den Brief habe sie direkt am 31. Dezember wieder zurückgeschickt. Noch am selben Tag habe die Familie ihres Mannes, die ebenfalls im Rems-Murr-Kreis lebt und die als Kontaktpersonen 1 angegeben wurden, eine E-Mail mit einer genauen Angabe der Quarantänezeit erhalten.

Die Verwandtschaft aus dem Kreis Ludwigsburg habe erst am 2. Januar einen Anruf vom Gesundheitsamt bekommen, dass sie sich in Quarantäne begeben sollen. Da stand der Termin für den 2. Januar im Testzentrum Ludwigsburg schon und der entsprechende Berechtigungsschein lag der Familie natürlich noch nicht vor. Dieser sei für die Übernahme der Kosten des Coronatests entgegen vieler Meinung allerdings gar nicht unbedingt nötig, wie das Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. „Mit einer roten Warn-App kann/darf der Arzt den Test mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KV BW) abrechnen, ohne dass von uns ein Berechtigungsschein vorliegt. Sollte dies nicht gemacht worden sein, sollten sich die Betroffenen bei der KV BW beschweren“, heißt es.

Doch darüber wurde die Familie nicht informiert. „Um getestet zu werden, sagte man zu uns im Testzentrum, dass wir entweder Symptome aufweisen oder das Schreiben des Gesundheitsamtes vorlegen müssen“, erzählt die betroffene Schwester. „Obwohl die Corona-Warn-App auf Rot stand, hätten wir den Test also selber bezahlen sollen.“ Die Familie habe dann ohne Coronatest den Heimweg angetreten. Das Vorzeigen der roten Corona-App habe beispielsweise in Bad Cannstatt, wo sich der Mann unserer Leserin hat testen lassen, allerdings voll ausgereicht.

Verschiedene Kriterien

Um als Kontaktperson 1 aufgeführt zu werden, müssen verschiedene Kriterien erfüllt werden. Als Kontaktpersonen Kategorie I (KP I) gelten Personen, die enger als 1,5 Meter und länger als 15 Minuten ohne Maske Kontakt hatten. „Und das war bei uns eindeutig der Fall“, so die Frau. Für Schulklassen und Kitas gelten Sonderregelungen. Die ansteckende Zeit gilt ab 48 Stunden (zwei Tage) vor Symptombeginn. Diese Kontakte müssen als Kontaktpersonen an das Gesundheitsamt gemeldet werden.

„Das Gesundheitsamt – Team Kontaktpersonenmanagement – telefoniert mit allen aufgeführten Kontaktpersonen und klärt nochmals ab, ob sie KP I sind“, so das Landratsamt. „Nach dieser Feststellung erhalten die KP I per Post ein Infoschreiben zu den Maßnahmen mit der Quarantänedauer und dem Berechtigungsschein.“ Wie lange es dauert, bis das Schreiben bei den KP I im Briefkasten ist, hänge dabei von der Schnelligkeit der Meldung der KP I durch den Infizierten, der telefonischen Erreichbarkeit der KP I und der Schnelligkeit der Post ab.

„Unsere Anrufe erfolgen in der Regel tagesaktuell“, so das Landratsamt. „Eine Testung der KP I ist zwischen Tag 5 bis 7 nach dem Kontakt mit dem Infizierten sinnvoll.“ Die Testung der Familie der Schwester hätte allerdings deutlich später stattgefunden. „Sie haben am 4. Januar den Brief bekommen, dass sie sich testen lassen sollen“, so die Frau. „Da wäre die Quarantäne schon um gewesen.“

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