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Myliusstraße

Parkplätze bleiben vorerst erhalten

Entscheidung über den Grünen-Antrag fällt knapp aus – Mehrheit folgt dem Verwaltungsvorschlag, die Gesamtplanungen abzuwarten

Täglich fahren hier Busse durch, um zum Busbahnhof zu kommen. Konflikte bleiben nicht aus. Foto: Holm Wolschendorf
Täglich fahren hier Busse durch, um zum Busbahnhof zu kommen. Konflikte bleiben nicht aus. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der OB musste zweimal nachzählen, als die Abstimmungskärtchen nach oben gehalten wurden. Denn der Bürgersaal im Forum, in dem der Gemeinderat am Dienstagabend tagte, ist weitläufig und etwas unübersichtlich. Und es ging äußerst kapp zu: Waren es 21 Stimmen für den Grünen-Antrag, oder doch nicht? Das wäre die Mehrheit gewesen. Bei einer zweiten Zählrunde dann das offizielle Ergebnis: 20 stimmten zu, die Kurzzeitparkplätze in der Myliusstraße aufzulösen, 20 stimmten mit Oberbürgermeister Matthias Knecht für den Erhalt der Plätze, ein Stadtrat enthielt sich.

Nicht nur das knappe Ergebnis für den Erhalt der Parkplätze zeigt, dass die Diskussion um den Verkehr in der Myliusstraße, die die wichtigste Verbindung zwischen Bahnhof und der Innenstadt darstellt, sich kaum beruhigen wird. Auch die beabsichtigten Veränderungen rund um den Bahnhof und die Bus-Rad-Trasse, für die erst jüngst 2,5 Millionen Euro vergeben wurden, können die Situation in der Myliusstraße verändern. „Ich bitte darum, jetzt keinen Schnellschuss zu machen“, beschwor der OB die Stadträte vor der Abstimmung. „Wir wollen erst auch mit den Ärzten und Händlern in der Straße reden, bevor wir was ändern“, empfahl Bürgermeister Michael Ilk, den Vorschlag abzulehnen.

Die Grünen waren mit ihrem Antrag bereits im Mobilitätsausschuss knapp gescheitert (wir berichteten), wollten aber eine Entscheidung durch den Gemeinderat. Die parkenden Autos würden die Busse behindern, es komme täglich zu unnötigen Wartezeiten. Auch wenn es Einwände seitens der Anlieger gebe, darunter Geschäftsleute und Ärztehäuser, sollte auf die Kurzzeitplätze verzichtet werden. Dafür könnten Behindertenplätze oder Lieferzonen erweitert werden. „Die Straße ist ständig verstopft, 1500 Busse fahren täglich da durch“, argumentierte Grünen-Stadträtin Christine Knoß. Es gebe in dem Gebiet Parkhäuser, die Plätze seien auch nicht exklusiv für einzelne Anlieger gedacht. Sie verwies auf das Klinikum, wo ebenfalls ambulant behandelt werde und alle Patienten ins Parkhaus gingen, trotz teils weiterer Wege als in der Myliusstraße.

Volle Breitseite dann von CDU und Freien Wählern. Über diese Art von „Straßenkampf“ der Grünen wunderte sich Stadtrat Jochen Zeltwanger, der erst ein schlüssiges Verkehrskonzept für den Bereich einfordert. Die Stadt sollte sich dafür Zeit lassen, alles andere wäre ein politisches Placebo. CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Herrmann verweist auf die Ärztehäuser, deren Patienten die Kurzzeitparkplätze benötigten. „Früher gab es mal 27 Stellplätze, das wurde schon reduziert“, ärgert er sich. „Wenn man die Parkplätze abschafft, halten die Autos in der zweiten Reihe.“ Herrmann hält die Straße anders als die Grünen für attraktiv, sie habe Aufenthaltsqualität – sonst würden die Leute nicht am Straßenrand im Eiscafé oder im Café weiter oben sitzen. Für die Patienten und Kunden der Händler sprach sich auch die FDP-Rätin Stefanie Knecht aus.

SPD, Linke und Lubu schließen sich den Grünen an

Zunächst sah es so aus, als ob die Grünen mit ihrem Antrag allein dastehen. Die SPD bezog jedoch eindeutig Position für den Nahverkehr und gegen die Parkplätze. „Alle Busse müssen durch diese Schleuse und werden regelmäßig ausgebremst“, so Nathanael Maier für die SPD-Fraktion. Er findet es erstaunlich, wie viele Autos dort unterwegs sind, die dann oft auf der Straße anhalten, um einen der Parkplätze zu ergattern und damit den gesamten Verkehr stilllegen. Für ihn stellt sich auch die Frage, ob die Straße für die Händler nicht attraktiver gestaltet werden könnte. Wer parken wolle, könne das im Umfeld der Straße tun.

„Ob das Leben der Geschäfte von den Parkplätzen abhängt, bezweifle ich“, so Jürgen Müller von den Linken. Er befürwortete den Grünen-Antrag, ebenso wie die Lubu-Stadträtin Elga Burkhardt. „Die Argumente wiederholen sich langsam, ich wundere mich aber auch, warum hier mit dieser Vehemenz um die Parkplätze gekämpft wird“, sagte sie.

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